Rol­len­de Win­ter­rei­fen

Zeugt das Ver­hal­ten einer Per­son von einer sol­chen Sorg­lo­sig­keit, dass ihn für einen ein­ge­tre­te­nen Scha­den ein so über­wie­gen­des Mit­ver­schul­den tref­fen kann, dass ein etwai­ges Ver­schul­den eines Drit­ten voll­stän­dig dahin­ter zurück­tre­ten kann.

Rol­len­de Win­ter­rei­fen

So die Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Olden­burg in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Klä­gers, der den Scha­den an sei­nem Gara­gen­tor ersetzt haben woll­te. Der aus Wil­helms­ha­ven stam­men­de Mann hat­te sei­ne Rei­fen in der Werk­statt wech­seln las­sen. Er hat­te die neu anzu­brin­gen­den Som­mer­rei­fen bei zurück­ge­klapp­ter Rücken­leh­ne der Rück­bank neben­ein­an­der im Kof­fer­raum lie­gend zur Werk­statt trans­por­tiert. Der Rei­fen­händ­ler hat­te nach der Mon­ta­ge die Rücken­leh­ne hoch­ge­klappt und die alten Win­ter­rei­fen neben­ein­an­der­ste­hend in den Kof­fer­raum geräumt. Als der Besit­zer mit sei­nem Wagen nach Hau­se kam, fuhr er rück­wärts sei­ne abschüs­si­ge Gara­gen­ein­fahrt hin­ab und öff­ne­te von innen per Fern­steue­rung die Kof­fer­raum­klap­pe. Die auf­recht trans­por­tier­ten Rei­fen roll­ten her­aus und beschä­dig­ten das Gara­gen­tor. Der Sach­scha­den betrug 6.000 €.

Nach Mei­nung des Klä­gers hät­te der Rei­fen­händ­ler die Win­ter­rei­fen nicht ste­hend ver­la­den dür­fen, zumal er selbst die Som­mer­rei­fen extra lie­gend ange­lie­fert habe. Er habe auf­grund der abge­dun­kel­ten Schei­ben im Fond des Fahr­zeugs nicht bemer­ken kön­nen, dass die Rücken­leh­ne hoch­ge­klappt wor­den sei. Nach­dem vom Land­ge­richt dem Klä­ger kein Scha­den­er­satz zuge­spro­chen wor­den war, hat er sein Ziel vor dem Ober­lan­des­ge­richt wei­ter ver­folgt.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg deut­lich zum Aus­druck gebracht, dass der Klä­ger durch einen kur­zen Blick in den hin­te­ren Wagen­be­reich ohne wei­te­res hät­te fest­stel­len kön­nen, dass die Rücken­leh­ne hoch­ge­klappt wor­den sei. Den Kof­fer­raum trotz­dem gleich­sam blind­lings zu öff­nen, zeu­ge von einer sol­chen Sorg­lo­sig­keit, dass den Klä­ger jeden­falls ein so über­wie­gen­des Mit­ver­schul­den tref­fe, dass ein etwai­ges Ver­schul­den des Rei­fen­händ­lers voll­stän­dig dahin­ter zurück­tre­te.

Aus die­sen Grün­den hat der Klä­ger sei­nen Scha­den selbst zu tra­gen.

Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg, Hin­weis­be­schluss vom 28. April und Beschluss vom 31. Mai 2017 – 9 U 21/​17