Rechts­mit­tel­frist – und der unvoll­stän­di­ge PKH-Antrag

Einem Antrag auf Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe zur Ein­le­gung eines Rechts­mit­tels kann grund­sätz­lich nur statt­ge­ge­ben wer­den, wenn neben dem Antrag inner­halb der Rechts­mit­tel­frist auch die not­wen­di­gen Anga­ben über die per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se in der erfor­der­li­chen Form gemacht wer­den 1.

Rechts­mit­tel­frist – und der unvoll­stän­di­ge PKH-Antrag

Eine Bewil­li­gung der Pro­zess­kos­ten­hil­fe schei­tert dage­gen, wenn der Rechts­mit­tel­füh­rer nicht inner­halb der Frist zur Ein­le­gung der Rechts­be­schwer­de die förm­li­chen Vor­aus­set­zun­gen zur Bewil­li­gung der Pro­zess­kos­ten­hil­fe geschaf­fen hat 2.

Ein nach §§ 234, 236 ZPO zuläs­si­ger Wie­der­ein­set­zungs­an­trag wäre nicht begrün­det. Einer Pro­zess­par­tei, die inner­halb der Rechts­mit­tel­frist anstel­le der Rechts­mit­tel­ein­le­gung oder neben einer wegen Anwalts­zwan­ges unzu­läs­si­gen per­sön­li­chen Rechts­mit­tel­ein­le­gung einen Antrag auf Pro­zess­kos­ten­hil­fe stellt, gereicht die Ver­säu­mung der Rechts­mit­tel­frist nur dann nicht zum Ver­schul­den, wenn sie ver­nünf­ti­ger­wei­se nicht mit der Ver­wei­ge­rung der Pro­zess­kos­ten­hil­fe wegen feh­len­der Bedürf­tig­keit rech­nen muss­te. Die­se Vor­aus­set­zung ist nur dann erfüllt, wenn die Par­tei sowohl sich für bedürf­tig hal­ten als auch davon aus­ge­hen durf­te, die wirt­schaft­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Gewäh­rung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe ord­nungs­ge­mäß dar­ge­tan zu haben 3. Zu letz­te­rem gehört die Benut­zung des Vor­drucks, des­sen Ver­wen­dung in § 117 Abs. 4 ZPO zwin­gend vor­ge­schrie­ben ist. Da Pro­zess­kos­ten­hil­fe nach § 119 Abs. 1 Satz 1 ZPO für jeden Rechts­zug beson­ders bean­tragt und bewil­ligt wer­den muss, gilt auch das Erfor­der­nis der Ver­wen­dung des in § 117 Abs. 4 ZPO vor­ge­schrie­be­nen Vor­drucks grund­sätz­lich für jeden Rechts­zug, in dem Pro­zess­kos­ten­hil­fe bean­tragt wird. Als Aus­nah­me von die­sen stren­gen gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen hat die Recht­spre­chung es zuge­las­sen, dass die Ein­rei­chung eines ord­nungs­ge­mäß aus­ge­füll­ten Vor­drucks dann durch die Bezug­nah­me auf einen in der Vor­in­stanz vor­ge­leg­ten Vor­druck ersetzt wer­den darf, wenn der Antrag­stel­ler zugleich unmiss­ver­ständ­lich mit­teilt, dass sei­ne per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se seit­dem unver­än­dert geblie­ben sind 4. Die­ser Mit­tei­lung kommt wesent­li­che Bedeu­tung zu, weil Pro­zess­kos­ten­hil­fe nur dann gewährt wer­den darf, wenn die Vor­aus­set­zun­gen der §§ 114, 115 ZPO im Zeit­punkt der Ent­schei­dung vor­lie­gen 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. August 2018 – VI ZA 20/​18

  1. BGH, Beschluss vom 21.09.1988 – IVb ZB 101/​88, BGHR, ZPO, § 233 – Pro­zess­kos­ten­hil­fe 4, mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 07.10.2004 – V ZA 8/​04, Fam­RZ 2004, 1961; vom 21.09.1988 – IVb ZB 101/​88, BGHR ZPO § 233 Pro­zeß­kos­ten­hil­fe 4 mwN; vom 26.09.2002 – I ZB 20/​02, Fam­RZ 2003, 89[]
  3. BGH, Beschluss vom 27.11.1996 – XII ZB 84/​96, NJW 1997, 1078[]
  4. BGH, Beschlüs­se vom 27.11.1996, aaO; vom 12.06.2001 – XI ZR 161/​01, BGHZ 148, 66, 69; vom 07.10.2004 – V ZA 8/​04, Fam­RZ 2004, 1961; vom 21.11.2013 – VII ZA 9/​13 1; vom 06.07.2006 – IX ZA 10/​06, Fam­RZ 2006, 1522, 1523 mwN.[]
  5. BGH, Beschluss vom 12.06.2001 – XI ZR 161/​01, BGHZ 148, 66, 69[]