Rest­schuld­be­frei­ung vor Abschluss des Insol­venz­ver­fah­rens

Der Bun­des­ge­richts­hof hat inzwi­schen wie­der­holt aus­ge­spro­chen, dass gemäß § 300 Abs. 1 InsO nach Ablauf von sechs Jah­ren nach Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens über den Antrag auf Rest­schuld­be­frei­ung auch dann zu ent­schei­den ist, wenn das Insol­venz­ver­fah­ren noch nicht abschluss­reif ist [1].

Rest­schuld­be­frei­ung vor Abschluss des Insol­venz­ver­fah­rens

Da zu die­sem Zeit­punkt noch kein Schluss­ter­min abge­hal­ten wer­den kann, muss die Anhö­rung der Insol­venz­gläu­bi­ger, des Insol­venz­ver­wal­ters oder Treu­hän­ders und des Schuld­ners in einer Form durch­ge­führt wer­den, die dem Schluss­ter­min ent­spricht. Dies kann in einer Gläu­bi­ger­ver­samm­lung oder gemäß § 5 Abs. 2 InsO im schrift­li­chen Ver­fah­ren erfol­gen [2].

Die Gläu­bi­ger kön­nen zwar hier­bei nicht die Ver­sa­gungs­grün­de des § 296 InsO gel­tend machen, weil der Schuld­ner die Oblie­gen­hei­ten des § 295 InsO nur in der Wohl­ver­hal­tens­pha­se zu beach­ten hat. Sie kön­nen sich aber auf die Ver­sa­gungs­grün­de des § 290 InsO beru­fen [3]. Die­sen Anfor­de­run­gen ent­spricht die vom Insol­venz­ge­richt anbe­raum­te und durch­ge­führ­te Gläu­bi­ger­ver­samm­lung vom 16.04.2009.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. Okto­ber 2012 – IX ZB 230/​09

  1. BGH, Beschluss vom 03.12.2009 – IX ZB 247/​08, BGHZ 183, 258 Rn. 14, 20, 28; vom 12.05.2011 – IX ZB 229/​10, ZIn­sO 2011, 1126 Rn. 6 f; vom 16.02.2012 – IX ZB 268/​10 Rn. 6, nv[]
  2. BGH, Beschluss vom 03.12.2009, aaO Rn. 28; vom 12.05.2011, aaO Rn. 7[]
  3. BGH, Beschluss vom 03.12.2009, aaO Rn. 23 f[]