Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten – und die über­gan­ge­nen Ein­wen­dun­gen

Das Gericht ver­letzt den Anspruch der Pro­zess­par­tei auf Gewäh­rung recht­li­chen Gehörs (Art. 103 Abs. 1 GG), wenn es ent­schei­dungs­er­heb­li­che tat­säch­li­che Ein­wen­dun­gen der Par­tei gegen das gericht­lich erho­be­ne Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten nicht zur Kennt­nis genom­men und nicht berück­sich­tigt hat.

Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten – und die über­gan­ge­nen Ein­wen­dun­gen

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ver­stößt ein Gericht gegen die aus Art. 103 Abs. 1 GG fol­gen­de Pflicht, Par­tei­vor­brin­gen zu berück­sich­ti­gen, wenn im Ein­zel­fall beson­de­re Umstän­de dar­auf hin­deu­ten, dass erheb­li­ches Vor­brin­gen eines Betei­lig­ten ent­we­der über­haupt nicht zur Kennt­nis genom­men oder bei der Ent­schei­dung ersicht­lich nicht erwo­gen wor­den ist – etwa wenn das Gericht auf den wesent­li­chen Kern des Vor­trags einer Par­tei zu einer zen­tra­len Fra­ge des Ver­fah­rens in den Ent­schei­dungs­grün­den nicht ein­geht1.

Auch wird der Anspruch auf Gewäh­rung recht­li­chen Gehörs (Art. 103 Abs. 1 GG) durch das Gericht ver­letzt, wenn es sei­ner Ent­schei­dung Unter­la­gen zugrun­de gelegt hat, zu denen die ande­re Par­tei zuvor nicht Stel­lung neh­men konn­te2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. März 2018 – XII ZR 98/​17

  1. BVerfG MDR 2013, 1113 Rn. 15 mwN; vgl. auch BGH Beschluss vom 03.12 2013 – XI ZR 301/​11 , NJW-RR 2014, 381 Rn. 9 mwN []
  2. vgl. etwa BVerfGE 84, 188, 190 = NJW 1991, 2823 []