Grundsätzlich ist bei Urkunden zu unterscheiden zwischen der formellen, sich auf die Abgabe der Erklärungen, und der materiellen, sich auf die Richtigkeit des Erklärten beziehenden Beweiskraft1.
Eine Privaturkunde begründet nach § 416 ZPO allein vollen Beweis dafür, dass die in der Urkunde enthaltenen Erklärungen von dem Aussteller abgegeben worden sind2. Die Beweisregel erstreckt sich dagegen nicht auf die inhaltliche Richtigkeit des Erklärten.
Ob die in der Privaturkunde enthaltenen Angaben zutreffen, ob die darin bestätigten tatsächlichen Vorgänge wirklich so geschehen sind oder nicht, ob insbesondere ein Rechtsgeschäft zustande gekommen ist und welchen Inhalt es hat, unterliegt der freien tatrichterlichen Beweiswürdigung nach § 286 Abs. 1 ZPO3.
Die Privaturkunde erbringt jedoch gemäß § 416 ZPO vollen Beweis dafür, dass der Erblasser die in der Urkunde enthaltene Erklärung abgegeben hat. § 416 ZPO enthält eine gesetzliche Beweisregel im Sinne des § 286 Abs. 2 ZPO4. Soweit die Beweiskraft der Urkunde reicht, kommt es auf die Überzeugung des Gerichts (§ 286 Abs. 1 ZPO) nicht an5.
Bundesgerichtshof, Beschluss vom 12. März 2015 – V ZR 86/14
- BGH, Urteil vom 17.04.1986 – III ZR 215/84, NJW 1986, 3086[↩]
- BGH, Urteil vom 11.05.1989 – III ZR 2/88, NJW-RR 1989, 1323; Urteil vom 24.06.1993 – IX ZR 96/92, NJW-RR 1993, 1379, 1380[↩]
- BGH, Urteil vom 17.04.1986 – III ZR 215/84, NJW 1986, 3086; BGH, Urteil vom 24.06.1993 – IX ZR 96/92, NJW-RR 1993, 1379, 1380[↩]
- PG/Laumen, ZPO, 6. Aufl., § 286 Rn. 18[↩]
- BGH, Urteil vom 17.04.1986 – III ZR 215/84, NJW 1986, 3086; Urteil vom 10.07.2013 – IV ZR 224/12, BGHZ 198, 32 Rn. 29[↩]











