Scha­dens­er­satz vom Zwangs­ver­wal­ter

Der Zwangs­ver­wal­ter ist, wie der Bun­des­ge­richts­hof in einem aktu­el­len Urteil aus­drück­lich fest­stellt, allen Per­so­nen ver­ant­wort­lich, gegen­über denen ihm das Zwangs­ver­stei­ge­rungs­ge­setz beson­de­re Pflich­ten auf­er­legt. Dem­ge­mäß kann auch die nicht for­mell am Zwangs­ver­wal­tungs­ver­fah­ren betei­lig­te Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft "Betei­lig­te" im Sin­ne der Scha­dens­er­satz­vor­schrift des § 154 Satz 1 ZVG sein.

Scha­dens­er­satz vom Zwangs­ver­wal­ter

Nach § 154 Satz 1 ZVG ist der Zwangs­ver­wal­ter "allen Betei­lig­ten" für die Erfül­lung der ihm oblie­gen­den Ver­pflich­tun­gen ver­ant­wort­lich. Wer in die­sem Sin­ne am Ver­fah­ren der Zwangs­ver­wal­tung "betei­ligt" ist, ist im Zwangs­ver­stei­ge­rungs­ge­setz nicht aus­drück­lich gere­gelt. Die Vor­schrift des § 9 ZVG, wel­che noch das Beru­fungs­ge­richt in dem vom BGH nun ent­schie­de­nen Fall zur Bestim­mung des Betei­lig­ten­krei­ses her­an­ge­zo­gen hat, gehört zu den "all­ge­mei­nen Vor­schrif­ten" über die Zwangs­ver­stei­ge­rung und Zwangs­ver­wal­tung von Grund­stü­cken im Wege der Zwangs­voll­stre­ckung 1 und regelt unmit­tel­bar nur die for­mel­le Ver­fah­rens­be­tei­li­gung, die Fra­ge also, wel­che Per­so­nen hin­zu­zu­zie­hen sind, damit sie am Ver­fah­ren teil­neh­men und ihre Rech­te wah­ren kön­nen. Ob sie auch für die Aus­le­gung des § 154 Satz 1 ZVG maß­geb­lich ist, ist in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur umstrit­ten.

Das Reichs­ge­richt hat eine Ver­ant­wor­tung des Zwangs­ver­wal­ters nur gegen­über den Betei­lig­ten des § 9 ZVG gese­hen, weil der Begriff des "Betei­lig­ten" in die­ser Vor­schrift für das gesam­te Zwangs­ver­stei­ge­rungs­ge­setz fest­ge­legt wer­de 2. Die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist weni­ger ein­deu­tig. In der Ent­schei­dung BGHZ 109, 171, 173 wird aus­drück­lich offen gelas­sen, ob "trotz des ein­deu­ti­gen Geset­zes­wort­lauts über § 9 ZVG hin­aus ande­re als Betei­lig­te im Sin­ne des § 154 ZVG in Betracht kom­men könn­ten". In einer frü­he­ren Ent­schei­dung 3 hat der Bun­des­ge­richts­hof die Fra­ge, "ob der Kreis der Betei­lig­ten auf alle aus­zu­deh­nen sei, die in Rechts­be­zie­hun­gen zum Zwangs­ver­wal­ter tre­ten, oder auch hier § 9 ZVG maß­ge­bend" sei, eben­falls nicht ent­schie­den; er hat aber eine Haf­tung des Zwangs­ver­wal­ters aus § 154 ZVG gegen­über dem Erste­her ange­nom­men, weil die Ver­wal­tung über den Zuschlag hin­aus fort­ge­setzt wor­den war. Im Urteil vom 15. Novem­ber 1984 4 hat er sogar eine Haf­tung des Ver­wal­ters aus §§ 152, 154 ZVG gegen­über dem Eigen­tü­mer von Grund­stücks­zu­be­hör für mög­lich gehal­ten und dabei allein dar­auf abge­stellt, dass die Zwangs­ver­wal­tung sich auf das (schuld­ner­frem­de) Zube­hör erstreckt haben könn­te. In einem Urteil vom 11. Okto­ber 2007 5 wur­de erneut eine Haf­tung des Ver­wal­ters gegen­über dem Erste­her bejaht, die all­ge­mei­ne Fra­ge nach dem Betei­lig­ten­be­griff der §§ 9, 154 ZVG aber wie­der­um offen gelas­sen.

