Recht­li­ches Gehör – und die Erwä­gun­gen des Gerichts

Das Gebot der Gewäh­rung recht­li­chen Gehörs ver­pflich­tet ein Gericht, die Aus­füh­run­gen der Pro­zess­be­tei­lig­ten zur Kennt­nis zu neh­men und in Erwä­gung zu zie­hen.

Recht­li­ches Gehör – und die Erwä­gun­gen des Gerichts

Abs. 1 GG ist aller­dings erst ver­letzt, wenn sich im Ein­zel­fall klar ergibt, dass das Gericht die­ser Pflicht nicht nach­ge­kom­men ist.

Grund­sätz­lich ist davon aus­zu­ge­hen, dass die Gerich­te das von ihnen ent­ge­gen­ge­nom­me­ne Par­tei­vor­brin­gen zur Kennt­nis genom­men und in Erwä­gung gezo­gen haben. Sie sind dabei nicht ver­pflich­tet, sich mit jedem Vor­brin­gen in den Ent­schei­dungs­grün­den aus­drück­lich zu befas­sen.

Ein Ver­stoß gegen Art. 103 Abs. 1 GG kommt des­halb allen­falls in Betracht, wenn im Ein­zel­fall beson­de­re Umstän­de die Annah­me recht­fer­ti­gen, dass tat­säch­li­ches Vor­brin­gen eines Betei­lig­ten ent­we­der über­haupt nicht zur Kennt­nis genom­men oder doch bei der Ent­schei­dung nicht erwo­gen wor­den ist.

Dies kann etwa der Fall sein, wenn das Gericht in sei­nen Ent­schei­dungs­grün­den auf den wesent­li­chen Kern des Tat­sa­chen­vor­trags einer Par­tei zu einer Fra­ge nicht ein­geht, die für das Ver­fah­ren von zen­tra­ler Bedeu­tung ist 1.

Das Gebot der Gewäh­rung recht­li­chen Gehörs ist hin­ge­gen nicht ver­letzt, wenn das Gericht den Par­tei­vor­trag zwar zur Kennt­nis genom­men und in Erwä­gung gezo­gen, aus ihm jedoch ande­re recht­li­che Schlüs­se gezo­gen hat als die Par­tei gel­tend gemacht hat 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. August 2015 – I ZB 76/​14

  1. BVerfG, Fam­RZ 2013, 1953 Rn. 14; NJW 2009, 1584 f. mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 20.05.2009 – I ZB 53/​08, GRUR 2009, 992 Rn. 17 und 23 = WRP 2009, 1104 Schuh­ver­zie­rung; Beschluss vom 07.07.2011 – I ZB 68/​10, GRUR 2012, 314 Rn. 14 Medicus.log[]