Rückwirkende Verjährungshemmung bei schwebenden Verhandlungen

Bei schwebenden Verhandlungen wirkt die Hemmung grundsätzlich auf den Zeitpunkt zurück, in dem der Gläubiger seinen Anspruch gegenüber dem Schuldner geltend gemacht hat1.

Rückwirkende Verjährungshemmung bei schwebenden Verhandlungen

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs genügt es für das Vorliegen von die Verjährung hemmenden Verhandlungen, wenn der Berechtigte Anforderungen an den Verpflichteten stellt und dieser nicht sofort ablehnt, sondern sich auf Erörterungen einlässt. Antwortet der Verpflichtete auf die Mitteilung des Berechtigten alsbald in solcher Weise, dass dieser annehmen darf, der Verpflichtete werde im Sinne einer Befriedigung der Ansprüche Entgegenkommen zeigen, so tritt eine Verjährungshemmung ein, die auf den Zeitpunkt der Anspruchsanmeldung zurückzubeziehen ist2.

Frühere Entscheidungen des VII. und auch des VIII. Zivilsenats des Bundesgerichtshofs stehen dieser Rechtsprechung nicht entgegen. Entweder beziehen sie sich auf den anders lautenden § 639 Abs. 2 BGB aF3 oder aber sie stellen auf den späteren Zeitpunkt ab, weil dies ausreichte, um eine rechtzeitige Hemmung annehmen zu können, ohne der anders lautenden Rechtsprechung des VI. Zivilsenats des Bundesgerichtshofs entgegenzutreten4.

Bundesgerichtshof, Beschluss vom 19. Dezember 2013 – IX ZR 120/11

  1. Anschluss an BGH, Urteil vom 11.11.1958 – VI ZR 231/57, VersR 1959, 34, 36; vom 13.02.1962 – VI ZR 195/61, VersR 1962, 615 []
  2. BGH, Urteil vom 11.11.1958 – VI ZR 231/57, VersR 1959, 34, 36; vom 13.02.1962 – VI ZR 195/61, VersR 1962, 615, 616; vgl. auch BGH, Urteil vom 13.03.2008 – I ZR 116/06, VersR 2008, 1669 Rn. 12, 13, 25 []
  3. BGH, Urteil vom 07.10.1982 – VII ZR 334/80, NJW 1983, 162, 163; vom 15.04.1999 – VII ZR 415/97, ZIP 1999, 1132, 1133 []
  4. BGH, Urteil vom 28.11.1984 – VIII ZR 240/83, BGHZ 93, 64, 66 ff; vom 26.10.2006 – VII ZR 194/05, NJW 2007, 587 Rn. 15 []