Rechts­mit­tel­streit­wert bei einer Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge

Der Wert des Beschwer­de­ge­gen­stan­des eines erst­in­stanz­lich unter­le­ge­nen Beklag­ten einer Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge rich­tet sich danach, inwie­weit die Zwangs­voll­stre­ckung für unzu­läs­sig erklärt wor­den, er durch den rechts­kraft­fä­hi­gen Inhalt der Ent­schei­dung mit­hin mate­ri­ell belas­tet ist [1].

Rechts­mit­tel­streit­wert bei einer Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge

Inso­weit kommt es, wie bei dem Wert der Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge, allein dar­auf an, in wel­cher nomi­nel­len Höhe nach dem erst­in­stanz­li­chen Urteil die Voll­streck­bar­keit des Titels besei­tigt wer­den soll. Uner­heb­lich ist, ob die titu­lier­te For­de­rung ganz oder teil­wei­se getilgt ist und ob dies ganz oder teil­wei­se im Ver­lauf des Pro­zes­ses unstrei­tig wird [2]. Nach die­sen Grund­sät­zen ist es ver­fehlt, dar­auf abzu­stel­len, in wel­cher Höhe der Gläu­bi­ger noch voll­stre­cken will. Viel­mehr ändert die bereits erfolg­te Til­gung nichts an der im Nenn­be­trag im Titel aus­ge­wie­se­nen Voll­streck­bar­keit der For­de­rung, die mit der Kla­ge ange­grif­fen und mit dem Urteil besei­tigt wor­den ist.

Die Til­gung der For­de­rung ist aller­dings bei der Fra­ge zu berück­sich­ti­gen haben, ob die Klä­ger noch ein Rechts­schutz­in­ter­es­se an der mit der Ein­wen­dung eines Zurück­be­hal­tungs­rechts ver­folg­ten Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge haben, nach­dem die For­de­rung jeden­falls bis auf 0,04 € erlo­schen ist.

Kei­nen Beden­ken begeg­net es dage­gen, dass der dane­ben erfolg­ten Ver­ur­tei­lung zur Her­aus­ga­be des Voll­stre­ckungs­ti­tels kein eigen­stän­di­ger Wert bei­gemes­sen wird. Hier ist in der Regel maß­geb­lich das Inter­es­se des Schuld­ners an dem Besitz des Voll­stre­ckungs­ti­tels, das nach einer erfolg­rei­chen Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge dar­auf gerich­tet ist, einen Miss­brauch des Titels durch den Gläu­bi­ger zu ver­hin­dern [3]. Dabei kommt es nicht dar­auf an, ob die Her­aus­ga­be­kla­ge erst nach Erlass eines Urteils, durch das die Voll­stre­ckung für unzu­läs­sig erklärt wor­den ist, oder gleich­zei­tig mit der Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge erho­ben wird. Die Bewer­tung des Her­aus­ga­be­ver­lan­gens muss umso nied­ri­ger aus­fal­len, je gerin­ger die Gefahr eines Miss­brauchs des Titels im Ein­zel­fall ist [4]. Es ist nicht zu bean­stan­den, dass das Beru­fungs­ge­richt ein sol­ches Miss­brauchs­ri­si­ko nicht in Erwä­gung gezo­gen hat; für ein sol­ches ist nichts ersicht­lich. Damit muss die Her­aus­ga­be­kla­ge nicht zusätz­lich wert­mä­ßig ins Gewicht fal­len. Die Beschwer der Beklag­ten ist der Höhe nach auf das Inter­es­se der Klä­ger am Besitz der Urkun­de begrenzt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Janu­ar 2011 – VII ZB 21/​09

  1. Bestä­ti­gung von BGH, Beschluss vom 02.07.2009 – V ZB 40/​09, NJW-RR 2009, 1431[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 09.02.2006 – IX ZB 310/​04, aaO, Rn. 9 m.w.N.[]
  3. BGH, Beschluss vom 09.06.2004 – VIII ZB 124/​03, NJW 2004, 2904[]
  4. BGH, Beschluss vom 09.06.2004 – VIII ZB 124/​03, aaO, m.w.N.[]