Sach­vor­trag und Sub­stan­ti­ie­rungs­pflicht

Ein Sach­vor­trag zur Begrün­dung eines Anspruchs ist dann schlüs­sig und erheb­lich, wenn die Par­tei Tat­sa­chen vor­trägt, die in Ver­bin­dung mit einem Rechts­satz geeig­net und erfor­der­lich sind, das gel­tend gemach­te Recht als in der Per­son der Par­tei ent­stan­den erschei­nen zu las­sen. Die Anga­be nähe­rer Ein­zel­hei­ten ist nicht erfor­der­lich, soweit die­se für die Rechts­fol­gen nicht von Bedeu­tung sind.

Sach­vor­trag und Sub­stan­ti­ie­rungs­pflicht

Sind die­se Anfor­de­run­gen erfüllt, ist es Sache des Tatrich­ters, in die Beweis­auf­nah­me ein­zu­tre­ten und dabei gege­be­nen­falls die benann­ten Zeu­gen oder die zu ver­neh­men­de Par­tei nach wei­te­ren Ein­zel­hei­ten zu befra­gen oder einem Sach­ver­stän­di­gen die beweis­erheb­li­chen Streit­fra­gen zu unter­brei­ten 1.

Steht dem Grun­de nach fest, dass eine For­de­rung besteht, und bedarf es ledig­lich der Aus­fül­lung zur Höhe, kommt dem Gläu­bi­ger gemäß § 287 Abs. 2 ZPO die Beweis­erleich­te­rung des § 287 Abs. 1 ZPO zugu­te. Im Unter­schied zu den stren­gen Anfor­de­run­gen des § 286 Abs. 1 ZPO reicht bei der Ent­schei­dung über die Höhe einer For­de­rung eine erheb­li­che, auf gesi­cher­ter Grund­la­ge beru­hen­de Wahr­schein­lich­keit für die rich­ter­li­che Über­zeu­gungs­bil­dung aus 2.

Zwar ist es Sache des Anspruch­stel­lers, die­je­ni­gen Umstän­de vor­zu­tra­gen und gege­be­nen­falls zu bewei­sen, die sei­ne Vor­stel­lun­gen zur Anspruchs­hö­he recht­fer­ti­gen sol­len. Ent­hält der dies­be­züg­li­che Vor­trag Lücken oder Unklar­hei­ten, so ist es in der Regel jedoch nicht gerecht­fer­tigt, dem jeden­falls in irgend­ei­ner Höhe Berech­tig­ten jeden Ersatz zu ver­sa­gen.

Der Tatrich­ter muss viel­mehr nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen beur­tei­len, ob nach § 287 ZPO nicht wenigs­tens die Schät­zung eines Min­dest­be­tra­ges mög­lich ist, und darf eine sol­che Schät­zung erst dann gänz­lich unter­las­sen, wenn sie man­gels jeg­li­cher kon­kre­ter Anhalts­punk­te völ­lig in der Luft hin­ge und daher will­kür­lich wäre 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Dezem­ber 2014 – VIII ZR 86/​13

  1. BGH, Urteil vom 29.02.2012 – VIII ZR 155/​11, NJW 2012, 1647 Rn. 16; BGH, Beschlüs­se vom 16.07.2013 – VIII ZR 384/​12, IHR 2014, 58 unter – II 2 a; vom 28.02.2012 – VIII ZR 124/​11, WuM 2012, 311 Rn. 6; vom 25.10.2011 – VIII ZR 125/​11, NJW 2012, 382 Rn. 14; jeweils mwN[]
  2. BGH, Urtei­le vom 29.05.2013 – VIII ZR 174/​12, NJW 2013, 2584 Rn.20; vom 09.04.1992 – IX ZR 104/​91, NJW-RR 1992, 997 unter – II 1[]
  3. st. Rspr.; BGH, Urtei­le vom 29.05.2013 – VIII ZR 174/​12, aaO; vom 06.12 2012 – VII ZR 84/​10, NJW 2013, 525 Rn. 23 f.; vom 14.07.2010 – VIII ZR 45/​09, NJW 2010, 3434 Rn.19; vom 24.06.2009 – VIII ZR 332/​07, NJW-RR 2009, 1404 Rn. 16; vom 23.10.1991 – XII ZR 144/​90, WM 1992, 36 unter 3 a[]