Räu­mungs­kla­ge bei einem Dau­er­wohn­recht – Streit­wert und Beschwer

Die Bemes­sung des Streit­werts rich­tet sich nach §§ 8, 9 ZPO (Rechts­mit­tel­be­schwer) bezie­hungs­wei­se § 41 Abs. 1 GKG (Gebüh­ren­streit­wert), wenn sich der auf Räu­mung und Her­aus­ga­be ver­klag­te Besit­zer gegen­über dem kla­ge­füh­ren­den Eigen­tü­mer dar­auf beruft, dass ihm aus einem zwi­schen dem Klä­ger und einem Drit­ten geschlos­se­nen Pacht­ver­trag ein Recht auf Über­tra­gung eines dar­in ver­ein­bar­ten objekt­be­zo­ge­nen Dau­er­wohn­rechts und somit ein Besitz­recht zuste­he.

Räu­mungs­kla­ge bei einem Dau­er­wohn­recht – Streit­wert und Beschwer

Maß­geb­lich für die Wert­be­mes­sung (§ 2 ZPO) ist inso­weit ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ber­li­ner Kam­mer­ge­richts 1 nicht § 6 ZPO, son­dern die Rege­lung in den §§ 8, 9 ZPO.

Die Par­tei­en strei­ten über das Bestehen eines Pacht­ver­hält­nis­ses mit der Fol­ge der Anwend­bar­keit von § 8 ZPO. Die Beklag­te stützt sich für ihr ver­meint­li­ches Besitz­recht näm­lich auf den Nut­zungs­ver­trag vom 19.06.2001. Ob die­ser als gewöhn­li­cher Pacht­ver­trag oder als Klein­gar­ten­pacht­ver­trag ein­zu­ord­nen ist, kann offen blei­ben, weil die Vor­schrif­ten der §§ 8, 9 ZPO auch auf Klein­gar­ten­pacht­ver­trä­ge anwend­bar sind 2. Zwar ist die Beklag­te nicht Par­tei des Nut­zungs­ver­trags vom 19.06.2001 gewe­sen und fin­det § 8 ZPO grund­sätz­lich kei­ne Anwen­dung, wenn der Rechts­streit gegen einen außer­halb des Mieto­der Pacht­ver­hält­nis­ses ste­hen­den Drit­ten geführt wird 3. Die Beklag­te beruft sich jedoch dar­auf, dass ihr aus dem Nut­zungs­ver­trag vom 19.06.2001 ein Recht auf Über­tra­gung des objekt­be­zo­ge­nen Dau­er­wohn­rechts und somit ein Besitz­recht zuste­he. Es geht dem­entspre­chend dar­um, ob die Beklag­te aus dem (Klein­gar­ten)Pacht­ver­trag vom 19.06.2001 als nun­mehr (bzw. künf­tig) Nut­zungs­be­rech­tig­te ein Besitz­recht für sich in Anspruch neh­men kann oder nicht. Dies reicht für die Anwen­dung von § 8 ZPO aus. Der vom Kam­mer­ge­richt zitier­te Beschluss des V. Zivil­se­nats des Bun­des­ge­richts­hofs vom 25.08.2016 4 betrifft den Fall der Her­aus­ga­be eines vom Klä­ger an den Beklag­ten ver­kauf­ten Grund­stücks und ist für die vor­lie­gen­de Sache nicht ein­schlä­gig.

Ist das Ende des strei­ti­gen Mieto­der Pacht­ver­hält­nis­ses wie hier weder bestimmt noch sonst näher bestimm­bar, so ist im Rah­men der Wert­be­mes­sung gemäß § 8 ZPO die in § 9 ZPO fest­ge­leg­te Höchst­gren­ze des drei­ein­halb­fa­chen Jah­res­be­tra­ges ent­spre­chend anzu­wen­den 5. Dem­zu­fol­ge rich­tet sich der Wert der Beschwer der Klä­ge­rin nach dem drei­ein­halb­fa­chen Jah­res­be­trag des für strei­ti­ge Gar­ten­par­zel­le zu ent­rich­ten­den Pacht­zin­ses.

Der Gebüh­ren­streit­wert des Beschwer­de­ver­fah­rens rich­tet sich gemäß § 41 Abs. 1 GKG nach dem ein­fa­chen Betrag des Jah­res­pacht­zin­ses für die von der Beklag­ten genutz­te Gar­ten­par­zel­le (= 589, 56 €). Wie oben aus­ge­führt, ist die Beklag­te nicht als außer­halb des Nut­zungs­ver­hält­nis­ses ste­hen­de Drit­te anzu­se­hen. Beruft sich die auf Räu­mung und Her­aus­ga­be ver­klag­te Par­tei wie hier die Beklag­te auf ein Besitz­recht aus einem (Kleingarten-)Pachtvertrag, so genügt dies gera­de auch im Hin­blick auf den sozia­len Schutz­zweck die­ser Streit­wert­re­ge­lung für die Anwen­dung von § 41 GKG.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. Novem­ber 2018 – III ZR 222/​18

  1. KG, Beschluss vom 01.02.2018 – 8 W 11/​18[]
  2. s. z.B. BGH, Beschlüs­se vom 17.12 2009 – III ZR 66/​09, BeckRS 2010, 1705 Rn. 9; vom 26.11.2015 – III ZB 84/​15, NJW-RR 2016, 506 Rn. 6; und vom 18.05.2017 – III ZR 525/​16, NZM 2017, 525, 526 Rn. 7, jeweils mwN[]
  3. s. Zöller/​Herget, ZPO, 32. Aufl., § 8 Rn. 4; Münch­Komm-ZPO/Wöst­mann, 5. Aufl., § 8 Rn. 8; BeckOK/​Wendtland, ZPO, § 8 Rn. 3 [Stand: 15.09.2018][]
  4. BGH, Beschluss vom 25.08.2016 – V ZR 9/​16, BeckRS 2016, 16090[]
  5. s. etwa BGH, Beschlüs­se vom 17.12 2009 aaO; vom 26.11.2015 aaO; und vom 18.05.2017 aaO, jeweils mwN[]