Rudel­füh­ren von Hun­den

Wer aus Gefäl­lig­keit meh­re­re Hun­de gleich­zei­tig aus­führt („Rudel­füh­ren”), hat alle Hun­de so zu beauf­sich­ti­gen, dass sie frem­de Men­schen nicht gefähr­den.

Rudel­füh­ren von Hun­den

Ver­letzt der Hun­de­füh­rer die­se Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht, weil einer der Hun­de an einer frem­den Per­son hoch­springt und die­se ver­letzt, haf­tet er auf Scha­dens­er­satz.

In einem jetzt vom Ober­lan­des­ge­richt Hamm ent­schie­de­nen Fall begeg­ne­ten sich die 22 Jah­re alte Klä­ge­rin aus Lünen und die Beklag­te aus Hohen Neu­en­dorf (Bran­den­burg) im April 2013 beim Spa­zie­ren­ge­hen im Lünen-Bram­bau­er. Die Beklag­te führ­te drei ange­lein­te Hun­de aus, neben ihrem eige­nen Schä­fer­hund aus Gefäl­lig­keit einen Boxer­misch­ling und den Cane Cor­so eines Bekann­ten. Der Cane Cor­so sprang die Klä­ge­rin über­ra­schend an, als die Klä­ge­rin die Beklag­te mit den Hun­den pas­sie­ren woll­te. Die Klä­ge­rin erlitt Schürf­wun­den und unter ihrem Auge eine klei­ne­re blu­ten­de Ges ichts­ver­let­zung, die unter Nar­ben­bil­dung ver­heil­te. Von der Beklag­ten hat sie dar­auf­hin ein Schmer­zens­geld in Höhe von 3.000 € ver­langt.

Anders als erst­in­stanz­lich vor dem Land­ge­richt Dort­mund war die Schmer­zens­geld­kla­ge vor dem Ober­lan­des­ge­richt Hamm erfolg­reich, das OLG sprach der Klä­ge­rin für die erlit­te­nen Ver­let­zun­gen das begehr­te Schmer­zens­geld in Höhe von 3.000 Euro zu. Die Beklag­te haf­te, so das Ober­lan­des­ge­richt Hamm, auf­grund der Ver­let­zung einer Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht.

Wer aus Gefäl­lig­keit Hun­de aus­füh­re, müs­se die Tie­re so hal­ten, dass von den Hun­den kei­ne Gefahr für Leben und/​oder Gesund­heit von Men­schen aus­ge­he, denen sie beim Aus­füh­ren begeg­ne­ten. In Bezug auf den gro­ßen Hund Cane Cor­so habe die Beklag­te zwar der im Lan­des­hun­de­ge­setz Nord­rhein-West­fa­len gere­gel­ten Lei­nen­pflicht genügt. Sie habe den Hund aber den­noch nicht so geführt, dass er nicht von sich aus die Klä­ge­rin habe ansprin­gen und ver­let­zen kön­nen.

Hier­zu sei es nicht aus­rei­chend gewe­sen, wenn die Beklag­te – ihrer Ein­las­sung ent­spre­chend – den Hund eng bei sich geh alten habe. Viel­mehr habe die Beklag­te ein Hoch­sprin­gen des Hun­des durch einen hin­rei­chend siche­ren Griff von vorn­her­ein ver­mei­den müs­sen, dies auch des­we­gen, weil ihr – wie sie selbst ein­ge­räumt habe – bekannt gewe­sen sei, dass der Hund zum Schmu­sen schon ein­mal an Per­so­nen hoch­zu­sprin­gen und ihnen die Pfo­ten auf die Schul­tern zu legen pfleg­te. Dass die Beklag­te zugleich zwei wei­te­re Hun­de an Lei­nen geführt habe, ent­las­te sie nicht.

Eine der­ar­ti­ge „Rudel­füh­rung” sei im vor­lie­gen­den Fall zwar nicht ver­bo­ten gewe­sen, stei­ge­re aber das Gefähr­dungs­po­ten­ti­al für Drit­te und kön­ne des­we­gen die an den Hun­de­füh­rer zu stel­len­den Sorg­falts­an­for­de­run­gen erhö­hen.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 3. Febru­ar 2015 – 9 U 91/​14