Recht­li­ches Gehör – und das Beweis­ergeb­nis

Ein Ver­stoß gegen den Anspruch auf Gewäh­rung recht­li­chen Gehörs liegt vor, wenn das Gericht ent­schei­dungs­er­heb­li­ches Par­tei­vor­brin­gen nicht zur Kennt­nis nimmt. Da eine Par­tei sich regel­mä­ßig ein für sie güns­ti­ges Beweis­ergeb­nis zu eigen macht, ver­letzt das Über­ge­hen eines sol­chen Beweis­ergeb­nis­ses deren Anspruch auf recht­li­ches Gehör, sofern es ent­schei­dungs­er­heb­lich ist 1

Recht­li­ches Gehör – und das Beweis­ergeb­nis

Von einer Ver­let­zung die­ser Pflicht ist nicht nur beim Über­ge­hen des Vor­trags, son­dern auch dann aus­zu­ge­hen, wenn die Begrün­dung der Ent­schei­dung den Schluss dar­auf zulässt, dass sie auf einer allen­falls den Wort­laut, aber nicht den Sinn des Vor­trags der Par­tei erfas­sen­den Wahr­neh­mung beruht. Setzt sich das Gericht mit dem Par­tei­vor­trag nicht inhalt­lich aus­ein­an­der, son­dern mit Leer­for­meln dar­über hin­weg, ver­letzt es das Ver­fah­rens­grund­recht nach Art. 103 Abs. 1 GG 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. Janu­ar 2017 – VII ZR 184/​14

  1. BGH, Beschluss vom 28.01.2016 – VII ZR 126/​13 Rn. 11 m.w.N.[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 24.08.2016 – VII ZR 41/​14, BauR 2017, 106 Rn. 21 m.w.N. = NZBau 2016, 746; Beschluss vom 09.02.2009 – II ZR 77/​08, BauR 2009, 1003 Rn. 3 f.[]
  3. vgl. BVerfGE 61, 82, 101 ff.; 143, 246, 313 f. Rn. 187 ff.[]