Putz­mit­tel für die Ope­ra­ti­ons­wun­de

Wird eine Ope­ra­ti­ons­wun­de mit einem Flä­chen­des­in­fek­ti­ons­mit­tel statt mit einem Wund­spü­lungs­mit­tel behan­delt, so muss die Haft­pflicht­ver­si­che­rung Schmer­zens­geld zah­len. Dabei bemisst sich die Höhe des Schmer­zens­gel­des danach, wie beson­ders grob und unver­ständ­lich der Behand­lungs­feh­ler gewe­sen ist. Ein ersicht­lich unzu­rei­chen­des Schmer­zens­geld, das vor­ge­richt­lich gezahlt wor­den ist, zeigt ein unver­ständ­li­ches Regu­lie­rungs­ver­hal­ten, dass für die betrof­fe­ne Per­son zusätz­lich beein­träch­ti­gend gewe­sen ist, und somit die Höhe des Schmer­zens­gel­des noch stei­gert.

Putz­mit­tel für die Ope­ra­ti­ons­wun­de

So die Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Köln in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Frau, die sich zur Ope­ra­ti­on von Abszes­sen in der lin­ken Brust in eine Kli­nik bege­ben hat. Die Ope­ra­ti­ons­wun­de war am 1. Juni 2006 ver­se­hent­lich mit dem Putz­mit­tel Ter­ra­lin Liquid, einem Flä­chen­des­in­fek­ti­ons­mit­tel, gespült wor­den. Die Ärz­tin hat­te die Fla­sche, in wel­cher das Des­in­fek­ti­ons­mit­tel abge­füllt war, mit dem Wund­spü­lungs­mit­tel ver­wech­selt, da bei­des vom Her­stel­ler in gleich­ar­ti­ge Fla­schen abge­füllt wird. Die Frau erlitt hier­durch Ver­ät­zun­gen und litt meh­re­re Stun­den unter hef­ti­gen, bren­nen­den Schmer­zen. Der Wund­hei­lungs­pro­zess wur­de nach Über­zeu­gung des Ober­lan­des­ge­richts auf­grund des Feh­lers um ca. 6 Mona­te ver­zö­gert. Die Haft­pflicht­ver­si­che­rung der Beklag­ten zahl­te vor­ge­richt­lich ein Schmer­zens­geld von 500,00 Euro.

Die Klä­ge­rin erhob Kla­ge auf Zah­lung eines Schmer­zens­gel­des von 30.000 Euro sowie auf Fest­stel­lung, dass die Beklag­te für wei­te­re auf­grund des Ereig­nis­ses vom 1. Juni 2006 ein­tre­ten­de Schä­den haf­ten müs­se. Dabei behaup­te­te die Klä­ge­rin, dass auch spä­ter auf­tre­ten­de Dau­er­fol­gen wie eine Fis­tel­bil­dung und dau­er­haf­te Schmer­zen in der Brust auf den Behand­lungs­feh­ler zurück­zu­füh­ren sei­en. Das Land­ge­richt Köln hat­te in ers­ter Instanz dem Fest­stel­lungs­an­trag statt­ge­ge­ben und ein Schmer­zens­geld von 4.000,00 Euro für ange­mes­sen erach­tet, wobei es einen Zusam­men­hang zwi­schen der Fehl­be­hand­lung und den Dau­er­fol­gen als nicht erwie­sen ange­se­hen hat­te. Die Klä­ge­rin hat Beru­fung ein­ge­legt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Köln ist ein höhe­res Schmer­zens­geld, näm­lich einen Betrag von 6.000,00 Euro ange­mes­sen, um die auf­grund der Wund­spü­lung mit dem Putz­mit­tel erlit­te­nen aku­ten Schmer­zen und die 6‑monatige Hei­lungs­ver­zö­ge­rung aus­zu­glei­chen. Grund für die Erhö­hung des Schmer­zens­gel­des war u.a., dass "der der Beklag­ten anzu­las­ten­de Feh­ler … beson­ders grob und unver­ständ­lich" gewe­sen sei. Außer­dem sei das von der Beklag­ten vor­ge­richt­lich gezahl­te Schmer­zens­geld von 500,00 Euro "ersicht­lich unzu­rei­chend [gewe­sen], so dass auch das Regu­lie­rungs­ver­hal­ten der Beklag­ten und ihrer Haft­pflicht­ver­si­che­rung unver­ständ­lich und für die Klä­ge­rin zusätz­lich beein­träch­ti­gend" gewe­sen sei.

Ober­lan­des­ge­richt Köln, Urteil vom 27. Juni 2012 – 5 U 38/​10