Pro­to­kol­lie­rung von Zeu­gen­aus­sa­gen

Nach § 160 Abs. 3 Nr. 4 ZPO sind die Aus­sa­gen der Zeu­gen im Pro­to­koll fest­zu­stel­len.

Pro­to­kol­lie­rung von Zeu­gen­aus­sa­gen

Es genügt nicht, dass wie hier ledig­lich in das Pro­to­koll auf­ge­nom­men wird, der Zeu­ge habe sich zur Sache geäu­ßert 1. Dies gilt jeden­falls solan­ge, wie ein Fall des § 161 Abs. 1 ZPO, in dem von einer Pro­to­kol­lie­rung der Aus­sa­gen aus­nahms­wei­se abge­se­hen wer­den darf, nicht vor­liegt.

Ein sol­cher Ver­fah­rens­ver­stoß führt aller­dings nicht in jedem Fall zur Auf­he­bung des ange­foch­te­nen Urteils.

Zwar ist in der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung aner­kannt, dass eine Ver­let­zung von § 160 Abs. 3 Nr. 4 ZPO nicht gemäß § 295 ZPO geheilt wer­den kann 2 und in der Revi­si­on regel­mä­ßig zur Auf­he­bung des ange­foch­te­nen Urteils führt 3. Denn ohne Pro­to­kol­lie­rung der Zeu­gen­aus­sa­gen fehlt es an der für eine revi­si­ons­recht­li­che Prü­fung not­wen­di­gen Fest­stel­lung eines Teils der tat­säch­li­chen Grund­la­gen 4; das Revi­si­ons­ge­richt kann nicht prü­fen, ob die Aus­sa­gen der Zeu­gen von dem Beru­fungs­ge­richt rechts­feh­ler­frei berück­sich­tigt wor­den sind 5.

Eine Auf­he­bung des Beru­fungs­ur­teils ist aber aus­nahms­wei­se dann nicht ver­an­lasst, wenn sich der Inhalt der Zeu­gen­aus­sa­gen aus dem Urteil selbst klar ergibt und kei­ne Anhalts­punk­te dafür bestehen, dass die Zeu­gen bei der Ver­neh­mung wei­te­re Erklä­run­gen abge­ge­ben haben, die erheb­lich sein könn­ten. Aller­dings muss sich die Wie­der­ga­be der Aus­sa­gen dann deut­lich von deren Wür­di­gung abhe­ben und den gesam­ten Inhalt der Bekun­dun­gen erken­nen las­sen 6.

Inso­weit ist auch ohne Belang, dass sich infol­ge der teil­wei­se zusam­men­ge­fass­ten Dar­stel­lung über­ein­stim­men­der Aus­sa­gen zwei­er oder aller Zeu­gen sowie der feh­len­den wört­li­chen Wie­der­ga­be der Zeu­gen­aus­sa­gen nicht nach­voll­zie­hen lässt, wel­che kon­kre­te Aus­sa­ge den Anlass für die bzw. den in den Ent­schei­dungs­grün­den des ange­foch­te­nen Urteils erwähnte(n) "aus­drück­li­che Nach­fra­ge und Vor­halt" bil­de­te, ob die Aus­füh­run­gen der Zeu­gen in Tei­len wört­lich über­ein­stimm­ten und des­halb abge­stimmt gewe­sen sein könn­ten und wel­ches exak­te Pro­ze­de­re die Zeu­gen geschil­dert haben. Denn § 160 Abs. 3 Nr. 4 ZPO for­dert eine wört­li­che Wie­der­ga­be von Zeu­gen­aus­sa­gen bereits für das Pro­to­koll nicht 7, mag sie auch wün­schens­wert sein 8; für den "Ersatz" der feh­len­den Pro­to­kol­lie­rung einer Aus­sa­ge durch ihre Wie­der­ga­be im Urteil kann nichts ande­res gel­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Febru­ar 2019 – VI ZR 141/​18

  1. BGH, Urteil vom 29.05.2009 – V ZR 201/​08, NJW-RR 2010, 63 Rn. 7; vgl. fer­ner BGH, Urteil vom 24.02.1987 – VI ZR 295/​85, NJW-RR 1987, 1197, 1198 12; BGH, Urteil vom 11.07.2001 – VIII ZR 215/​00, NJW 2001, 3269, 3270 16[]
  2. BGH, Beschluss vom 24.06.2003 – VI ZR 309/​02, NJW 2003, 3057, 3058 7; BGH, Urteil vom 18.09.1986 – I ZR 179/​84, NJW 1987, 1200 f. 17[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 29.05.2009 – V ZR 201/​08, NJW-RR 2010, 63 Rn. 6, 8; fer­ner Urteil vom 26.06.1963 – IV ZR 273/​62, BGHZ 40, 84, 86 f. 15[]
  4. BGH, Urteil vom 29.05.2009 – V ZR 201/​08, NJW-RR 2010, 63 Rn. 6; vgl. fer­ner BGH, Beschluss vom 24.06.2003 – VI ZR 309/​02, NJW 2003, 3057, 3058 7[]
  5. BGH, Urteil vom 29.05.2009 – V ZR 201/​08, NJW-RR 2010, 63 Rn. 6; fer­ner Urteil vom 26.06.1963 – IV ZR 273/​62, BGHZ 40, 84, 86 f. 15[]
  6. BGH, Urtei­le vom 29.05.2009 – V ZR 201/​08, NJW-RR 2010, 63 Rn. 8; vgl. fer­ner BGH, Beschluss vom 24.06.2003 – VI ZR 309/​02, NJW 2003, 3057, 3058 8; BGH, Urteil vom 26.06.1963 – IV ZR 273/​62, BGHZ 40, 84, 86 14, mwN[]
  7. Beck­OK ZPO/​Wendtland, ZPO § 160 Rn. 15 [Stand: 1.12.2018]; Zöller/​Schultzky, 32. Aufl.2018, § 160 Rn. 8[]
  8. vgl. Münch­Komm-ZPO/Frit­sche, 5. Aufl.2016, ZPO, § 160 Rn. 8; Musielak/​Voit/​Stadler, ZPO, 15. Aufl.2018, § 160 Rn. 8[]
  9. vgl.…

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