In der instanz­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung wird der Begriff des Betei­lig­ten in § 154 ZVG und in § 9 ZVG über­wie­gend gleich­ge­setzt 6. Glei­ches gilt für das Schrift­tum 7. Einen wei­te­ren Betei­lig­ten­be­griff ver­tritt ins­be­son­de­re Mohr­but­ter 8.

Der Begriff des "Betei­lig­ten" in § 154 ZVG ent­spricht nicht dem­je­ni­gen des for­mell am Ver­fah­ren Betei­lig­ten in § 9 ZVG, son­dern beschreibt – wie in § 82 KO und in § 60 InsO bezüg­lich der Haf­tung des Kon­kurs- bzw. Insol­venz­ver­wal­ters – die­je­ni­gen Per­so­nen, denen gegen­über das Zwangs­ver­stei­ge­rungs­ge­setz dem Zwangs­ver­wal­ter spe­zi­fi­sche Pflich­ten auf­er­legt.

Die Rechts­stel­lung des Zwangs­ver­wal­ters ist der­je­ni­gen des Insol­venz­ver­wal­ters im Grund­satz ver­gleich­bar. Sei­nem Sta­tus nach ist der Zwangs­ver­wal­ter ein beson­de­res Rechts­pfle­ge­or­gan. Er übt sei­ne Tätig­keit auf­grund eige­nen Rechts aus, das ihm mit der Ernen­nung über­tra­gen wird. Von Wei­sun­gen des Schuld­ners und des Gläu­bi­gers ist er unab­hän­gig; er unter­liegt bei der Wahr­neh­mung sei­ner Auf­ga­ben nur den Vor­ga­ben des Voll­stre­ckungs­ge­richts.

Hier­bei hat er die berech­tig­ten Inter­es­sen des Schuld­ners und des Gläu­bi­gers zu beach­ten. Das Voll­stre­ckungs­ge­richt über­wacht sei­ne Tätig­keit und wacht so über Inhalt und Art der Aus­füh­rung sei­nes Amtes. Die Aus­wahl des Ver­wal­ters erfolgt nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen des Voll­stre­ckungs­ge­richts. Auf­ga­be des Zwangs­ver­wal­ters ist die Ver­wal­tung eines Grund­stücks des Voll­stre­ckungs­schuld­ners zum Zwe­cke der Befrie­di­gung des Voll­stre­ckungs­gläu­bi­gers.

Eben­so wie der Insol­venz­ver­wal­ter ver­wal­tet der Zwangs­ver­wal­ter als Par­tei kraft Amtes selb­stän­dig, aber für Rech­nung des Schuld­ners frem­des Ver­mö­gen (hier: das beschlag­nahm­te Grund­stück) zum Zwe­cke der Befrie­di­gung Drit­ter (hier: des Voll­stre­ckungs­gläu­bi­gers). Wegen die­ser trotz aller Unter­schie­de bestehen­den Gemein­sam­keit war die Haf­tung des Kon­kurs­ver­wal­ters einer­seits, die­je­ni­ge des Zwangs­ver­wal­ters ande­rer­seits zunächst par­al­lel gere­gelt. Nach § 74 KO in der Fas­sung vom 10. Febru­ar 1877 hat­te der Kon­kurs­ver­wal­ter die Sorg­falt eines ordent­li­chen Haus­va­ters anzu­wen­den 9. Eine nahe­zu wort­glei­che Rege­lung für den Zwangs­ver­wal­ter ent­hielt die Vor­gän­ger­be­stim­mung des § 154 Satz 1 ZVG, näm­lich § 144 Abs. 3 des preu­ßi­schen Zwangs­voll­stre­ckungs­ge­set­zes vom 13. Juli 1883. § 82 KO in der bis zum Inkraft­tre­ten der InsO gel­ten­den Fas­sung der Novel­le vom 17. Mai 1898 war der Vor­schrift des bis heu­te gel­ten­den § 154 ZVG nach­ge­bil­det, sah also vor, dass der Kon­kurs­ver­wal­ter "allen Betei­lig­ten ver­ant­wort­lich" war.

