Recht­li­ches Gehör – und das nicht berück­sich­tig­te Beweis­ergeb­nis

Das Gebot des recht­li­chen Gehörs ver­pflich­tet das Gericht, die Aus­füh­run­gen der Pro­zess­be­tei­lig­ten zur Kennt­nis zu neh­men und in Erwä­gung zu zie­hen.

Recht­li­ches Gehör – und das nicht berück­sich­tig­te Beweis­ergeb­nis

Ein Ver­stoß gegen Art. 103 Abs. 1 GG setzt vor­aus, dass im Ein­zel­fall beson­de­re Umstän­de deut­lich machen, dass tat­säch­li­ches Vor­brin­gen eines Betei­lig­ten ent­we­der über­haupt nicht zur Kennt­nis genom­men oder doch bei der Ent­schei­dung nicht erwo­gen wor­den ist 1.

Da eine Par­tei sich regel­mä­ßig ein für sie güns­ti­ges Beweis­ergeb­nis zu eigen macht, ver­letzt das Über­ge­hen eines sol­chen Beweis­ergeb­nis­ses deren Anspruch auf recht­li­ches Gehör, sofern es ent­schei­dungs­er­heb­lich ist 2.

Die Nicht­be­rück­sich­ti­gung eines sol­chen für eine Par­tei güns­ti­gen Beweis­ergeb­nis­ses bedeu­tet, dass das Gericht erheb­li­ches Vor­brin­gen die­ser Par­tei über­gan­gen und damit deren ver­fas­sungs­recht­lich gewähr­leis­te­ten Anspruch auf recht­li­ches Gehör ver­letzt hat 3.

Dies gilt erst Recht, wenn das Beru­fungs­ge­richt ein von bei­den Par­tei­en aus­drück­lich akzep­tier­tes Beweis­ergeb­nis nicht berück­sich­tigt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Novem­ber 2016 – VII ZR 314/​13

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 20.05.2014 – VII ZR 187/​13 Rn. 6; Beschluss vom 16.03.2011 – VIII ZR 338/​09, WuM 2011, 300 Rn. 3; BVerfG, NJW 2009, 1584 Rn. 14 m.w.N.[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 28.01.2016 – VII ZR 126/​13 Rn. 11; Beschluss vom 03.12 2015 – VII ZR 77/​15, BauR 2016, 713 Rn. 14[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 03.12 2015 – VII ZR 77/​15, BauR 2016, 713 Rn. 14[]