Rechts­be­schwer­de­be­grün­dung: Grund­rechts­ver­let­zung

Eine auf die Ver­let­zung des Grund­rechts auf Gewäh­rung wir­kungs­vol­len Rechts­schut­zes gestütz­te Rechts­be­schwer­de ist unzu­läs­sig, wenn es der Beschwer­de­füh­rer im Rah­men des vor­in­stanz­li­chen Rechts­mit­tels ver­säumt hat, eine Kor­rek­tur der gel­tend gemach­ten Grund­rechts­ver­let­zung zu erwir­ken oder eine Grund­rechts­ver­let­zung zu ver­hin­dern.

Rechts­be­schwer­de­be­grün­dung: Grund­rechts­ver­let­zung

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts erfor­dert es der all­ge­mei­ne Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät, dass ein Betei­lig­ter alle nach Lage der Sache zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mög­lich­kei­ten ergreift, um eine Kor­rek­tur der gel­tend gemach­ten Grund­rechts­ver­let­zung zu erwir­ken oder eine Grund­rechts­ver­let­zung zu ver­hin­dern 1.

Ist ein Rechts­mit­tel gege­ben, das (auch) dazu füh­ren kann, die­se Ver­let­zung zu über­prü­fen oder zu ver­hin­dern, so ist den Anfor­de­run­gen des Art. 103 Abs. 1 GG hin­rei­chend Rech­nung getra­gen 2.

Glei­ches gilt für das Grund­recht auf Gewäh­rung wir­kungs­vol­len Rechts­schut­zes.

So lie­gen die Din­ge auch in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall: Die Klä­ge­rin hat zu kei­nem Zeit­punkt nach Zustel­lung des erst­in­stanz­li­chen Urteils gel­tend gemacht, dass die­ses Urteil nicht ord­nungs­ge­mäß ver­kün­det wor­den ist. Sie hät­te aber die mit der Rechts­be­schwer­de gerüg­ten Umstän­de bereits im Beru­fungs­ver­fah­ren rügen kön­nen, wenn sie nach Ver­kün­dung des erst­in­stanz­li­chen Urteils Akten­ein­sicht genom­men hät­te. Dies hat die Klä­ge­rin unter­las­sen. Damit ent­hält die impli­zi­te Ent­schei­dung des Beru­fungs­ge­richts, dass der Schrift­zug des Amts­rich­ters unter dem Ver­kün­dungs­pro­to­koll die in der Recht­spre­chung geklär­ten Anfor­de­run­gen an eine Unter­schrift erfüllt, allen­falls einen Feh­ler im Ein­zel­fall. Ein Zulas­sungs­grund besteht schon des­halb nicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. Juli 2015 – IV ZB 10/​15

  1. BVerfGE 73, 322, 325; 77, 381, 401; 81, 22, 27; 86, 15, 22; 95, 163, 171[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 09.02.2011 – VIII ZR 285/​09, NZM 2011, 274 Rn. 10; Beschluss vom 06.05.2010 – IX ZB 225/​09, WM 2010, 1722 Rn. 7 f.[]