Pro­zess­un­ter­bre­chung und Urteils­ver­kün­dung

Die Ver­kün­dung eines Urteils ist unzu­läs­sig, wenn eine Unter­bre­chung des Ver­fah­rens zwar nach dem Schluss einer münd­li­chen Ver­hand­lung, aber vor dem Ende einer Schrift­satz­frist, die einer Par­tei bewil­ligt war, ein­ge­tre­ten ist.

Pro­zess­un­ter­bre­chung und Urteils­ver­kün­dung

Nach § 249 Abs. 3 ZPO wird die Ver­kün­dung der auf­grund einer münd­li­chen Ver­hand­lung zu erlas­sen­den Ent­schei­dung durch die nach dem Schluss die­ser münd­li­chen Ver­hand­lung ein­tre­ten­de Unter­bre­chung grund­sätz­lich nicht gehin­dert. Die Ver­kün­dung ist aber unzu­läs­sig, wenn die Unter­bre­chung zwar nach dem Schluss einer münd­li­chen Ver­hand­lung, aber vor Ende einer Schrift­satz­frist, die einer Par­tei bewil­ligt war, ein­ge­tre­ten ist. Infol­ge der Insol­venz­eröff­nung ist eine Par­tei nicht mehr hand­lungs­fä­hig, so dass eine Schrift­satz­frist infol­ge der Unter­bre­chung nicht mehr ablau­fen kann [1].

Dar­auf, ob sich die Par­tei­en nur zu Rechts­fra­gen äußern soll­ten oder ob Rechts­aus­füh­run­gen zu einem Schrift­satz­recht für den Geg­ner füh­ren [2], kommt es ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Beru­fungs­ge­richts nicht an. Wenn eine Par­tei Gele­gen­heit erhält, zu einem bis­her nicht beach­te­ten recht­li­chen Gesichts­punkt Stel­lung zu neh­men (§ 139 Abs. 2 Satz 1, Abs. 5 ZPO), kann sie auf den Hin­weis auch mit der Ergän­zung von Tat­sa­chen­vor­trag oder Beweis­an­tritt reagie­ren [3].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. Novem­ber 2011 – II ZR 6/​11

  1. Münch­Komm-ZPO/­Gehr­lein, 3. Aufl., § 249 Rn. 23; Zöller/​Greger, ZPO, 28. Aufl., § 249 Rn. 8[]
  2. so Münch­Komm-ZPO/­Prüt­ting, 3. Aufl., § 283 Rn. 9 m.w.N.; aA Zöller/​Greger, ZPO, 28. Aufl., § 283 Rn. 2a[]
  3. BGH, Beschluss vom 04.05.2011 – XII ZR 86/​10, NJW-RR 2011, 1009 Rn. 12; Urteil vom 21.12.2004 – XI ZR 17/​03, BGH-Report 2005, 671 m.w.N.[]