Rück­schnitt eines Grenz­baums – und die Kla­ge nur gegen einen Nach­barn

Der Zuläs­sig­keit der Kla­ge auf Rück­schnitt über­hän­gen­der Äste eines Grenz­baums steht nicht ent­ge­gen, dass die kla­gen­de Grund­stücks­nach­ba­rin nur die Eigen­tü­me­rin eines der Grenz­baum­Grund­stü­cke und nicht auch den drit­ten Nach­barn, auf des­sen Grund­stück der Grenz­baum eben­falls teil­wei­se steht, auf Rück­schnitt der Äste nach § 1004 Abs. 1 BGB in Anspruch nimmt.

Rück­schnitt eines Grenz­baums – und die Kla­ge nur gegen einen Nach­barn

Inso­weit besteht zwi­schen den Eigen­tü­mern der bei­den mit dem Grenz­baum bepflanz­ten Grund­stü­cke kei­ne not­wen­di­ge Streit­ge­nos­sen­schaft aus mate­ri­ell­recht­li­chen Grün­den im Sin­ne von § 62 Abs. 1 Alt. 2 ZPO.

Eine aus einem sons­ti­gen Grund not­wen­di­ge Streit­ge­nos­sen­schaft (§ 62 Abs. 1 Alt. 2 ZPO), liegt vor, wenn aus mate­ri­ell­recht­li­chen Grün­den meh­re­re nur gemein­sam kla­gen oder gegen meh­re­re nur gemein­schaft­lich Kla­ge erho­ben wer­den kann, also die Kla­ge nur eines Berech­tig­ten oder gegen nur einen Berech­tig­ten als unzu­läs­sig abge­wie­sen wer­den müss­te1. Das Erfor­der­nis einer gemein­schaft­li­chen Kla­ge ergibt sich aus der ledig­lich gemein­schaft­lich vor­han­de­nen mate­ri­ell­recht­li­chen Ver­fü­gungs­be­fug­nis gemäß § 747 Satz 2, § 1008 BGB2.

Ein sol­cher Fall liegt hier nicht vor. Die bei­den Nach­barn sind nicht gemein­schaft­lich zum Rück­schnitt der Äste aus § 1004 Abs. 1 BGB ver­pflich­tet. Etwas ande­res folgt nicht dar­aus, dass die Fich­te ein Grenz­baum im Sin­ne des § 923 BGB ist, weil sie auf der Gren­ze der Grund­stü­cke die­ser bei­den Nach­barn steht.

Bei einem Grenz­baum gehört jedem Grund­stücks­ei­gen­tü­mer der Teil des Bau­mes, der sich auf sei­nem Grund­stück befin­det (ver­ti­kal geteil­tes Eigen­tum). Infol­ge­des­sen ist jeder Grund­stücks­ei­gen­tü­mer für den ihm gehö­ren­den Teil eines Grenz­bau­mes ver­kehrs­si­che­rungs­pflich­tig, und zwar wie für einen voll­stän­dig auf sei­nem Grund­stück ste­hen­den Baum3.

Dem­entspre­chend ist wegen des Allein­ei­gen­tums jedes Grund­stücks­ei­gen­tü­mers an einem Teil des Grenz­bau­mes jedem (Teil)Eigentümer auch grund­sätz­lich nur die Beein­träch­ti­gung als Stö­rer zuzu­rech­nen, die von sei­nem Baum­teil aus­geht. Von ihm allein kann ein (drit­ter) Nach­bar, der dadurch in der Benut­zung sei­nes Grund­stücks beein­träch­tigt ist, gemäß § 1004 BGB Besei­ti­gung der Eigen­tums­stö­rung ver­lan­gen.

Der Eigen­tü­mer eines der Grenz­baum­grund­stü­cke kann des­halb auf Rück­schnitt der Äste, die von dem ihm gehö­ren­den Teil des Grenz­bau­mes wach­sen, allein in Anspruch genom­men wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. Febru­ar 2019 – V ZR 136/​18

  1. vgl. BGH, Urteil vom 26.10.1984 – V ZR 67/​83, BGHZ 92, 351, 353 []
  2. vgl. BGH, Urteil vom 12.01.1996 – V ZR 246/​94, BGHZ 131, 376, 378; BGH, Urteil vom 14.04.2010 – IV ZR 135/​08, Fam­RZ 2010, 1068 Rn. 17 []
  3. BGH, Urteil vom 02.07.2004 – V ZR 33/​04, BGHZ 160, 18, 22 []