Scha­dens­be­rech­nung bei täu­schungs­be­dingt gewähr­tem Dar­le­hen

Zur Scha­dens­be­rech­nung bei täu­schungs­be­dingt gewähr­tem Dar­le­hen hat jetzt der Bun­des­ge­richts­hof in einer bei ihm anhän­gi­gen Straf­sa­che Stel­lung genom­men:

Scha­dens­be­rech­nung bei täu­schungs­be­dingt gewähr­tem Dar­le­hen

Unter Beach­tung des Beschlus­ses des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 7. Dezem­ber 2011 1 bedarf es im Fal­le der Annah­me eines Ein­ge­hungs­be­trugs einer aus­rei­chen­den Beschrei­bung und Bezif­fe­rung der täu­schungs­be­ding­ten Ver­mö­gens­schä­den. Da spe­zi­ell beim Ein­ge­hungs­be­trug die Scha­dens­hö­he ent­schei­dend von der Wahr­schein­lich­keit und vom Risi­ko eines zukünf­ti­gen Ver­lusts abhängt, setzt die Bestim­mung eines Min­dest­scha­dens vor­aus, dass die Ver­lust­wahr­schein­lich­keit trag­fä­hig ein­ge­schätzt wird 2. Hier­bei kön­nen die bank­üb­li­chen Bewer­tungs­an­sät­ze für Wert­be­rich­ti­gun­gen Anwen­dung fin­den (vgl. § 253 Abs. 4; § 340f HGB). Denn ist auf­grund der feh­len­den Boni­tät des Schuld­ners und nicht aus­rei­chen­der Sicher­hei­ten kon­kret erkenn­bar, dass mit einem teil­wei­sen For­de­rungs­aus­fall zu rech­nen ist, müs­sen ent­spre­chen­de bilan­zi­el­le Kor­rek­tu­ren vor­ge­nom­men wer­den, die ihrer­seits – unge­ach­tet der prak­ti­schen Schwie­rig­kei­ten ihrer Ermitt­lung – auch im Rah­men der Scha­dens­be­rech­nung zugrun­de gelegt wer­den kön­nen 3.

Die­sen Maß­stä­ben wird ein straf­ge­richt­li­ches Urteil nicht gerecht, wenn es die Scha­dens­be­zif­fe­rung allein auf die Dif­fe­renz zwi­schen Kre­dit­hö­he und tat­säch­li­chem Kauf­preis (als von ihm ange­nom­me­nen maxi­ma­len Ver­kehrs­wert) stützt. Die Dar­le­hens­ge­wäh­rung ist ein Risi­ko­ge­schäft. Der im Sin­ne des § 263 StGB rele­van­te Ver­mö­gens­scha­den liegt des­halb bei die­sen Fall­ge­stal­tun­gen immer in der Bewer­tung des täu­schungs­be­ding­ten Risi­ko­un­gleich­ge­wichts 4. Für des­sen Berech­nung ist maß­geb­lich, ob und in wel­chem Umfang die das Dar­le­hen aus­rei­chen­de Bank ein höhe­res Aus­fall­ri­si­ko trifft, als es bestan­den hät­te, wenn die risi­ko­be­stim­men­den Fak­to­ren zutref­fend gewe­sen wären. Dann ver­schiebt sich zu ihren Las­ten der syn­al­lag­ma­ti­sche Zusam­men­hang. So hät­te die kre­dit­ge­wäh­ren­de Bank in Kennt­nis die­ser Umstän­de die von ihr ver­lang­te Gegen­leis­tung, die Zins­hö­he des Dar­le­hens, ent­spre­chend ange­passt oder wei­ter­ge­hen­de Sicher­hei­ten ver­langt. Nur in die­sem Zusam­men­hang sind die bestell­ten Sicher­hei­ten hier von Bedeu­tung. Des­halb hat die Recht­spre­chung schon immer einen Ver­mö­gens­scha­den dann ver­neint, wenn der Rück­zah­lungs­an­spruch auf­grund der Ver­mö­gens­la­ge des Dar­le­hens­neh­mers oder sons­ti­ger Umstän­de, die den Gläu­bi­ger vor einem Ver­lust sei­nes Gel­des schüt­zen, wirt­schaft­lich gesi­chert ist 5.

Die Scha­dens­fest­stel­lung hät­te des­halb – nahe­lie­gend mit sach­ver­stän­di­ger Bera­tung – bei einem sol­chen Sach­ver­halt in einem Ver­gleich und einer bilan­zi­el­len Bewer­tung der von der Bank zugrun­de geleg­ten Ver­trags­ge­stal­tung – im Gegen­satz zu der tat­säch­lich durch­ge­führ­ten – bestehen müs­sen. Die Ver­lust­wahr­schein­lich­kei­ten dür­fen aller­dings nicht so dif­fus sein oder sich in so gerin­gen Berei­chen bewe­gen, dass der Ein­tritt eines rea­len Scha­dens letzt­lich unge­wiss bleibt 6. Im Rah­men der wirt­schaft­li­chen Bewer­tung des täu­schungs­be­dingt ver­än­der­ten Kre­dit­ri­si­kos kann auch dem Umstand Gewicht zukom­men, dass die LBS als kre­dit­ge­wäh­ren­de Bank der Ermitt­lung der Ver­kehrs­wer­te der ein­zel­nen Grund­stü­cke wohl kei­nen wesent­li­chen Stel­len­wert bei­gemes­sen hat, weil sie die Belei­hungs­gren­ze nur im Wege von pro­zen­tua­len Abschlä­gen bestimmt hat, deren Höhe ersicht­lich im Belie­ben des jewei­li­gen Kre­dit­sach­be­ar­bei­ters gestan­den hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. April 2012

  1. BVerfG, Beschluss vom 07.12.2011, NJW 2012, 907 ff.[]
  2. BVerfG aaO, 915 ff.[]
  3. vgl. auch BVerfGE 126, 170, 226 ff.[]
  4. BGH, Beschluss vom 27.03.2003 – 5 StR 508/​02, StV 2003, 446; vgl. auch BGH, Urteil vom 15.12.2006 – 5 StR 181/​06, BGHSt 51, 165, 174 f.[]
  5. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 05.05.2009 – 3 StR 475/​08, wis­tra 2009, 350; vom 12.06.2001 – 4 StR 402/​00, StV 2002, 133[]
  6. vgl. BVerfGE 126, 170, 229; BVerfG NJW 2012, 907, 916[]
  7. BVerfGE 130, 1[]