Rich­ter­wech­sel nach Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung

Tritt nach Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung und vor Fäl­lung des Urteils (abschlie­ßen­de Bera­tung und Abstim­mung) auf­grund einer Ände­rung des Geschäfts­ver­tei­lungs­plans ein Rich­ter­wech­sel ein, so ist das erken­nen­de Gericht nicht ord­nungs­ge­mäß besetzt, wenn ent­ge­gen § 156 Abs. 2 Nr. 3 ZPO nicht die münd­li­che Ver­hand­lung wie­der eröff­net, son­dern ein Urteil ver­kün­det wird, das (auch) von dem mitt­ler­wei­le aus­ge­schie­de­nen Rich­ter unter­schrie­ben wor­den ist.

Rich­ter­wech­sel nach Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung

Gemäß § 309 ZPO kann das Urteil nur von den­je­ni­gen Rich­tern gefällt wer­den, die der dem Urteil zugrun­de lie­gen­den Ver­hand­lung bei­gewohnt haben. Dabei han­delt es sich im hie­si­gen Ver­fah­ren zwar um die drei Rich­ter, die das Beru­fungs­ur­teil unter­schrie­ben haben. Gefällt ist ein Urteil im Sin­ne des § 309 ZPO aber erst, wenn über das Urteil abschlie­ßend bera­ten und abge­stimmt wor­den ist 1.

Des­halb hät­te das Gericht auf­grund des nach Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung erfolg­ten Rich­ter­wech­sels vor Fäl­lung eines Urteils gemäß § 156 Abs. 2 Nr. 3 ZPO zwin­gend die Wie­der­eröff­nung der münd­li­chen Ver­hand­lung anord­nen müs­sen 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 1. März 2012 – III ZR 84/​11

  1. vgl. BGH, Urteil vom 01.02.2002 – V ZR 357/​00, NJW 2002, 1426, 1427[]
  2. vgl. Stein/​Jonas/​Leipold, ZPO, 22. Aufl., § 309 Rn. 4; Wieczorek/​Schütze/​Rensen, ZPO, 3. Aufl., § 309 Rn. 14; Münch­Komm-ZPO/­Mu­sielak, ZPO, 3. Aufl., § 309 Rn. 12; HkZPO/​Saenger, ZPO, 4. Aufl., § 309 Rn. 5; Baumbach/​Lauterbach/​Hartmann, ZPO, 70. Aufl., § 309 Rn. 5; Rosenberg/​Schwab/​Gottwald, Zivil­pro­zess­recht, 17. Aufl., § 60 Rn. 1; s. zur Rechts­la­ge vor Ein­fü­gung des Absat­zes 2 in § 156 ZPO durch das Zivil­rechts­re­form­ge­setz vom 27.07.2001: RGZ 16, 417, 419; AKZPO/​Wassermann, § 309 Rn. 5; Voll­kom­mer NJW 1968, 1309, 1310; sie­he im Übri­gen auch BAGE 101, 145, 150 ff[]