Scha­dens­er­satz wegen vor­ge­scho­be­ner Eigen­be­darfs­kün­di­gung – und der Räu­mungs­ver­gleich

Ein Scha­dens­er­satz­an­spruch wegen vor­ge­täusch­ten Eigen­be­darfs gemäß § 280 Abs. 1 BGB ist nicht durch einen zwi­schen den Miet­ver­trags­par­tei­en abge­schlos­se­nen Räu­mungs­ver­gleich aus­ge­schlos­sen.

Scha­dens­er­satz wegen vor­ge­scho­be­ner Eigen­be­darfs­kün­di­gung – und der Räu­mungs­ver­gleich

Ein Räu­mungs­ver­gleich unter­bricht den Zurech­nungs­zu­sam­men­hang zwi­schen der Vor­täu­schung einer (Eigen)Bedarfssituation und dem spä­ter vom Mie­ter gel­tend gemach­ten Scha­den nur dann, wenn damit auch etwai­ge Ansprü­che des Mie­ters wegen eines nur vor­ge­täusch­ten Bedarfs abge­gol­ten wer­den soll­ten 1.

Hier­von war im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fall nicht aus­zu­ge­hen: Der Wort­laut des Ver­gleichs bie­tet kei­ne Anhalts­punk­te dafür, dass die Par­tei­en über den Streit­ge­gen­stand und die aus­drück­lich gere­gel­ten Punk­te hin­aus sämt­li­che in Betracht kom­men­den Ansprü­che aus dem Miet­ver­hält­nis, also etwa auch einen Scha­dens­er­satz­an­spruch wegen vor­ge­täusch­ten Bedarfs, abschlie­ßend regeln woll­ten.

Auch ein still­schwei­gen­der Ver­zicht kommt vor­lie­gend nach den vom Bun­des­ge­richts­hof im Urteil vom 10.06.2015 2 ent­wi­ckel­ten Maß­stä­ben nicht in Betracht. An das Vor­lie­gen eines still­schwei­gen­den Ver­zichts auf Scha­dens­er­satz­an­sprü­che wegen vor­ge­täusch­ten Eigen­be­darfs sind stren­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len; der Ver­zichts­wil­le muss – auch unter Berück­sich­ti­gung sämt­li­cher Begleit­um­stän­de – unmiss­ver­ständ­lich sein 3. Hier­für bedarf es regel­mä­ßig bedeut­sa­mer Umstän­de, die auf einen sol­chen Ver­zichts­wil­len schlie­ßen las­sen; der­ar­ti­ge Umstän­de kön­nen bei einem Räu­mungs­ver­gleich etwa dar­in lie­gen, dass sich der Ver­mie­ter zu einer sub­stan­ti­el­len Gegen­leis­tung ver­pflich­tet 3. Sol­che Umstän­de lagen im hier ent­schie­de­nen Fall nicht vor.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Mai 2016 – VIII ZR 214/​15

  1. BGH, Urteil vom 10.06.2015 – VIII ZR 99/​14, NJW 2015, 2324 Rn. 15[]
  2. BGH, Urteil vom 10.06.2015 – VIII ZR 99/​14, aaO Rn.19[]
  3. BGH, Urteil vom 10.06.2015 – VIII ZR 99/​14, aaO mwN[][]