Rei­se­kün­di­gung – wegen Vul­kan­aus­bruch

Im Fal­le des Vul­kan­aus­bruchs am 13.03.2015 des Vul­kans Tur­ri­al­ba auf Cos­ta Rica sind die Rei­sen­den berech­tigt gewe­sen, die Rei­se wegen unvor­her­seh­ba­rer höhe­rer Gewalt zu kün­di­gen.

Rei­se­kün­di­gung – wegen Vul­kan­aus­bruch

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Rei­se­ver­an­stal­te­rin zur Rück­zah­lung des Rei­se­prei­ses ver­pflich­tet. Der Klä­ger und sei­ne Frau buch­ten am 4. Dezem­ber 2014 bei der Mün­che­ner Rei­se­ver­an­stal­te­rin eine Rei­se nach Cos­ta Rica für den Zeit­raum vom 15.03.2015 bis 27.03.2015. Die Rei­se bestand aus einer Miet­wa­gen­rund­rei­se mit Auf­ent­hal­ten in der Nähe des Vul­kans Tur­ri­al­ba, in einem Natio­nal­park und in San José sowie den Hin- und Rück­flü­gen.

Am 13.03.2015 brach in Cos­ta Rica der Vul­kan Tur­ri­al­ba aus, wel­cher sich in einer Ent­fer­nung von ca. 80 Kilo­me­tern von der Haupt­stadt San José befin­det. Die hier­durch ent­ste­hen­de Asche­wol­ke brei­te­te sich bis zur Haupt­stadt San José aus. Der Flug­ver­kehr wur­de am 13.03.2015 für eini­ge Stun­den gestoppt. Es erfolg­te eine Eva­ku­ie­rung von Dör­fern im Umkreis von 2 Kilo­me­tern des Vul­kans. Die Men­schen in San José wur­den auf­ge­for­dert ihre Augen vor der Asche zu schüt­zen. Auf­grund des Aus­bruchs wur­de auch die Zufahrt zu einem Natio­nal­park – der auf der Rei­se­rou­te des Klä­gers lag – gesperrt. Durch das Aus­wär­ti­ge Amt wur­de dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Asche zu gesund­heit­li­chen Beein­träch­ti­gun­gen wie Augen­rei­zun­gen und – bei ent­spre­chen­der Vor­er­kran­kung – zu Atem­be­schwer­den füh­ren kön­ne. Es wur­de daher emp­foh­len, im Frei­en am bes­ten eine Atem­mas­ke zu tra­gen.

Am Mor­gen des 14.03.2015 kün­dig­ten der Klä­ger und sei­ne Ehe­frau gegen­über der Beklag­ten die Rei­se. Dem Klä­ger wur­de vor­ge­richt­lich ein Teil­be­trag in Höhe von 834,72 Euro erstat­tet.

Der Klä­ger behaup­tet, dass sei­ne Frau gera­de erst eine Bron­chia­ler­kran­kung aus­ku­riert hat­te, man bei Kün­di­gung auch mit wei­te­ren Aus­brü­chen rech­nen muss­te und es ihm bei der Rei­se gera­de auf das Natur­er­leb­nis, die Land­schaft und ins­be­son­de­re den Natio­nal­park als Haupt­at­trak­tio­nen Cos­ta Ricas ange­kom­men sei.

Die Beklag­te behaup­tet, dass die Rei­se hät­te voll­stän­dig durch­ge­führt wer­den kön­nen. Durch den Vul­kan­aus­bruch sei nur eine eng umgrenz­te Regi­on betrof­fen gewe­sen, ein Aus­wei­chen mit dem Miet­wa­gen sei daher mög­lich gewe­sen. Eine Kün­di­gung wegen höhe­rer Gewalt schei­de aus, da kei­ne unvor­her­seh­ba­re Gefähr­dung vor­lie­ge. In Regio­nen wie Cos­ta Rica mit ins­ge­samt 10 Vul­ka­nen und davon 4 akti­ven Vul­ka­nen müs­se stets mit einem Aus­bruch wie zuletzt am 29.10.14 gerech­net wer­den.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen aus­ge­führt, dass es sich bei dem Vul­kan­aus­bruch des Vul­kans Tur­ri­al­ba auf Cos­ta Rica um einen Fall von unvor­her­seh­ba­rer höhe­rer Gewalt han­delt. Die allei­ni­ge Kennt­nis, dass es zu häu­fi­ge­ren klei­nen Aus­brü­chen kommt und dies sich auch in naher Ver­gan­gen­heit so ereig­ne­te, führt nicht zu einer Vor­her­seh­bar­keit des streit­ge­gen­ständ­li­chen Vul­kan­aus­bruchs vor­lie­gen­den Aus­ma­ßes und kon­kre­ter Begleit­um­stän­de. Und auch gera­de hin­sicht­lich des Aus­bruchs des Tur­ri­al­bas am 29.10.2014 konn­te kei­ne gestei­ger­te Aus­bruchs­wahr­schein­lich­keit für die Fol­ge­mo­na­te fest­ge­stellt wer­den, da die­ser auch Peri­oden über Mona­te und Jah­re zeig­te ohne Aus­bruch.

Wei­ter­hin ist das Amts­ge­richt Mün­chen der Mei­nung, die von der Kla­ge­par­tei vor­ge­leg­ten Medi­en­be­rich­te rei­chen aus, um zum Zeit­punkt der Kün­di­gung von einer Gefähr­dung der Rei­sen­den bei Antritt der Rei­se aus­ge­hen zu kön­nen. Es ist in die­sem Zusam­men­hang einem Rei­sen­den nicht zumut­bar die Infor­ma­ti­ons­quel­len der Medi­en­be­rich­te zu erfor­schen und hier­aus abzu­lei­ten, ob es sich um Über­trei­bun­gen und Dra­ma­ti­sie­run­gen han­delt oder ob die tat­säch­li­chen Gege­ben­hei­ten wahr­heits­ge­treu wie­der­ge­ge­ben wer­den. Zum ande­ren muss vor­lie­gend auch beach­tet wer­den, dass die Rei­sen­den auch Kon­takt mit einem in Cos­ta Rica leben­den Bekann­ten auf­nah­men, der eben­falls die Zustän­de bestä­tig­te. Gemäß den Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen ereig­ne­te sich der Aus­wurf von grö­ße­ren Gesteins­frag­men­ten nur in unmit­tel­ba­re Umge­bung des Vul­kans, die aus­ge­sto­ße­ne Vul­kan­asche wur­de hin­ge­gen von den vor­herr­schen­den Win­den ver­drif­tet. Vul­kan­asche hat grund­sätz­lich meh­re­re unmit­tel­ba­re nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen. Die Sicht­ver­hält­nis­se wer­den beein­träch­tigt, durch die Asche auf dem Asphalt erge­ben sich schwie­ri­ge Stra­ßen­ver­hält­nis­se, es kön­nen Gesund­heits­pro­ble­me durch das Ein­at­men fei­ner vul­ka­ni­scher Asche sowie vul­ka­ni­scher Gase sowie Augen­rei­zun­gen ein­tre­ten und Flug­hä­fen kön­nen auf­grund der Kon­zen­tra­ti­on der Vul­kan­asche in der Atmo­sphä­re gesperrt wer­den.

Aus die­sen Grün­den hat das Amts­ge­richt Mün­chen die beklag­te Münch­ner Rei­se­ver­an­stal­te­rin auf Rück­zah­lung des noch nicht erstat­te­ten Rei­se­prei­ses von 4.885,30 Euro ver­ur­teilt.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 24. Mai 2018 – 133 C 21869/​15