Pro­mi­kam­pa­gne für Fahr­rad­hel­me – aber Fotos ohne Helm?

Papa­raz­zi-Fotos aus dem Pri­vat­le­ben einer Pro­mi­nen­ten beim Fah­ren ohne Fahr­rad­helm, die eine Fahr­rad­helm­kam­pa­gne unter­stützt, dür­fen ver­öf­fent­licht wer­den. Dage­gen haben der Schutz ihres noch nicht ein­mal schul­pflich­ti­gen Kin­des und die beson­ders geschütz­te Eltern-Kind-Situa­ti­on Vor­rang vor dem Ver­öf­fent­li­chungs­in­ter­es­se der Zeit­schrift.

Pro­mi­kam­pa­gne für Fahr­rad­hel­me – aber Fotos ohne Helm?

So hat das Ober­lan­des­ge­richt Köln in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Mode­ra­to­rin und Jour­na­lis­tin und einem Bou­le­vard-Maga­zin ent­schie­den und ein Urteil des Land­ge­richts Köln bestä­tigt. Im Jahr 2017 hat­te sich die Klä­ge­rin an der Kam­pa­gne "Du bist mir nicht egal" für den Ein­satz von Fahr­rad­hel­men aktiv betei­ligt. Das Maga­zin hat­te danach Fotos der Pro­mi­nen­ten und ihrer Toch­ter ver­öf­fent­licht, die ein Papa­raz­zo heim­lich auf­ge­nom­men hat­te. In ers­ter Instanz hat­te das Land­ge­richt ein Foto für zuläs­sig gehal­ten, bei dem sie ohne Helm auf einem Fahr­rad fah­rend zu sehen war ("Fehlt da nicht was?"). Ein Foto, auf dem sie ein Fahr­rad schob und ein Bild­aus­schnitt, auf dem ihre noch nicht schul­pflich­ti­ge Toch­ter mit Helm zu sehen war, wur­den dage­gen als unzu­läs­sig ein­ge­stuft. Gegen die­ses Urteil hat der Ver­lag Beru­fung ein­ge­legt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Köln deut­lich zum Aus­druck gebracht, dass der Schutz des damals noch nicht ein­mal schul­pflich­ti­gen Kin­des und die beson­ders geschütz­te Eltern-Kind-Situa­ti­on Vor­rang vor dem Ver­öf­fent­li­chungs­in­ter­es­se der Zeit­schrift hät­ten. Der Bereich, in dem Kin­der sich frei von öffent­li­cher Beob­ach­tung füh­len und ent­fal­ten dürf­ten, müs­se umfas­sen­der geschützt sein als der­je­ni­ge erwach­se­ner Per­so­nen. Gera­de Kin­der von Pro­mi­nen­ten müss­ten sich in der Öffent­lich­keit bewe­gen kön­nen, ohne das stän­di­ge Risi­ko einer Medi­en­be­richt­erstat­tung über das eige­ne Ver­hal­ten und/​oder das der Fami­lie aus­zu­lö­sen. Das gel­te auch, wenn – wie hier – das Gesicht des Kin­des unkennt­lich gemacht wor­den sei. Das Kind sei nicht nur anhand der Merk­ma­le des Fahr­ra­des, son­dern auch auf­grund der Wort­be­richt­erstat­tung erkenn­bar gewe­sen.

Das Bild des Kin­des habe auch nicht etwa des­halb ver­öf­fent­licht wer­den dür­fen, weil sich die Mut­ter selbst wider­sprüch­lich ver­hal­ten habe. Mit Blick auf die Vor­bild­funk­ti­on Pro­mi­nen­ter sei aller­dings zu erwar­ten gewe­sen, dass die­se sich an die Kern­aus­sa­ge der Kam­pa­gne "Du bist mir nicht egal" hal­ten wür­de. Dies habe sie jeden­falls in der Situa­ti­on, in der sie auf dem Fahr­rad foto­gra­fiert wor­den sei, nicht getan. Das gel­te auch, wenn sie bei der foto­gra­fier­ten Fahrt – wie sie behaup­tet – nur eine ganz kur­ze Distanz mit einem drei­räd­ri­gen Rad in Schritt­ge­schwin­dig­keit über den Geh­weg gefah­ren sei. Auch hier­bei sei­en schwe­re Fahr­rad­un­fäl­le, etwa bei Grund­stücks­aus­fahr­ten oder beim Öff­nen von Auto­tü­ren denk­bar. Die Klä­ge­rin kön­ne sich auch nicht dar­auf beru­fen, dass sie in ihrer öffent­li­chen Selbst­dar­stel­lung bis­wei­len nicht nur ein Image als "per­fek­te" Mut­ter pfle­ge, son­dern – oft selbst­iro­nisch – ein­ge­ste­he, nicht alles per­fekt zu machen. Dies alles dür­fe sich aber nicht zu Las­ten des Kin­des aus­wir­ken.

Ober­lan­des­ge­richt Köln, Urteil vom 28. März 2019 – 15 U 155/​18.