Räum­pflich­ten auf dem Fried­hof

Wer auf einem ver­eis­ten Fried­hofs­weg stürzt, kann des­we­gen kei­nen Scha­den­er­satz von der Gemein­de ver­lan­gen, wenn geräum­te Fried­hofs­we­ge zur Ver­fü­gung stan­den.

Räum­pflich­ten auf dem Fried­hof

In einem beim Land­ge­richt Coburg anhän­gi­gen Ver­fah­ren besuch­te der Klä­ger im Win­ter eine Beer­di­gung. Dabei benutz­te er einen nicht geräum­ten und gestreu­ten Weg. Dort stürz­te er und ver­lang­te des­halb von der Gemein­de, die für den Fried­hof ver­ant­wort­lich war, 4.000 € Schmer­zens­geld. Der Klä­ger behaup­tet, dass der von ihm benutz­te Weg die glei­che Ver­kehrs­be­deu­tung wie ande­re Wege auf dem Fried­hof gehabt habe. Daher hät­te die Gemein­de auch die­sen Weg räu­men und streu­en müs­sen. Die beklag­te Gemein­de hat im Pro­zess nach­ge­wie­sen, dass der Weg vom Ein­gang des Fried­hofs bis zur Begräb­nis­stät­te vor der Beer­di­gung geräumt wur­de. Die Gemein­de mein­te, dass sie ande­re Wege auf dem Fried­hof nicht räu­men müs­se. Es sei aus per­so­nel­len Grün­den nicht mög­lich, sämt­li­che Wege auf allen Fried­hö­fen im Gemein­de­ge­biet zu räu­men und zu streu­en.

Das Land­ge­richt Coburg konn­te kei­ne Pflicht­ver­let­zung der beklag­ten Gemein­de erken­nen und wies die Kla­ge ab: Es sei im vor­lie­gen­den Fall aus­rei­chend gewe­sen, dass die Gemein­de die Fried­hofs­we­ge zur Begräb­nis­stel­le geräumt habe. Auch war das Glatt­eis auf dem Weg, auf dem der Klä­ger stütz­te, deut­lich erkenn­bar.

Gegen die­se Ent­schei­dung leg­te der Klä­ger beim Ober­lan­des­ge­richt Bam­berg Beru­fung ein, wel­che vom OLG jedoch eben­falls zurück­ge­wie­sen wur­de: Von der Gemein­de kann nicht gefor­dert wer­den, so das Ober­lan­des­ge­richt Bam­berg, weit­räu­mig um die Grab­stel­le, an der eine Beer­di­gung statt­fin­den soll, zu räu­men. Die Gemein­de dür­fe dar­auf ver­trau­en, dass die Besu­cher einer Beer­di­gung sich in ver­nünf­ti­ger Art und Wei­se auf erkenn­ba­re Gefah­ren, die noch ver­blie­ben, ein­stel­len. Wenn der Klä­ger nicht auf geräum­te und gestreu­te Wege aus­weicht, führt dies nicht dazu, dass eine Ver­let­zung der Räum- und Streu­pflicht durch die Gemein­de anzu­neh­men ist.

Land­ge­richt Coburg, Urteil vom 28. Okto­ber 2009 – 12 O 459/​09
Ober­lan­des­ge­richt Bam­berg, Beschluss vom 7. April 2010 – 5 U 232/​09