Rest­schuld­be­frei­ung und der Schluss­ter­min

Das Bestrei­ten eines im Schluss­ter­min schlüs­sig dar­ge­leg­ten Ver­sa­gungs­grun­des kann nach Auf­he­bung des Ter­mins nicht mehr nach­ge­holt wer­den.

Rest­schuld­be­frei­ung und der Schluss­ter­min

Die­se heu­te ver­öf­fent­lich­te Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs beruht auf fol­gen­den Über­le­gun­gen:
Die gemäß § 290 Abs. 2 InsO erfor­der­li­che Glaub­haft­ma­chung des Ver­sa­gungs­grun­des muss schon im Schluss­ter­min erfol­gen und kann im Beschwer­de­ver­fah­ren nicht nach­ge­scho­ben wer­den [1]. Das Nach­schie­ben von Ver­sa­gungs­grün­den im Beschwer­de­ver­fah­ren ist eben­falls nicht zuläs­sig [2]. Aller­dings ist nach stän­di­ger Recht­spre­chung des BGHs eine Glaub­haft­ma­chung des Ver­sa­gungs­grun­des aus­nahms­wei­se dann nicht erfor­der­lich ist, wenn die Tat­sa­chen, auf die der Antrag­stel­ler sei­nen Antrag stützt, unstrei­tig sind [3].

Bedarf es einer Glaub­haft­ma­chung des Ver­sa­gungs­grun­des im Schluss­ter­min nicht, wenn der Schuld­ner den Vor­trag im Schluss­ter­min nicht bestrit­ten hat, darf ein spä­te­res Bestrei­ten nicht mehr berück­sich­ti­gen dür­fen. Ent­spre­chend dem Ver­bot des Nach­schie­bens von Ver­sa­gungs­grün­den und der Glaub­haft­ma­chung nach Been­di­gung des Schluss­ter­mins kommt auch ein erst­ma­li­ges Bestrei­ten des Ver­sa­gungs­grun­des nach die­sem Ter­min nicht mehr in Betracht. Der Schuld­ner, der im Schluss­ter­min nicht erscheint, oder den gel­tend gemach­ten Ver­sa­gungs­grund nicht bestrei­tet, kann den Ver­sa­gungs­grund spä­ter nicht mehr in Fra­ge stel­len. Andern­falls wür­de er den Gläu­bi­ger zu einer nach­träg­li­chen Glaub­haft­ma­chung zwin­gen, die die­sem jedoch nach der bereits zitier­ten Recht­spre­chung des BGHs ver­sagt ist. Die Ent­schei­dung über die Fra­ge, ob der Gläu­bi­ger den Ver­sa­gungs­an­trag glaub­haft zu machen hat, kann des­halb nicht erst nach Ende des Schluss­ter­mins fal­len. Viel­mehr muss schon im Schluss­ter­min fest­ste­hen, ob eine Glaub­haft­ma­chung aus­nahms­wei­se ent­behr­lich ist, weil der Schuld­ner den Ver­sa­gungs­grund gar nicht bestrei­tet, oder ob es einer sol­chen bedarf.

Dem Schuld­ner ist es auch, so der BGH, zuzu­mu­ten, im Schluss­ter­min zu erschei­nen und sich zu dem Antrag des Gläu­bi­gers zu erklä­ren. Er hat den Antrag gestellt und will Befrei­ung von sei­nen rest­li­chen Ver­bind­lich­kei­ten errei­chen. Die Grün­de, die zur Ver­sa­gung der Rest­schuld­be­frei­ung füh­ren kön­nen, sind Gegen­stand sei­ner eige­nen Wahr­neh­mung. Zu der Fra­ge, ob er sie bestrei­tet und damit die Pflicht des Insol­venz­ge­richts zur Ermitt­lung von Amts wegen aus­löst [4], kann er sich sofort erklä­ren. Eine Bedenk­zeit braucht ihm nicht ein­ge­räumt zu wer­den. Erscheint der Schuld­ner im Schluss­ter­min nicht und wird ihm die Rest­schuld­be­frei­ung auf­grund des unstrei­tig geblie­be­nen Vor­trags des Gläu­bi­gers ver­sagt, so hat er sich dies selbst zuzu­schrei­ben.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. Febru­ar 2009 – IX ZB 185/​08

  1. BGHZ 156, 139, 142 f; BGH, Beschl. v. 5. April 2006 – IX ZB 227/​04, ZVI 2006, 596, 597 Rn. 6; v. 23. Okto­ber 2008 – IX ZB 53/​08, ZIn­sO 2008, 1272 Rn. 9[]
  2. BGH, Beschl. v. 18. Mai 2006 – IX ZB 103/​05, NZI 2006, 538; v. 27. Juli 2006 – IX ZB 234/​03, zit. bei Gan­ter NZI 2007, Bei­la­ge zu Heft 5 S. 18 Fn. 169; v. 23. Okto­ber 2008 aaO[]
  3. BGHZ 156, 139, 143; BGH, Beschluss vom 29. Sep­tem­ber 2005 – IX ZB 178/​02, ZVI 2005, 614; v. 8. Janu­ar 2009 – IX ZB 80/​08[]
  4. BGHZ 156, 139, 142[]