Rechtliche Vorgaben bei der Gartenplanung

Ein Eigenheim zu besitzen, ist für viele Menschen – trotz steigender Immobilienpreise – immer noch ein Lebenstraum. Beziehen frischgebackene Eigenheimbesitzer ihr neues Traumhaus, wird oft auch über eine neue Planung bzw. Umgestaltung des Gartens nachgedacht. Denn erst mit den richtigen Pflanzenwird der Garten erst richtig lebenswert. Damit aus dem Gärtnerglück aber kein Fall für das Gericht wird, sollte man einige rechtliche Dinge bei der Gartenplanung beachten. Welche das sind, sollen im folgenden Artikel näher erläutert werden.

Rechtliche Vorgaben bei der Gartenplanung

Des einen Zierde – des anderen Leid

Für viele Hausbesitzer ist neben einer ursprünglichen und natürlichen Gartengestaltung auch der Begrünung der Hausfassade wichtig. Wilder Wein oder Efeu sieht an einer Fassade einfach schön aus und ist ein optischer Hingucker. Doch Vorsicht bei Nachbarhauswänden: Wollen Sie ein Rankgitter an der Hausfassade des Nachbargrundstückes montieren, weil Ihr Garten eventuell an seiner Fassade angrenzt, ist die Zustimmung des Nachbars nötig. Stimmt dieser zu, sollten Sie zusammen mit dem Nachbarn klären, wer für die Pflege der Rankhilfe zuständig ist. Auch die Auswahl der Rankhilfe sollten Sie gemeinsam planen. (Weitere Infos hierzu: https://www.kuheiga.com/rankgitter/)

Grenzbebauung – auf die Höhe kommt es an

Zu den ersten Dingen, die Eigenheimbesitzer in Angriff nehmen, gehört zumeist der Bau einer Begrenzung zum nächsten Grundstück. Um im Vorfeld strittige Fragen nach der festdefinierten Grenze zu vermeiden, sollten beide Parteien in das jeweilige Grundbuch des Grundstückes nachschauen. Sollte das Problem weiterhin bestehen, bleibt nur noch der Gang zum zuständigen Kataster- und Vermessungsamt. Hier kann der aktuelle Katasterplan der strittigen Grundstücke eingesehen werden, um spätere Streitigkeiten zu vermeiden.

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Doch muss der Eigentümer sein Grundstück immer mit einer Grenzbebauung einfrieden? Hier lohnt ein Blick in den lokalen Bebauungsplan. Denn die Vorschriften sind Ländersache und unterscheiden sich zum Teil erheblich voneinander. In Berlin besteht beispielsweise eine Pflicht zur Einfriedung. (§ 21 NachbG Bln) Dort müssen Eigenheimbesitzer einen Zaun um die rechte Seite des Grundstückes errichten. Auch die Zaunhöhe ist in Berlin genau festgelegt: Sie liegt bei 1,5 Meter.

Soll bei der Gartenplanung eine Hecke oder Pflanzen das Grundstück vom Nachbarn teilen, so sind beide Parteien für die Pflege der natürlichen Grenzbebauung für die jeweilige Seite zuständig. Ein einvernehmliches Gespräch vor der Pflanzung der Grenze schafft Klarheit und vermeidet zukünftige Streitigkeiten.

Auch die Höhe von Hecken als Grenze zum Nachbargrundstück ist in den Gesetzen der jeweiligen Bundesländer festgelegt. Prinzipiell gilt aber: Die Höhe der Hecke ist proportional zum Abstand zur Grundstücksgrenze. In Berlin gilt folgende Regelung: Wenn Hecken über zwei Meter hoch sind, muss ein Mindestabstand zum Nachbargrundstück von einem Meter eingehalten werden. Hecken, die bis zu zwei Meter hoch sind, dürfen mit einem Abstand von einem halben Meter zum Nachbargrundstück gepflanzt werden (§ 28 NachbG Bln). Aber auch hier gibt es Ausnahmen, die man vor der Gartenplanung berücksichtigen sollte. Auch hier lohnt ein Blick in kommunale Raumordnungsgesetze, um etwaige Streitigkeiten im Vorfeld auszuschließen.

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Bäume fällen – Der Anfang von manchem Nachbarschaftsstreit

Der Garten soll in der Regel den Wunschvorstellungen des neuen Eigentümers entsprechen. Oftmals stehen alte Bäume dafür im Weg – und sollen gefällt werden. Doch Vorsicht beim Baumfällen! Steht der Baum auf der Grenze, müssen beide Parteien zustimmen, wenn der Baum gefällt werden soll. Auch bei Bäumen gilt es, einen Mindestabstand einzuhalten, denn die tatsächliche Größe sowie der Umfang der Baumkrone ist erst Jahrzehnte später erkennbar.

