Rück­kaufs­recht und die best­mög­li­che Ver­wer­tung beim Lea­sing­ver­trag

Hat der Lea­sing­neh­mer nach dem Lea­sing­ver­trag für den kal­ku­lier­ten Rest­wert des Lea­sing­guts ein­zu­ste­hen, trifft den Lea­sing­ge­ber die ver­trag­li­che Neben­pflicht zur best­mög­li­chen Ver­wer­tung des Lea­sing­guts. Es stellt einen Ver­stoß gegen die­se Neben­pflicht dar, wenn zwi­schen dem Lea­sing­ge­ber und dem Lie­fe­ran­ten eine Rück­kauf­ver­ein­ba­rung besteht, der Lea­sing­ge­ber am Ende der Lauf­zeit des Lea­sing­ver­tra­ges aber nicht prüft, ob die Aus­übung der Rech­te aus der Rück­kauf­ver­ein­ba­rung für den Lea­sing­neh­mer güns­tig ist. Kauft der Lea­sing­ge­ber das Lea­sing­gut vom Lie­fe­ran­ten zu den vom Lea­sing­neh­mer aus­ge­han­del­ten Bedin­gun­gen, muss der Lea­sing­ge­ber sich über den genau­en Inhalt die­ser Bedin­gun­gen ver­ge­wis­sern.

Rück­kaufs­recht und die best­mög­li­che Ver­wer­tung beim Lea­sing­ver­trag

Bei Anwen­dung der erfor­der­li­chen Sorg­falt (§ 276 Abs. 2 BGB) hät­te der Lea­sing­ge­ber erken­nen kön­nen und müs­sen, dass ihm Rech­te aus der Rück­kauf­ver­ein­ba­rung mit dem Lie­fe­ran­ten zuste­hen und dass die Gel­tend­ma­chung die­ser Rech­te, da der ver­ein­bar­te Rück­kaufs­preis deut­lich über den damals am Markt zu erzie­len­den Prei­sen lag, dem Inter­es­se des Lea­sing­neh­mers an einer best­mög­li­chen Ver­wer­tung des Fahr­zeugs ent­spricht. Er hat dem­nach fahr­läs­sig und damit schuld­haft gehan­delt.

Der Lea­sing­ge­ber kann sich dem­ge­gen­über nicht dar­auf beru­fen, dass ihm die Rück­kauf­ver­ein­ba­rung unbe­kannt gewe­sen sei.

Der Lea­sing­ge­ber ver­wen­det vor­lie­gend selbst ein For­mu­lar, nach dem er das Lea­sing­ob­jekt zu den zwi­schen dem Ver­käu­fer und dem Lea­sing­neh­mer ver­ein­bar­ten Bedin­gun­gen kauft. Das ent­spricht auch den Rege­lun­gen in dem von dem Lea­sing­ge­ber vor­for­mu­lier­ten Lea­sing­ver­trag, in dem der Lea­sing­neh­mer den Lea­sing­ge­ber beauf­tragt, "an sei­ner Stel­le zu den von ihm aus­ge­han­del­ten Bedin­gun­gen … in den von ihm mit dem Lie­fe­ran­ten geschlos­se­nen Kauf-/Werk-/Werk­lie­fe­rungs­ver­trag … ein­zu­tre­ten … ." Wenn der Lea­sing­ge­ber ange­sichts die­ser Rege­lun­gen den Inhalt der zwi­schen Lea­sing­neh­mer und Ver­käu­fer aus­ge­han­del­ten Ver­ein­ba­run­gen, ins­be­son­de­re der von ihm über­nom­me­nen Rech­te des Lea­sing­neh­mers, nicht zur Kennt­nis nimmt, kann dies nicht zur Ent­las­tung des Lea­sing­ge­bers füh­ren. Der Lea­sing­ge­ber hät­te den Inhalt der getrof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen ein­schließ­lich der Rück­kauf­ver­ein­ba­rung ken­nen müs­sen.

Auf­grund der schuld­haf­ten Ver­let­zung der Pflicht zur best­mög­li­chen Ver­wer­tung ist der Lea­sing­ge­ber dem Lea­sing­neh­mer zum Scha­dens­er­satz ver­pflich­tet. Er hat den Lea­sing­neh­mer so zu stel­len, als wäre eine Ver­wer­tung des Lkw durch Andie­nung an den Lie­fe­ran­ten erfolgt 1.

Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg, Urteil vom 6. März 2012 – 13 U 4/​11

  1. vgl. Engel, aaO, Rn. 66 m.w.N.[]