Pro­zess­kos­ten­hil­fe – und das Beschwer­de­recht der Staats­kas­se

Eine Rechts­be­schwer­de, mit der die Staats­kas­se nach § 124 Abs. 1 Nr. 4 ZPO die Auf­he­bung der Bewil­li­gung der Pro­zess­kos­ten­hil­fe zu errei­chen sucht, ist nicht statt­haft. Der Staats­kas­se steht inso­weit kein Beschwer­de­recht zu.

Pro­zess­kos­ten­hil­fe – und das Beschwer­de­recht der Staats­kas­se

Nach § 127 Abs. 3 Satz 1 und Satz 2 ZPO hat die Staats­kas­se ein Beschwer­de­recht gegen sol­che Ent­schei­dun­gen im Pro­zess­kos­ten­hil­fe­ver­fah­ren, die nach Prü­fung der per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se der Par­tei dazu füh­ren, dass Pro­zess­kos­ten­hil­fe ohne die Fest­set­zung von Monats­ra­ten oder aus dem Ver­mö­gen zu zah­len­der Beträ­ge bewil­ligt wird 1. Das Beschwer­de­recht der Staats­kas­se ist nach § 127 Abs. 2 und Abs. 3 ZPO auf die Fäl­le beschränkt, in denen Pro­zess­kos­ten­hil­fe zwar bewil­ligt, rechts­feh­ler­haft jedoch weder eine Raten­zah­lung aus dem Ein­kom­men noch eine Zah­lung aus dem Ver­mö­gen der Par­tei ange­ord­net wur­de. Sinn und Zweck des Beschwer­de­rechts bestehen aus­weis­lich der Geset­zes­be­grün­dung dar­in, sicher­zu­stel­len, dass die wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se der Par­tei gründ­lich ermit­telt und Haus­halts­mit­tel nur zuguns­ten der wirk­lich bedürf­ti­gen Recht­su­chen­den ein­ge­setzt wer­den 2. Es sol­len mit­hin zu Unrecht erfolg­te "Null­ta­rif­be­wil­li­gun­gen" nach­träg­lich im Inter­es­se der Län­der­haus­hal­te kor­ri­giert wer­den kön­nen. Dem­entspre­chend hat der Gesetz­ge­ber der Staats­kas­se nur ein auf die­sen Umfang beschränk­tes Beschwer­de­recht zuge­bil­ligt 3, das auch die nach­fol­gen­den Ent­schei­dun­gen gemäß § 120a ZPO erfasst, durch die nach neu­er Über­prü­fung der per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se die zuvor raten­frei bewil­lig­te Pro­zess­kos­ten­hil­fe auf­recht­erhal­ten oder die zunächst ange­ord­ne­te Raten­zah­lung spä­ter auf­ge­ho­ben wird 4. Eine von der Staats­kas­se mit dem Ziel ein­ge­leg­te Beschwer­de, die Ver­wei­ge­rung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe zu errei­chen, ist danach nicht statt­haft 3.

Die­se Ein­schrän­kung der Beschwer­de­be­fug­nis gilt auch nach der Neu­re­ge­lung des Pro­zess­kos­ten­hil­fe­rechts durch das Gesetz zur Ände­rung des Pro­zess­kos­ten­hil­fe- und Bera­tungs­hil­fe­rechts vom 31.08.2013 5. Der noch im Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung ent­hal­te­nen Aus­wei­tung des Beschwer­de­rechts der Staats­kas­se mit dem Ziel, die­ser auch ein Beschwer­de­recht bei Ent­schei­dun­gen über die Auf­he­bung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe­be­wil­li­gun­gen ein­zu­räu­men 6, ist der Rechts­aus­schuss ent­ge­gen­ge­tre­ten 7. Die von der Bun­des­re­gie­rung beab­sich­tig­te Ände­rung des Beschwer­de­rechts der Staats­kas­se ist spä­ter auch nicht Bestand­teil der beschlos­se­nen Geset­zes­än­de­run­gen gewor­den, die Rechts­la­ge ist inso­weit viel­mehr unver­än­dert geblie­ben. Dies ver­deut­licht den Wil­len des Gesetz­ge­bers, die Beschwer­de­be­fug­nis der Staats­kas­se auf Fäl­le der vor­lie­gen­den Art nicht zu erstre­cken.

An der Unzu­läs­sig­keit der Rechts­be­schwer­de ändert nichts, dass das Lan­des­ar­beits­ge­richt die­se zuge­las­sen hat. Ein gesetz­lich nicht vor­ge­se­he­nes Rechts­mit­tel kann grund­sätz­lich nicht allein dadurch zuläs­sig wer­den, dass die Vor­in­stanz das Rechts­mit­tel zulässt 8.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Beschluss vom 18. Novem­ber 2015 – 10 AZB 34/​15

  1. BAG 5.11.2012 – 3 AZB 23/​12, Rn. 10, BAGE 143, 250; BGH 8.05.2013 – XII ZB 282/​12, Rn. 18[]
  2. vgl. BT-Drs. 10/​6400 S. 42, 48 und BT-Drs. 10/​3054 S. 50 f.[]
  3. BGH 17.11.2009 – VIII ZB 44/​09, Rn. 4[][]
  4. vgl. zur Vor­gän­ger­vor­schrift des § 120 Abs. 4 ZPO: BGH 8.05.2013 – XII ZB 282/​12, Rn. 29[]
  5. BGBl. I S. 3533[]
  6. BT-Drs. 17/​11472 S. 9, 36[]
  7. BT-Drs. 17/​13538 S. 9, 27[]
  8. BAG 15.09.2005 – 3 AZB 48/​05, Rn. 5[]