Vorsicht auch bei morschen Ästen! Fallen diese wiederholt auf das Nachbargrundstück, kann der Nachbar das Zurückschneiden des Baumes verlangen. Kommt dieser der Aufforderung nicht nach, so kann der geschädigte Nachbar – aufgrund einer konkreten Gefährdung – den Baum eigenhändig fällen.

Einen Pool planen – ohne rechtliche Konsequenzen

Für viele Eigenheimbesitzer ist der Pool der krönende Abschluss der Gartenplanung. Bei den dafür notwendigen Vertiefungen des Bodens (Aushub von Erdreich) muss darauf geachtet werden, dass dem betroffenen Nachbargrundstück nicht die erforderliche Stütze entzogen wird und Teile des Nachbarschaftsgrundstücks absacken (§ 909 BGB). Es empfiehlt sich, ein Unternehmen für die Landschaftsplanung zu beauftragen, wenn der zukünftige Pool eng an einem angrenzenden Haus errichtet werden muss. Auch hier gilt es, Mindestabstände einzuhalten, um die physikalische Stabilität des Nachbargrundstücks zu gewährleisten. Ein Blick in die kommunalen Raumordnungsgesetze schafft Abhilfe. Ist der Pool fertiggestellt, muss bei der Nutzung stets darauf geachtet werden, dass sich Kleinkinder niemals unbeaufsichtigt in der Nähe des Pools aufhalten dürfen. Entsteht für das Kleinkind einen Schaden, weil es beispielsweise in den ungesicherten Pool fällt, so haftet der Grundstückeigentümer.

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Rechtsicher ein Gartenhaus bauen

Um all die Pflanzen, Sträucher und Hecken zu pflegen braucht es Gartenwerkzeuge. Auch die Auflagen der Gartenstühle müssen wettergeschützt verstaut und das Fahrrad diebstahlsicher aufbewahrt werden. Die Lösung des Problems: ein Gartenhäuschen. Doch Vorsicht beim Aufstellen eines Gartenhäuschens. Je nachdem, in welchem Bundesland Sie leben, ist eine Baugenehmigung nötig. Ob eine Baugenehmigung nötig ist, hängt von drei Faktoren ab:

  • Wie groß ist das zukünftige Gartenhaus?
  • Wo soll das Gartenhaus auf dem Grundstück platziert werden?
  • Möchten Sie das Gartenhaus eventuell beheizen?

Je nach Bundesland gibt es bei den oben genannten Punkten Einschränkungen. Falls Sie unsicher sind, ob Sie für Ihr Gartenhaus eine Baugenehmigung benötigen, informieren Sie sich sicherheitshalber bei der zuständigen Behörde. Besprechen Sie mit den zuständigen Beamten das geplante Gartenhaus. In der Regel wird eine Baugenehmigung innerhalb weniger Wochen ausgestellt – falls Sie eine brauen sollten. Brauchen Sie keine Baugenehmigung, dürfen Sie das Gartenhäuschen ohne Frist sofort bauen. Achtung: Fragen Sie auch vor dem Bau von Terrassenüberdachungen oder Carports bei der Behörde nach, ob Sie dafür eine Baugenehmigung brauchen. Errichten Sie das geplante Objekt (Gartenhaus, Carport oder Terrassenüberdachung) ohne der notwenigen Genehmigung, muss das Objekt abgerissen und ein Bußgeld gezahlt werden. Über die Höhe des Bußgeldes entscheidet die Kommune.

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Rechtsberatung – Auf Nummer sichergehen

Gerade langjährige Mieter sind mit den vielen Verordnungen, Genehmigungen und Gesetzen in Punkto Gartenplanung anfangs überfordert. Um etwaige Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden, sollten frischgebackene Grundstückeigentümer eine Rechtsberatung in Anspruch nehmen. In den Bereichen, wo Gesetze oder Verordnungen nicht greifen, sollten die angrenzenden Nachbarn über mögliche Bauvorhaben im Garten informiert werden. Dadurch lässt sich in der Regel oft der spätere Gang zum Gericht vermeiden – und schafft eine entspannte Atmosphäre unter den neuen Nachbarn. Denn vergessen Sie nicht: Der schönste Garten kann schnell Missmut auslösen, wenn die Gartenplanung rücksichtslos betrieben wird und die neuen Nachbarn Beeinträchtigungen erleiden müssen. Werden die in diesem Artikel genannten Punkte und Hinweise beachtet, haben Sie garantiert viel Freude mit Ihrem Garten und können Ihr Traum vom eigenen Haus samt Garten unbeschwert genießen.

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