Scha­dens­er­satz für den Ver­kauf unge­neh­mig­ter Nachgüsse

Eine Kunst­be­ra­te­rin ver­letzt ihre Erkun­di­gungs­pflicht, wenn Anlass besteht, sich im Rah­men ihrer Mög­lich­kei­ten zu erkun­di­gen, ob es sich bei Kunst­ob­jek­ten tat­säch­lich um Ori­gi­na­le oder auto­ri­sier­te Exem­pla­re handelt.

Scha­dens­er­satz für den Ver­kauf unge­neh­mig­ter Nachgüsse

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf in dem hier vor­lie­gen­den Fall eine Kunst­his­to­ri­ke­rin aus Düs­sel­dorf dazu ver­pflich­tet, 980.000,00 € Scha­dens­er­satz an eine Erben­ge­mein­schaft aus Essen zu zah­len. Damit ist im Wesent­li­chen das Urteil des Land­ge­richts Düs­sel­dorf1 bestä­tigt wor­den. Im Jah­re 2009 hat­te die beklag­te Kunst­his­to­ri­ke­rin dem Erb­las­ser vier Skulp­tu­ren eines spa­ni­schen Künst­lers für ins­ge­samt 1.000.000,00 € ver­kauft. Dabei han­del­te es sich jedoch um unge­neh­mig­te Nach­güs­se, die ledig­lich einen (Material-)Wert von 20.000,00 € haben.

Die Kunst­be­ra­te­rin hat im Pro­zess vor­ge­tra­gen, die Skulp­tu­ren von ihrem dama­li­gen Ehe­mann geschenkt bekom­men, jedoch jah­re­lang nicht aus­ge­packt zu haben. Außer­dem wis­se sie nichts über ihre genaue Her­kunft. Es han­delt sich bei dem dama­li­gen Ehe­mann um einen spä­ter wegen Betru­ges ver­ur­teil­ten Kunst­be­ra­ter. Der Künst­ler hat­te 22 Ori­gi­nal­skulp­tu­ren geschaf­fen, umar­bei­ten las­sen und die hier in Rede ste­hen­de Vie­rer­grup­pe aus dem Ori­gi­nal­guss bereits ver­äu­ßert, als er mit dem Ehe­mann Abre­den zur Ver­wen­dung der rest­li­chen Skulp­tu­ren traf. Von die­sem Gespräch wuss­te die Kunsthistorikerin.

In sei­ner Ent­schei­dungs­be­grün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf aus­ge­führt, dass die Kunst­his­to­ri­ke­rin Anlass gehabt hät­te, sich im Rah­men ihrer Mög­lich­kei­ten zu erkun­di­gen, ob es sich bei den ihr geschenk­ten Figu­ren tat­säch­lich um Ori­gi­na­le oder auto­ri­sier­te Exem­pla­re han­del­te. Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf hat sie die­se Erkun­di­gungs­pflicht ver­letzt und dies nicht offen­leg­te. Aus die­sem Grund muss sie für den Sach­man­gel der Skulp­tu­ren ein­ste­hen und der Erben­ge­mein­schaft die Dif­fe­renz zwi­schen Kauf­preis und Wert als Scha­den ersetzen.

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Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 2. Febru­ar 2021 – I‑3 U 22/​19

  1. LG Düs­sel­dorf, Urteil vom 15.03.2019 – 6 O 251/​15[]