Ran­gän­de­run­gen und ein­ge­tra­ge­ne Zwi­schen­rech­te

Bei der Ablö­sung von Rech­ten braucht sich der Inha­ber eines Zwi­schen­rechts die Ran­gän­de­run­gen, die erst nach der Ein­tra­gung sei­nes Rechts in das Grund­buch wirk­sam gewor­den sind, nicht ent­ge­gen­hal­ten las­sen. Er kann unab­hän­gig davon, aus wel­chem der nach der Ran­gän­de­rung vor­ran­gig gewor­de­nen Rech­te die Voll­stre­ckung in das Grund­stück betrie­ben wird, das vor­ran­gi­ge Recht ins­ge­samt ablö­sen. Dabei geht das abge­lös­te Recht gemäß § 1150, § 268 Abs. 3 Satz 1 BGB mit dem Inhalt und dem Rang auf den Ablö­sen­den über, den die­ses Recht im Zeit­punkt der Ein­tra­gung des Zwi­schen­rechts hat­te.

Ran­gän­de­run­gen und ein­ge­tra­ge­ne Zwi­schen­rech­te

Bei der Fest­stel­lung des gerings­ten Gebots hat das Voll­stre­ckungs­ge­richt vom Stand des Grund­buchs aus­zu­ge­hen 1. Ein ein­ge­tra­ge­nes Recht muss das Voll­stre­ckungs­ge­richt mit dem aus dem Grund­buch ersicht­li­chen Inhalt als bestehend behan­deln 2 und nach der Vor­schrift in § 45 Abs. 1 ZVG mit dem ein­ge­tra­ge­nen Rang in das gerings­te Gebot auf­neh­men.

Das gilt aber nicht aus­nahms­los, da der Voll­stre­ckungs­rich­ter auch ein ein­ge­tra­ge­nes, (noch) nicht gelösch­tes Recht in dem Ver­stei­ge­rungs­ter­min als nicht mehr bestehend zu behan­deln hat, wenn die Vor­aus­set­zun­gen für die Löschung sei­ner Ein­tra­gung liquid – d.h. beweis­si­cher – vor­lie­gen 3.

Die von dem Voll­stre­ckungs­ge­richt zu berück­sich­ti­gen­de Unrich­tig­keit des ein­ge­tra­ge­nen Vor­rangs ergibt sich etwa – wie im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall – aus der Ablö­sung des vor­ran­gi­gen Rechts durch die nach­ran­gi­ge Grund­schuld­gläu­bi­ge­rin nach §§ 1192, 1150, 268 BGB 4.

Dadurch ist das vor­ran­gi­ge Grund­pfand­recht nach § 268 Abs. 3 Satz 1 BGB auf die nach­ran­gi­ge Grund­schuld­gläu­bi­ge­rin mit dem Inhalt und Rang über­gan­gen, den es vor den erfolg­ten Ran­gän­de­run­gen hat­te. Die­se Ran­gän­de­run­gen bedür­fen zwar nicht der Zustim­mung der Inha­ber der Rech­te, die den Rang zwi­schen dem zurück­tre­ten­den und dem vor­tre­ten­den Recht haben (Zwi­schen­rech­te); deren Rech­te wer­den aber nach § 880 Abs. 5 BGB von den Ran­gän­de­run­gen nicht berührt. Das gilt auch in Bezug auf die Aus­übung von Ablö­sungs­rech­ten.

Bei der Ablö­sung von Rech­ten in einem Zwangs­ver­stei­ge­rungs­ver­fah­ren braucht sich der Inha­ber eines Zwi­schen­rechts die Ran­gän­de­run­gen, die erst nach der Ein­tra­gung sei­nes Rechts in das Grund­buch wirk­sam gewor­den sind, nicht ent­ge­gen­hal­ten zu las­sen. Die Aus­übung sei­nes Ablö­sungs­rechts darf durch sol­che Ran­gän­de­run­gen nicht behin­dert wer­den 5. Der Inha­ber des Zwi­schen­rechts kann des­we­gen unab­hän­gig davon, aus wel­chem der nach der Ran­gän­de­rung vor­ran­gig gewor­de­nen Rech­te das Ver­fah­ren betrie­ben wird, das vor­ran­gi­ge Recht ins­ge­samt ablö­sen.

Das abge­lös­te Recht geht dabei gemäß § 1150, § 268 Abs. 3 Satz 1 BGB mit dem Inhalt und dem Rang auf den Ablö­sen­den über, den die­ses Recht vor der Ein­tra­gung des Zwi­schen­rechts hat­te. Der Inha­ber des Zwi­schen­rechts erlangt nach § 880 Abs. 5 BGB mit der Ein­tra­gung sei­nes Rechts die Befug­nis, das vor­ran­gi­ge Recht im Wege der Ablö­sung in dem bis­he­ri­gen Rechts­zu­stand zu erwer­ben, die ihm durch ran­gän­dern­de Ver­ein­ba­run­gen nicht mehr ent­zo­gen wer­den kann 6.

Danach ist das gerings­te Gebot – im vor­lie­gen­den Fall – von dem Ver­stei­ge­rungs­ge­richt rechts­feh­ler­frei fest­ge­stellt wor­den: Die nach­ran­gi­ge Grund­schuld­gläu­bi­ge­rin hat die Grund­schuld in Abt. III Nr. 7a durch die Ablö­sung im Janu­ar 2008 mit dem Inhalt und Rang erwor­ben, den die­ses Recht bei der Ein­tra­gung der nach­ran­gi­gen Grund­schul­den Abt. III Nr. 8 und 10 in den Jah­ren 1987 und 1991 hat­te. Die im Jahr 2005 und danach erfolg­ten Ran­gän­de­run­gen waren für den mit der Ablö­sung erfol­gen­den Über­gang des Grund­pfand­rechts Abt. III Nr. 7a nach § 268 Abs. 3 Satz 1 BGB auf die nach­ran­gi­ge Grund­schuld­gläu­bi­ge­rin bedeu­tungs­los. Die Ran­gän­de­run­gen sind allein bei der Ver­tei­lung der Ablö­sungs­sum­me unter den Inha­bern der von der Ran­gän­de­rung betrof­fe­nen Rech­te sowie durch berich­ti­gen­de Buchun­gen der zurück­ge­tre­te­nen Rech­te anstel­le der durch die die Zah­lung abge­lös­ten Rech­te zu berück­sich­ti­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 28. Febru­ar 2013 – V ZB 18/​12

  1. BGH, Beschluss vom 10.05.2012 – V ZB 156/​11, NJW 2012, 2654, 2655 Rn. 13, BGHZ 193, 183[]
  2. RGZ 57, 209, 211; OLG Hamm, OLGZ 1967, 57, 59[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 10.05.2012 – V ZB 156/​11, NJW 2012, 2654, 2655 Rn. 15, BGHZ 193, 183[]
  4. zu dem Ablö­sungs­recht des nach­ran­gi­gen Gläu­bi­gers: BGH, Urtei­le vom 12.12.1985 – IX ZR 15/​85, NJW 1986, 1487, 1488 und vom 11.05.2005 – IV ZR 279/​04, NJW 2005, 2398[]
  5. RG, JW 1913, 1147, 1148, Planck/​Brodmann, BGB, 5. Aufl., § 880 Anm. 4 b[]
  6. BGB-RGRK/Au­gus­tin, 12. Aufl., § 880 Rn. 45[]