Pro­zess­kos­ten­hil­fe für den Insol­venz­ver­wal­ter

Gemäß § 116 Satz 1 Nr. 1 ZPO kann einer Par­tei kraft Amtes Pro­zess­kos­ten­hil­fe nur gewährt wer­den, wenn die Kos­ten aus der ver­wal­te­ten Ver­mö­gens­mas­se nicht auf­ge­bracht wer­den kön­nen und den am Gegen­stand des Rechts­streits wirt­schaft­lich Betei­lig­ten nicht zuzu­mu­ten ist, die Kos­ten auf­zu­brin­gen. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind nicht gegen, wenn zwar die Kos­ten der Rechts­ver­tei­di­gung aus der Insol­venz­mas­se nicht auf­ge­bracht wer­den kön­nen, es aber zumin­dest vier wirt­schaft­lich Betei­lig­te gibt, denen zuzu­mu­ten ist, die Kos­ten des Rechts­streits auf­zu­brin­gen.

Pro­zess­kos­ten­hil­fe für den Insol­venz­ver­wal­ter

Die Kos­ten­tra­gung ist sol­chen Betei­lig­ten zuzu­mu­ten, die die erfor­der­li­chen Mit­tel unschwer auf­brin­gen kön­nen und für die der zu erwar­ten­de Nut­zen bei ver­nünf­ti­ger, auch die Eigen­in­ter­es­sen sowie das Pro­zess­kos­ten­ri­si­ko ange­mes­sen berück­sich­ti­gen­der Betrach­tungs­wei­se bei einem Erfolg der Rechts­ver­tei­di­gung vor­aus­sicht­lich deut­lich grö­ßer sein wird als die von ihnen auf­zu­brin­gen­den Kos­ten des Rechts­streits [1].

Einen sol­chen – extre­men – Fall hat­te jetzt der Bun­des­ge­richts­hof zu ent­schei­den – und lehn­te die Gewäh­rung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe für den Insol­venz­ver­wal­ter ab: Bei einer wer­ten­den Abwä­gung aller Gesamt­um­stän­de des Ein­zel­falls ist es, nach dem Vor­trag des Insol­venz­ver­wal­ters der Volks­bank F. e.G., der C.Bank AG, der T.Krankenkasse und dem Finanz­amt zuzu­mu­ten, die Kos­ten auf­zu­brin­gen. Bei einem Erfolg der Rechts­ver­tei­di­gung des Insol­venz­ver­wal­ters erhiel­ten sie eine Quo­te von 100 % und damit ein Viel­fa­ches der im Ver­fah­ren der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de vor­aus­sicht­lich ent­ste­hen­den Kos­ten von 11.508,25 €. Der Koor­di­nie­rungs­auf­wand des Insol­venz­ver­wal­ters ist inso­weit gering, weil er die Leis­tung des Kos­ten­vor­schus­ses nur mit die­sen Gläu­bi­gern abstim­men muss.

Soll­ten die­se trotz Zumut­bar­keit nicht bereit sein, die Kos­ten auf­zu­brin­gen, änder­te dies nichts dar­an, dass die Vor­aus­set­zun­gen für eine Gewäh­rung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe im kon­kre­ten Fall nicht vor­lie­gen. § 116 Satz 1 Nr. 1 ZPO ist nicht dahin­ge­hend restrik­tiv aus­zu­le­gen, dass Pro­zess­kos­ten­hil­fe auch dann zu gewäh­ren ist, wenn die wirt­schaft­lich Betei­lig­ten trotz Zumut­bar­keit zur Kos­ten­auf­brin­gung nicht bereit sind [2].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 4. Okto­ber 2012 – VII ZR 7/​12

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 23.10.2008 II – ZR 211/​08, m.w.N.[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 24.03.1998 – XI ZR 4/​98, BGHZ 138, 188, 193 f.[]