Rück­ga­be einer bereits geneh­mig­ten Last­schrift durch den Insol­venz­ver­wal­ter

Bucht die Schuld­ner­bank nach Wider­spruch eines allein­han­deln­den (star­ken) vor­läu­fi­gen Insol­venz­ver­wal­ters eine Last­schrift zurück, die der Schuld­ner bereits vor Auf­er­le­gung des all­ge­mei­nen Ver­fü­gungs­ver­bots geneh­migt hat­te, so kann der betrof­fe­ne Gläu­bi­ger aus der Insol­venz­mas­se kei­ne noch­ma­li­ge Zah­lung ver­lan­gen. Den über­höh­ten For­de­rungs­aus­weis gegen­über sei­ner Bank nach unwirk­sa­mer Last­schrift­rück­bu­chung hat der Schuld­ner nicht auf Kos­ten des Gläu­bi­gers erlangt. Die­sem bleibt es über­las­sen, gegen­über sei­ner Bank die feh­ler­haf­te Kon­ten­be­rich­ti­gung rück­gän­gig zu machen 1.

Rück­ga­be einer bereits geneh­mig­ten Last­schrift durch den Insol­venz­ver­wal­ter

So hat der Bun­des­ge­richts­hof eine tatrich­ter­li­che Wür­di­gung gebil­ligt, dass die Lea­sing­neh­me­rin schon vor Auf­er­le­gung des all­ge­mei­nen Ver­fü­gungs­ver­bots den Last­schrift­ein­zug der Lea­sing­ra­ten durch schlüs­si­ges Ver­hal­ten geneh­migt hat­te, so dass der Wider­spruch des vor­läu­fi­gen Insol­venz­ver­wal­ters wir­kungs­los bleibt 2. Im unter­neh­me­ri­schen Geschäfts­ver­kehr darf die Schuld­ner­bank eine schlüs­si­ge Geneh­mi­gung regel­mä­ßig wie­der­keh­ren­der Last­schrif­ten aus Dau­er­schuld­ver­hält­nis­sen eines Kun­den bereits nach Ablauf von zwei Wochen anneh­men. Das gilt nicht nur für Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge oder ande­re Zah­lun­gen, die typi­scher­wei­se auf einer von dem Schuld­ner selbst abge­ge­be­nen Anmel­dung beru­hen 3. Denn auch beim Last­schrift­ein­zug nam­haf­ter monat­li­cher Geschäfts­raum­mie­ten oder Lea­sing­ra­ten – wie hier – wird von Fir­men­kun­den im Bank­ver­kehr mit einer kurz­fris­ti­gen Über­prü­fung der Buchun­gen gerech­net 4.

Mit die­sem objek­ti­ven Tat­be­stand sind jedoch noch nicht die Vor­aus­set­zun­gen einer vor­sätz­lich sit­ten­wid­ri­gen Schä­di­gung der Klä­ge­rin fest­ge­stellt. Die vom XI. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs noch in sei­nem Urteil vom 10.06.2008 5 bei schuld­recht­lich grund­lo­sem Wider­spruch des vor­läu­fi­gen Insol­venz­ver­wal­ters gegen Last­schrif­ten bejah­te Erfül­lung des objek­ti­ven und sub­jek­ti­ven Delikts­tat­be­stan­des ist durch die neue­re Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs über­holt, obwohl ein sol­cher Anspruch bei insol­venz­recht­lich unbe­rech­tig­tem Wider­spruch des (vor­läu­fi­gen) Insol­venz­ver­wal­ters auch wei­ter­hin in Betracht kommt 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 28. Juni 2012 – IX ZR 219/​10

  1. im Anschluss an BGHZ 186, 242 Rn. 30[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 20.07.2010 – XI ZR 236/​07, BGHZ 186, 269 Rn. 41[]
  3. vgl. dazu BGH, Urteil vom 01.12.2011 – IX ZR 58/​11, WM 2012, 160 Rn. 15[]
  4. BGH, Urtei­le vom 27.09.2011 – XI ZR 215/​10, ZIn­sO 2011, 1980 Rn. 17; – XI ZR 328/​09, WM 2011, 2259 Rn. 15 f[]
  5. BGH, Urteil vom 10.06.2008 – XI ZR 283/​07, BGHZ 177, 69 Rn. 17, 19[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 20.07.2010 – IX ZR 37/​09, BGHZ 186, 242 Rn. 27[]