Rich­ter – und ihre Vor­trags­tä­tig­keit

Die Teil­nah­me eines Rich­ters an Semi­na­ren oder Tagun­gen zu aktu­el­len Rechts­fra­gen stellt grund­sätz­lich kei­nen Befan­gen­heits­grund dar.

Rich­ter – und ihre Vor­trags­tä­tig­keit

Nach § 42 Abs. 2 ZPO fin­det die Ableh­nung eines Rich­ters wegen der Besorg­nis der Befan­gen­heit statt, wenn ein Grund vor­liegt, der geeig­net ist, Miss­trau­en gegen sei­ne Unpar­tei­lich­keit zu recht­fer­ti­gen. Dies ist dann der Fall, wenn aus der Sicht einer Par­tei bei ver­nünf­ti­ger Wür­di­gung aller Umstän­de Anlass gege­ben ist, an der Unvor­ein­ge­nom­men­heit und objek­ti­ven Ein­stel­lung des Rich­ters zu zwei­feln.

Nicht erfor­der­lich ist dage­gen, dass tat­säch­lich eine Befan­gen­heit vor­liegt. Viel­mehr genügt es, dass die auf­ge­zeig­ten Umstän­de geeig­net sind, der Par­tei Anlass zu begrün­de­ten Zwei­feln zu geben; denn die Vor­schrif­ten über die Befan­gen­heit von Rich­tern bezwe­cken, bereits den bösen Schein einer mög­li­cher­wei­se feh­len­den Unvor­ein­ge­nom­men­heit und Objek­ti­vi­tät zu ver­mei­den 1.

Die Teil­nah­me eines Rich­ters an Semi­na­ren oder Tagun­gen zu aktu­el­len Rechts­fra­gen stellt grund­sätz­lich kei­nen Befan­gen­heits­grund dar. Die Teil­nah­me von Rich­tern an wis­sen­schaft­li­chen Ver­an­stal­tun­gen ist üblich und all­ge­mein bekannt. Sie dient der Dar­stel­lung und Ver­mitt­lung der Recht­spre­chung der Gerich­te und dem Aus­tausch von Mei­nun­gen, auch in Bezug auf sich neu stel­len­de Pro­ble­me und deren wis­sen­schaft­li­chen Hin­ter­grund. Ein sol­cher wis­sen­schaft­li­cher Aus­tausch ist ins­be­son­de­re für ein obers­tes Bun­des­ge­richt unver­zicht­bar. Dar­aus folgt, dass die Teil­nah­me von Rich­tern an sol­chen Tagun­gen und Semi­na­ren und ihre dor­ti­gen Mei­nungs­be­kun­dun­gen grund­sätz­lich nicht geeig­net sind, ihre Befan­gen­heit zu begrün­den 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. Mai 2016 – III ZR 140/​15

  1. st. Rspr., vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 20.08.2014 – AnwZ 3/​13, NJW-RR 2014, 1469 Rn. 5; vom 18.12 2014 – V ZR 84/​14, NJW-RR 2015, 445 Rn. 5; und vom 13.01.2016 – VII ZR 36/​14, NJW 2016, 1022 Rn. 9; jeweils mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 13.01.2016 aaO Rn. 11 mwN[]