Wel­che Vor­stel­lung der his­to­ri­sche Gesetz­ge­ber mit der Ein­füh­rung des Begriffs des "Betei­lig­ten" in den Vor­schrif­ten des § 154 ZVG und des § 82 KO ver­band, lässt sich aus heu­ti­ger Sicht nicht mehr nach­voll­zie­hen. Die Mate­ria­li­en zu § 154 des Zwangs­ver­stei­ge­rungs­ge­set­zes von 1877/​1879 ent­hal­ten nur den Satz, der Ver­wal­ter sei "für die Erfül­lung der ihm oblie­gen­den Ver­pflich­tun­gen … allen Bet­hei­lig­ten ver­ant­wort­lich“, erläu­tern jedoch nicht, wel­cher Per­so­nen­kreis erfasst sein soll. Das Reichs­ge­richt leg­te zunächst – wie bereits aus­ge­führt – bei der Haf­tung des Kon­kurs­ver­wal­ters den for­mel­len Betei­lig­ten­be­griff zugrun­de und bezog sich zur Begrün­dung auf die Vor­schrif­ten der §§ 9, 154 ZVG, wel­che Vor­bild für § 82 KO gewe­sen sei­en 10. Einen Rück­schluss auf den his­to­ri­schen Wil­len des Gesetz­ge­bers lässt die­se Recht­spre­chung jedoch nicht zu. Die Urteils­grün­de las­sen viel­mehr erken­nen, dass die Aus­le­gung des § 154 ZVG nach wie vor umstrit­ten war 11. Das Kam­mer­ge­richt hat­te kurz zuvor unter Bezug­nah­me auf eine ver­meint­lich ein­hel­li­ge Mei­nung zu § 74 KO a.F., § 144 PrZVG einen wei­te­ren Betei­lig­ten­be­griff für rich­tig gehal­ten 12; auch in der bei RGZ 74, 258, 259 nach­ge­wie­se­nen Lite­ra­tur waren die Mei­nun­gen geteilt.

Die Recht­spre­chung zur Haf­tung des Kon­kurs­ver­wal­ters lös­te sich in der Fol­ge­zeit von der­je­ni­gen zur Haf­tung des Zwangs­ver­wal­ters nach §§ 9, 154 ZVG. RGZ 149, 182, 185 ver­stand den Begriff "Betei­lig­te" in § 82 KO umfas­send und die Aus­le­gung der Ent­schei­dung RGZ 74, 258 "unnö­tig eng". Der ver­fah­rens­recht­li­che Bezug wur­de auf­ge­ge­ben. Fort­an rich­te­te sich der Kreis der anspruchs­be­rech­tig­ten Per­so­nen nach einem sehr weit gezo­ge­nen Betei­lig­ten­be­griff, wonach "jeder betei­ligt sei, dem gegen­über der Kon­kurs­ver­wal­ter als sol­cher kraft Geset­zes oder Ver­tra­ges Pflich­ten zu erfül­len habe; eine unmit­tel­ba­re Betei­li­gung am Ver­fah­ren sei nicht erfor­der­lich" 13. Ver­hand­lungs- und Ver­trags­part­ner stell­ten nach die­ser Auf­fas­sung immer "Betei­lig­te" im Sin­ne von § 82 KO dar. Spä­ter beschränk­te der Bun­des­ge­richts­hof die Haf­tung des Kon­kurs­ver­wal­ters nach § 82 KO auf die Ver­let­zung kon­kurs­spe­zi­fi­scher Pflich­ten 14. Die Haf­tung für die Ver­let­zung sol­cher Pflich­ten, die dem Ver­wal­ter wie jedem Ver­tre­ter frem­der Inter­es­sen gegen­über sei­nem Geschäfts­part­ner vor, bei oder nach Ver­trags­schluss obla­gen, rich­te­ten sich dage­gen nach den all­ge­mei­nen Bestim­mun­gen (etwa cul­pa in con­tra­hen­do oder § 826 BGB). Bei der Schaf­fung des § 60 InsO hat sich der Gesetz­ge­ber an die­ser Recht­spre­chung ori­en­tiert. Schon aus dem Wort­laut des Geset­zes ergibt sich nun­mehr, dass der Insol­venz­ver­wal­ter "allen Betei­lig­ten" für die schuld­haf­te Ver­let­zung (nur) sol­cher Pflich­ten haf­tet, die ihm nach der Insol­venz­ord­nung oblie­gen. Eine Rechts­än­de­rung war (anders als hin­sicht­lich § 61 InsO) mit der Neu­fas­sung des § 60 InsO nicht beab­sich­tigt 15.

