Pro­zess­kos­ten­hil­fe: Prü­fung der Erfolgs­aus­sich­ten und die Rechts­schutz­gleich­heit

Die Gewähr­leis­tung der Rechts­schutz­gleich­heit aus Art. 3 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art.20 Abs. 3 GG gebie­tet eine weit­ge­hen­de Anglei­chung der Situa­ti­on von Bemit­tel­ten und Unbe­mit­tel­ten bei der Ver­wirk­li­chung des Rechts­schut­zes 1.

Pro­zess­kos­ten­hil­fe: Prü­fung der Erfolgs­aus­sich­ten und die Rechts­schutz­gleich­heit

Zwar ist es ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­lich, die Gewäh­rung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe davon abhän­gig zu machen, dass die beab­sich­tig­te Rechts­ver­fol­gung oder Rechts­ver­tei­di­gung hin­rei­chen­de Aus­sicht auf Erfolg hat und nicht mut­wil­lig erscheint. Die Prü­fung der Erfolgs­aus­sich­ten soll jedoch nicht dazu die­nen, die Rechts­ver­fol­gung oder Rechts­ver­tei­di­gung selbst in das sum­ma­ri­sche Ver­fah­ren der Pro­zess­kos­ten­hil­fe zu ver­la­gern und die­ses an die Stel­le des Haupt­sa­che­ver­fah­rens tre­ten zu las­sen.

Das Pro­zess­kos­ten­hil­fe­ver­fah­ren will den Rechts­schutz, den der Rechts­staats­grund­satz erfor­dert, näm­lich nicht selbst bie­ten, son­dern ihn erst zugäng­lich machen 2.

Danach dür­fen bis­lang unge­klär­te Rechts- und Tat­fra­gen nicht im Pro­zess­kos­ten­hil­fe­ver­fah­ren ent­schie­den wer­den, son­dern müs­sen auch von Unbe­mit­tel­ten einer pro­zes­sua­len Klä­rung zuge­führt wer­den kön­nen. Dabei muss Pro­zess­kos­ten­hil­fe nicht immer schon dann gewährt wer­den, wenn die ent­schei­dungs­er­heb­li­che Rechts­fra­ge noch nicht höchst­rich­ter­lich geklärt ist. Die Ableh­nung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe kann unge­ach­tet des Feh­lens ein­schlä­gi­ger höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung gerecht­fer­tigt sein, wenn die Rechts­fra­ge ange­sichts der gesetz­li­chen Rege­lung oder im Hin­blick auf Aus­le­gungs­hil­fen, die von bereits vor­lie­gen­der Recht­spre­chung bereit­ge­stellt wer­den, ohne Schwie­rig­kei­ten beant­wor­tet wer­den kann.

Ist dies jedoch nicht der Fall und steht eine höchst­rich­ter­li­che Klä­rung noch aus, so ist es mit dem Gebot der Rechts­schutz­gleich­heit nicht zu ver­ein­ba­ren, der unbe­mit­tel­ten Par­tei wegen feh­len­der Erfolgs­aus­sich­ten ihres Begeh­rens Pro­zess­kos­ten­hil­fe vor­zu­ent­hal­ten 3. Ansons­ten wür­de der unbe­mit­tel­ten Par­tei im Gegen­satz zu der bemit­tel­ten die Mög­lich­keit genom­men, ihren Rechts­stand­punkt im Haupt­sa­che­ver­fah­ren dar­zu­stel­len 4.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 13. Juli 2016 – 1 BvR 183/​12

  1. vgl. BVerfGE 9, 124, 130 f.; stRspr[]
  2. vgl. BVerfGE 81, 347, 357[]
  3. vgl. BVerfGE 81, 347, 359[]
  4. vgl. BVerfG, Beschluss vom 14.06.2006 – 2 BvR 626/​06 u.a., NVwZ 2006, S. 1156, 1157; Beschluss vom 19.02.2008 – 1 BvR 1807/​07, NJW 2008, S. 1060, 1061; Beschlüs­se vom 22.02.2011 – 1 BvR 409/​09, NJW-RR 2011, S. 1043, 1044; und vom 07.11.2011 – 1 BvR 1403/​09[]