Rück­ab­zu­wick­lung nach Wider­ruf – Streit­wert und Beschwer

Im Fal­le eines wirk­sa­men Wider­rufs ist das Schuld­ver­hält­nis gemäß § 357 Abs. 1 Satz 1 BGB in der bis zum 12.06.2014 gel­ten­den Fas­sung nach den §§ 346 ff. BGB rück­ab­zu­wi­ckeln, so dass für den Wert der Beschwer, wenn auf Fest­stel­lung geklagt wird, dass sich der Dar­le­hens­ver­trag in ein Rück­ge­währ­schuld­ver­hält­nis umge­wan­delt hat, die Leis­tun­gen maß­geb­lich sind, die der Dar­le­hens­neh­mer gemäß §§ 346 ff. BGB bean­spru­chen zu kön­nen meint 1.

Rück­ab­zu­wick­lung nach Wider­ruf – Streit­wert und Beschwer

Maß­geb­lich sind im Fal­le einer sol­chen Fest­stel­lungs­kla­ge die Zins- und Til­gungs­leis­tun­gen bis zum Wider­ruf 2.

Dem­ge­gen­über bemisst sich der Wert der Beschwer im Fal­le eines wie hier vom Dar­le­hens­neh­mer nach dem Wider­ruf sei­ner Ver­trags­er­klä­rung und der Sal­die­rung der sich aus §§ 346 ff. BGB erge­ben­den wech­sel­sei­ti­gen Rück­ge­währ- und Her­aus­ga­be­an­sprü­che auf­grund einer kon­klu­den­ten Auf­rech­nung allein noch erho­be­nen Anspru­ches auf Zah­lung des sich zu sei­nen Guns­ten erge­ben­den Sal­dos nach der bezif­fer­ten Höhe die­ses Sal­dos (§§ 3, 4 Abs. 1 Halbs. 1 ZPO).

Aus dem Beschluss des Bun­des­ge­richts­hofs vom 25.10.2016 3 ergibt sich nichts ande­res 4, denn auch die­ser Ent­schei­dung lag ein Fall zu Grun­de, in dem die dor­ti­gen Dar­le­hens­neh­mer die Fest­stel­lung begehrt hat­ten, ihren Dar­le­hens­ver­trag "wirk­sam wider­ru­fen" zu haben. Der dane­ben von ihnen begehr­ten nega­ti­ven Fest­stel­lung, der dor­ti­gen Beklag­ten nicht mehr als einen von ihnen auf­grund des Rück­ge­währ­schuld­ver­hält­nis­ses errech­ne­ten Sal­do zu schul­den, hat der Bun­des­ge­richts­hof kei­nen eigen­stän­di­gen, dar­über hin­aus­ge­hen­den Wert bei­gemes­sen 5. Einen Leis­tungs­an­trag hat­ten die dor­ti­gen Dar­le­hens­neh­mer hin­ge­gen nicht gestellt.

Damit ist der vor­lie­gen­de Fall nicht ver­gleich­bar, denn hier hat der Dar­le­hens­neh­mer zwar in bei­den Vor­in­stan­zen den Antrag ange­kün­digt, fest­zu­stel­len, dass der von den Par­tei­en geschlos­se­ne Dar­le­hens­ver­trag durch die Erklä­rung des Klä­gers wirk­sam wider­ru­fen wur­de und sich in ein Rück­ge­währ­schuld­ver­hält­nis umge­wan­delt hat. In bei­den Vor­in­stan­zen hat der Dar­le­hens­neh­mer die­sen Fest­stel­lungs­an­trag jedoch nicht gestellt (§ 137 Abs. 1 ZPO), son­dern sein Kla­ge­be­geh­ren jeweils vor der münd­li­chen Ver­hand­lung in ein Zah­lungs­be­geh­ren in Höhe des von ihm auf­grund des Rück­ge­währ­schuld­ver­hält­nis­ses errech­ne­ten Sal­dos nebst Zin­sen geän­dert. Nur über die­sen Leis­tungs­an­trag ist in den Vor­in­stan­zen jeweils ent­schie­den wor­den, so dass der Dar­le­hens­neh­mer durch des­sen Abwei­sung sei­tens des Beru­fungs­ge­richts auch nur in des­sen Höhe im Sin­ne von § 26 Nr. 8 EGZPO beschwert ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Juli 2018 – XI ZR 613/​17

  1. BGH, Beschluss vom 12.01.2016 – XI ZR 366/​15, WM 2016, 454 Rn. 6 f.[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 04.03.2016 – XI ZR 39/​15, BKR 2016, 204 Rn. 2; vom 25.10.2016 – XI ZR 6/​16, WM 2016, 2299 Rn. 5; vom 10.01.2017 – XI ZB 17/​16, juris; und vom 21.02.2017 – XI ZR 398/​16 2[]
  3. BGH, Beschluss vom 25.10.2016 – XI ZR 6/​16, WM 2016, 2299 f.[]
  4. aA Lech­ner, WM 2017, 737, 744; OLG Mün­chen, Beschluss vom 01.02.2017 – 19 W 2119/​16 15 ff.[]
  5. BGH, Beschluss vom 25.10.2016 – XI ZR 6/​16, aaO Rn. 3, 5[]