Die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zu § 82 KO (und § 8 Abs. 1 Satz 2 GesO) lässt sich auf § 154 ZVG über­tra­gen. Die Bestim­mun­gen des § 82 KO einer­seits, des § 154 Satz 1 ZVG ande­rer­seits ent­spra­chen ein­an­der. Sowohl der Kon­kurs- als auch der Zwangs­ver­wal­ter soll­ten "für die Erfül­lung der ihm oblie­gen­den Pflich­ten allen Betei­lig­ten ver­ant­wort­lich" sein. Auch § 60 InsO regelt eine Ver­pflich­tung zum Scha­dens­er­satz wegen der Ver­let­zung insol­venz­spe­zi­fi­scher Pflich­ten gegen­über "allen Betei­lig­ten". Dann liegt es nahe, den Begriff "alle Betei­lig­te" auch in glei­cher Wei­se zu ver­ste­hen. Der Wort­laut der Vor­schrift des § 154 ZVG lässt es ohne wei­te­res zu, als "Betei­lig­ten" den­je­ni­gen anzu­se­hen, dem gegen­über dem Ver­wal­ter aus dem Zwangs­ver­stei­ge­rungs­ge­setz her­rüh­ren­de Pflich­ten oblie­gen.

Die Kon­kurs­ord­nung ent­hielt und die Insol­venz­ord­nung ent­hält aller­dings kei­ne dem § 9 ZVG ent­spre­chen­de Bestim­mung dar­über, wer "Betei­lig­ter" im Sin­ne des Geset­zes war oder ist. Die sys­te­ma­ti­sche Stel­lung des § 9 ZVG im ers­ten Titel "All­ge­mei­ne Vor­schrif­ten" des ers­ten Abschnitts des Zwangs­ver­stei­ge­rungs­ge­set­zes lie­ße es zu, den in die­ser Vor­schrift defi­nier­ten Begriff des Betei­lig­ten für sämt­li­che fol­gen­den Vor­schrif­ten des ers­ten Abschnitts über die Zwangs­ver­stei­ge­rung und Zwangs­ver­wal­tung von Grund­stü­cken im Wege der Zwangs­voll­stre­ckung zu über­neh­men; auf Fein­hei­ten der For­mu­lie­rung wie "Betei­lig­te" einer­seits (§ 9 ZVG), "alle Betei­lig­te" ande­rer­seits (§ 154 ZVG) kann es – anders, als das Kam­mer­ge­richt es in der bereits zitier­ten Ent­schei­dung OLGE 16, 344, 346 gemeint hat – nicht ankom­men. Zwin­gend ist die­se Schluss­fol­ge­rung jedoch nicht. Auch die Insol­venz­ord­nung ver­wen­det den Begriff "Betei­lig­ter" unter­schied­lich. Wenn § 9 Abs. 3 InsO von der öffent­li­chen Bekannt­ma­chung als Nach­weis der Zustel­lung "an alle Betei­lig­ten" spricht, sind damit die Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten gemeint, die Betei­lig­ten im for­mel­len Sin­ne also, an die Zustel­lun­gen zu erfol­gen haben. In den §§ 217 ff InsO bezieht sich der Begriff "Betei­lig­te" auf die am Plan­ver­fah­ren betei­lig­ten Gläu­bi­ger (Insol­venz­gläu­bi­ger und abson­de­rungs­be­rech­tig­te Gläu­bi­ger, nicht aber Aus­son­de­rungs­be­rech­tig­te und Mas­segläu­bi­ger – str). In § 60 InsO sind "Betei­lig­te" alle die­je­ni­gen, denen gegen­über dem Insol­venz­ver­wal­ter insol­venz­spe­zi­fi­sche Pflich­ten oblie­gen. Das Zwangs­ver­stei­ge­rungs­ge­setz hat inso­fern eine von der Insol­venz­ord­nung abwei­chen­de Rege­lungs­tech­nik, als ein all­ge­mei­ner Begriff des "Betei­lig­ten" ein­ge­führt und viel­fach ver­wandt wird, wäh­rend die Insol­venz­ord­nung (von Aus­nah­men abge­se­hen) die in den ein­zel­nen Vor­schrif­ten jeweils gemein­ten "Betei­lig­ten" prä­zi­se benennt (Insol­venz­gläu­bi­ger, abson­de­rungs­be­rech­tig­ter Gläu­bi­ger, Schuld­ner pp). Die­se Rege­lungs­tech­nik erspart dem Rechts­an­wen­der jedoch nicht die Prü­fung, ob der all­ge­mei­ne Begriff auch für die gera­de in Fra­ge ste­hen­de Ein­zel­norm (hier also: die Vor­schrift des § 154 ZVG) gilt. Das Reichs­ge­richt hat in sei­ner ein­gangs zitier­ten Grund­satz­ent­schei­dung zu § 154 ZVG 16 eine von § 9 ZVG abwei­chen­de Aus­le­gung des Betei­lig­ten­be­griffs in § 154 ZVG für mög­lich gehal­ten und nur kei­nen Anlass dafür gese­hen.

