Schadensersatz – und die ersparten eigenen Aufwendungen

Sofern die zur Behebung des Mangels erforderlichen Arbeiten von den Käufern auch bei einer mangelfreien Leistung durchgeführt worden wären, ist dies unter dem Gesichtspunkt der Vorteilsausgleichung zu berücksichtigen.

Schadensersatz – und die ersparten eigenen Aufwendungen

Nach dem schadensrechtlichen Bereicherungsverbot soll der Geschädigte nicht besser gestellt werden, als er ohne das schädigende Ereignis stünde1.

Im Kaufrecht führt dies dazu, dass der Käufer einer mangelhaften Sache grundsätzlich nicht besser stehen darf, als er bei ordnungsgemäßer Vertragserfüllung stünde2.

Schadensmindernd zu berücksichtigen sind jedoch nur solche Vorteile, deren Anrechnung mit dem jeweiligen Zweck des Ersatzanspruchs übereinstimmt, so dass sie dem Geschädigten zumutbar ist und den Schädiger nicht unbillig entlastet. Vor- und Nachteile müssen bei wertender Betrachtung gleichsam zu einer Rechnungseinheit verbunden sein3.

Diese Voraussetzungen liegen regelmäßig vor, soweit der Geschädigte durch die Schadensbeseitigung eigene Aufwendungen erspart4.

Im vorliegenden Fall führt die Beseitigung des Schwammbefalls dazu, dass auch Sanierungsarbeiten durchgeführt werden, welche ohnehin geplant waren. Die dadurch ersparten eigenen Aufwendungen muss sich die Käuferin von den Mängelbeseitigungskosten, welche den gesamten zur Mängelbeseitigung erforderlichen Betrag umfassen, abziehen lassen. Der Vorteilsausgleich beruht auf dem Gedanken von Treu und Glauben (§ 242 BGB) und erfordert eine wertende Betrachtung5. Für die Käuferin wäre es ein unverdienter Vorteil, wenn sie die ohnehin vorgesehenen Sanierungsarbeiten teilweise auf Kosten der Verkäufer durchführen könnte.

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Die Darlegungs- und Beweislast für ersparte Aufwendungen der Käufer, welche nach dem Vorgesagten anspruchsmindernd zu berücksichtigen sind, tragen die Verkäufer6. Die Käuferin trifft jedoch eine sekundäre Darlegungslast, da die Verkäufer außerhalb des von ihnen darzulegenden Geschehensablaufs stehen und der Käuferin nähere Angaben zumutbar sind7. Die Käufrin ist deswegen gehalten, die für die Berechnung des Vorteilsausgleichs durch die Verkäufer erforderlichen Tatsachen vorzutragen8.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 20. Mai 2014 – VI ZR 187/13

  1. BGH, Urteil vom 28.06.2007 – VII ZR 81/06, BGHZ 173, 83 Rn. 18 mwN; vgl. BGH, Urteil vom 25.01.2013 – V ZR 118/11, NJW-RR 2013, 825 Rn. 11[]
  2. BGH, Urteil vom 25.01.2013 – V ZR 118/11, NJW-RR 2013, 825 Rn. 13, 16[]
  3. BGH, Urteil vom 17.10.2003 – V ZR 84/02, NJW-RR 2004, 79, 80; BGH, Urteil vom 28.06.2007 – VII ZR 81/06, BGHZ 173, 83 Rn. 18 mwN[]
  4. Staudinger/Schiemann, BGB [2005], § 249 Rn. 168; Bamberger/Roth/Schubert, BGB, 3. Aufl., § 249 Rn. 137 mwN; Palandt/Grüneberg, BGB, 73. Aufl., vor 249 Rn. 93; Lange/Schiemann, Schadensersatz, 3. Aufl., S. 503 f.[]
  5. BGH, Versäumnisurteil vom 01.08.2013 – – VII ZR 75/11, NJW 2013, 3297, Rn. 22, BGH, Urteil vom 28.06.2007 – – VII ZR 81/06, BGHZ 173, 83 Rn. 18 mwN[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 17.10.2003 – V ZR 84/02, NJW-RR 2004, 79, 81[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 28.06.2011 KZR 75/10, NJW 2012, 928 Rn. 71; BGH, Urteil vom 31.05.2010 – II ZR 30/09, NJW 2010, 2506 Rn. 26[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 31.05.2010 – II ZR 30/09, NJW 2010, 2506 Rn. 26[]
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