Pres­se­be­rich­te von Gerichts­ver­hand­lun­gen

Das Inter­es­se der Medi­en auf Bericht­erstat­tung aus einer öffent­li­chen Gerichts­ver­hand­lung hat hin­ter dem Per­sön­lich­keits­recht und dem Recht auf Schutz der Intim­sphä­re zurück­zu­ste­hen.

Pres­se­be­rich­te von Gerichts­ver­hand­lun­gen

So ent­schied jetzt das Ober­lan­des­ge­richt Köln in drei von einem Wet­ter­mo­de­ra­tor ange­streng­ten Ver­fah­ren. Ein vom Ver­dacht der Ver­ge­wal­ti­gung einer Ex-Freun­din ange­klag­ter, im Straf­ver­fah­ren frei­ge­spro­che­ner Fern­seh­mo­de­ra­tor hat in allen drei Fäl­len die Kla­ge erho­ben. Das Ermitt­lungs- und Straf­ver­fah­ren war in den Medi­en, u.a. sei­tens der Beklag­ten, mit gro­ßer Auf­merk­sam­keit und aus­führ­li­cher Bericht­erstat­tung beglei­tet wor­den. Der Klä­ger hat­te wäh­rend der Ermitt­lun­gen in einer rich­ter­li­chen Ver­neh­mung im Detail den zwi­schen ihm und der Anzei­ge­n­er­stat­te­rin übli­chen (ein­ver­nehm­li­chen) Sexu­al­ver­kehr geschil­dert. Die Beklag­ten hat­ten sodann Ein­zel­hei­ten der Schil­de­rung in ihre Pres­se­ver­öf­fent­li­chun­gen ein­ge­stellt. Hier­ge­gen hat sich der Klä­ger mit sei­nen Kla­gen gewandt.

Vom Ober­lan­des­ge­richt Köln wird dar­in ein unzu­läs­si­ger Ein­griff in das Per­sön­lich­keits­recht des Klä­gers gese­hen. Das Bericht­erstat­tungs­in­ter­es­se der Beklag­ten habe hin­ter dem Recht des Klä­gers auf Schutz sei­ner Intim­sphä­re zurück­zu­ste­hen.

Etwas ande­res erge­be sich auch nicht dar­aus, dass die berich­te­ten Umstän­de spä­ter Gegen­stand einer öffent­li­chen Gerichts­ver­hand­lung gewe­sen sei­en, in wel­cher das Ver­neh­mungs­pro­to­koll im Wort­laut ver­le­sen wor­den war. Die Öffent­lich­keit eines Gerichts­saa­les sei nicht mit der Wir­kung zu ver­glei­chen, die von einer Ver­öf­fent­li­chung in den Medi­en, erst recht bei einer Ver­öf­fent­li­chung im Inter­net aus­ge­he. Die ver­öf­fent­lich­ten Details hät­ten in kei­nem Zusam­men­hang mit dem kon­kre­ten Tat­vor­wurf gestan­den und sei­en von den Beklag­ten auch in der Bericht­erstat­tung nicht in einen sol­chen Zusam­men­hang gerückt wor­den.

Zudem sei zu berück­sich­ti­gen, dass der Klä­ger nicht straf­recht­lich ver­ur­teilt wor­den sei. Wäh­rend des lau­fen­den Ermitt-lungs­ver­fah­rens und bis zu einer gericht­li­chen Ver­ur­tei­lung gel­te zu Guns­ten des Beschul­dig­ten die Unschulds­ver­mu­tung. Dem­entspre­chend zurück­hal­tend und aus­ge­wo­gen müs­se über den Tat­vor­wurf und den auf dem Ange­klag­ten las­ten­den Ver­dacht berich­tet wer­den .

Ober­lan­des­ge­richt Köln, Urtei­le vom 14. Febru­ar 2012 – 15 U 123/​11; 15 U 125/​11 und 15 U 126/​11