Rück­tritt vom Kauf­ver­trag – und der Erfül­lungs­ort der Rück­ge­währ­an­sprü­che

Klagt der Käu­fer nach bei­der­sei­ti­ger Erfül­lung des Kauf­ver­tra­ges und nach Rück­tritt vom Kauf­ver­trag auf Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses Zug-um-Zug gegen Rück­ge­währ der Kauf­sa­che, so ist auch nach neu­em Schuld­recht ein­heit­li­cher Erfül­lungs­ort für alle Rück­ge­währ­an­sprü­che der Ort, an dem sich die Kauf­sa­che zur Zeit des Rück­tritts ver­trags­ge­mäß befin­det.

Rück­tritt vom Kauf­ver­trag – und der Erfül­lungs­ort der Rück­ge­währ­an­sprü­che

Klagt der Käu­fer nach bei­der­sei­ti­ger Erfül­lung des Kauf­ver­tra­ges und nach Rück­tritt vom Kauf­ver­trag auf Rück­zah­lung des Kauf­prei­ses Zug-um-Zug gegen Rück­ge­währ der Kauf­sa­che, so ist ein­heit­li­cher Erfül­lungs­ort für alle Rück­ge­währ­an­sprü­che der Ort, an dem sich die Kauf­sa­che zur Zeit des Rück­tritts ver­trags­ge­mäß befin­det 1. Auch wenn die vor­ste­hend zitier­te Ent­schei­dung noch zum alten Schuld­recht ergan­gen ist, ent­spricht die dar­ge­leg­te Auf­fas­sung auch nach neu­em Schuld­recht der herr­schen­den Mei­nung 2, der auch der Senat folgt.

Zwar wird der herr­schen­den Auf­fas­sung ver­ein­zelt wider­spro­chen wird und auch das Land­ge­richt Kos­tenz ist im ange­foch­te­ne Urteil 3 dem Land­ge­richt Stral­sund 4 gefolgt; das Ober­lan­des­ge­richt Schles­wig 5 weist aber zutref­fend dar­auf hin, dass sich die Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hof 6 auf das neue Schuld­recht über­tra­gen lässt, weil es sich bei Wand­lung und gesetz­li­chem Rück­tritt im Wesent­li­chen um das glei­che Rechts­in­sti­tut han­delt. Der Annah­me eines ein­heit­li­chen Erfül­lungs­or­tes am Bestim­mungs­ort steht nicht das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 13. April 2011 7 ent­ge­gen, mit dem die­ser einen Erfül­lungs­ort am Ort der ver­trags­ge­mä­ßen Bele­gen­heit der Sache für den kauf­recht­li­chen Nach­er­fül­lungs­an­spruch gemäß §§ 437 Nr. 1, 439 BGB ver­neint hat. Indi­rekt hat der Bun­des­ge­richts­hof mit die­ser Ent­schei­dung die herr­schen­de Mei­nung erneut bestä­tigt, wenn er dar­in aus­führt, dass sich die zum Erfül­lungs­ort der Rück­ge­währ­an­sprü­che nach erfolg­tem Rück­tritt gemäß § 437 Nr. 2, §§ 440, 346 BGB, der viel­fach an dem Ort ange­sie­delt sei, an dem sich die Sache ver­trags­ge­mäß befin­de, ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze nicht auf die Nach­er­fül­lung nach § 439 BGB über­tra­gen las­se. Zutref­fend weist das OLG Schles­wig dar­auf hin, dass der Bun­des­ge­richts­hof die Fra­ge auch hät­te offen las­sen kön­nen, wenn er Zwei­fel an der herr­schen­den Mei­nung gehabt hät­te. Dies hat er aber gera­de nicht getan, son­dern viel­mehr die Unter­schie­de zwi­schen Nach­er­fül­lungs- und Rück­tritts­recht her­aus­ge­stellt und zum Erfül­lungs­ort bei Rück­tritt die herr­schen­de Auf­fas­sung zitiert 8 sowie auf sein frü­he­res Urteil zum alten Schuld­recht ver­wie­sen 9.

Für einen Kauf­ver­trag über ein Pferd hat bereits das Land­ge­richt Frei­burg durch Zwi­schen­ur­teil ent­schie­den, dass dann, wenn die Ver­trags­par­tei­en kei­ne Ver­ein­ba­rung dar­über getrof­fen haben, wohin der Käu­fer die Kauf­sa­che ver­brin­gen darf oder soll, der Aus­tau­schort grund­sätz­lich der Ort ist, an wel­chen der Käu­fer die Sache ver­bracht hat 10; die dage­gen erho­be­ne Beru­fung hat das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he 11 zurück­ge­wie­sen. In einem sol­chen Fall besteht für einen ein­heit­li­chen Erfül­lungs­ort für die Rück­ab­wick­lung eben­so wie beim Auto­kauf ein prak­ti­sches Bedürf­nis 12.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 14. Juni 2013 – 13 U 53/​13

  1. vgl. BGH Urteil von 09.03.1983 – VIII ZR 11/​82, NJW 1983, 1479, 1480 f., BGHZ 87, 104, 109 noch zur Wan­de­lung[]
  2. vgl. OLG Schles­wig Urteil von 04.09.2012 – 3 U 99/​11, m. zahl­rei­chen Nach­wei­sen[]
  3. LG Kon­stanz, Urteil vom 26.03.2013 – 4 O 332/​12 M[]
  4. LG Stral­sund, Beschluss vom 13.10.2012 – 6 O 211/​11[]
  5. OLG Schles­wig, a.a.O. Rn.19[]
  6. BGH, a.a.O.[]
  7. BGH, Urteil vom 13.04.2011 – VIII ZR 220/​10[]
  8. BGH a.a.O., unter Hin­weis auf Palandt/​Grüneberg, BGB, 70. Aufl., § 269 Rn. 16; MünchKommBGB/​Krüger, BGB, 5. Aufl., § 269 Rn. 41[]
  9. BGH, Urteil vom 09.03.1983 – VIII ZR 11/​82, BGHZ 87, 104, 109[]
  10. LG Frei­burg, Zwi­schen­ur­teil vom 07.11.2008 – 8 O 98/​08[]
  11. OLG Karls­ru­he, Urteil vom 19.08.09 – 13 U 145/​08[]
  12. dazu im Ein­zel­nen OLG Schles­wig a.a.O. Rn 35f.[]