Gegen die Anglei­chung der Haf­tung des Zwangs­ver­wal­ters an die­je­ni­ge des Insol­venz­ver­wal­ters wird außer­dem ein­ge­wandt, die Pflich­ten des Zwangs­ver­wal­ters beschränk­ten sich auf das beschlag­nahm­te Grund­stück (§ 152 ZVG); mit den insol­venz­spe­zi­fi­schen Pflich­ten des Insol­venz­ver­wal­ters gegen­über Drit­ten sei­en sie nicht zu ver­glei­chen. Die­se Über­le­gung spricht jedoch nicht gegen den Ansatz, die Haf­tung des Zwangs­ver­wal­ters an des­sen gesetz­li­chen Pflich­ten statt am for­mel­len Betei­lig­ten­be­griff des § 9 ZVG aus­zu­rich­ten. Der Zwangs­ver­wal­ter soll nicht für die Fol­gen der Ver­let­zung von Pflich­ten ein­zu­ste­hen haben, die ihm nicht oblie­gen; wie sich sein Pflich­ten­kreis zu dem­je­ni­gen des Insol­venz­ver­wal­ters ver­hält, ist daher nicht von Bedeu­tung. Außer­dem lässt sich über den Begriff des Betei­lig­ten allein die Ver­wal­ter­haf­tung nicht zuver­läs­sig ein­gren­zen. Nach bis­her (soweit ersicht­lich) ein­hel­li­ger Ansicht haf­tet der Zwangs­ver­wal­ter auch gegen­über den Betei­lig­ten des § 9 ZVG nicht für jeg­li­che Pflicht­ver­let­zung, son­dern nur für die Ver­let­zung ver­wal­ter­spe­zi­fi­scher Pflich­ten. Auch einem for­mell Betei­lig­ten gegen­über hat der Ver­wal­ter also nicht für die Ver­let­zung rein ver­trag­li­cher oder delik­ti­scher Pflich­ten ein­zu­ste­hen. Die­se Ein­schrän­kung lässt sich nicht aus dem Wort­laut der §§ 9, 154 ZVG ablei­ten, son­dern dar­aus, dass Grund der Haf­tung eben nicht die Betei­li­gung am Ver­fah­ren, son­dern der Pflich­ten­kreis des Ver­wal­ters ist. Dass der Zwangs­ver­wal­ter dann, wenn die Zwangs­ver­wal­tung über den Zuschlag hin­aus fort­dau­ert, auch dem Erste­her eines Grund­stücks haf­tet, hat der Bun­des­ge­richts­hof bis­her schon damit begrün­det, dass der Ver­wal­ter Pflich­ten gegen­über dem Erste­her zu erfül­len hat 17. Das selbst von Ver­tre­tern der Gegen­an­sicht als "unbil­lig" emp­fun­de­ne Ergeb­nis, dass der Ver­wal­ter trotz glei­cher Pflich­ten­la­ge Geschä­dig­ten unter­schied­lich haf­tet, je nach­dem, ob die­se ihre Rech­te ange­mel­det hat­ten (§ 9 Nr. 2 ZVG) oder nicht 18, ist fort­an aus­ge­schlos­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. Febru­ar 2009 – IX ZR 21/​07

  1. Ers­ter Titel des ers­ten Abschnitts des ZVG[]
  2. RGZ 74, 258, 259 f; 97, 11, 12[]
  3. BGHZ 39, 235, 241[]
  4. IX ZR 157/​83, ZIP 1985, 312, 313, mit zust. Anm. Ger­hardt EWiR 1985, 219[]
  5. IX ZR 156/​06, ZIP 2007, 2375 Rn. 8 ff[]
  6. z.B. OLG Köln ZIP 1980, 102 f; OLG Schles­wig NJW-RR 1986, 1498; OLG Hamm MDR 2006, 713; LG Flens­burg ZfIR 2008, 806, 807; wohl auch OLG Köln ZfLR 2008, 73, 74 (obiter); offen­ge­las­sen von OLG Frank­furt OLG-Report 2002, 353, 354; OLG Stutt­gart OLGZ 1966, 57, 58 hält Woh­nungs­ei­gen­tü­mer für Betei­lig­te im Sin­ne von § 9 ZVG; für eine Haf­tung des Zwangs­ver­wal­ters gegen­über allen Per­so­nen, mit denen er "kraft der Ver­wal­tung in recht­li­che Bezie­hun­gen tritt", KG OLGE 16, 344, 345; eine "Aus­le­gung des § 154 ZVG nach Maß­ga­be der §§ 60, 61 InsO" befür­wor­tet OLG Frank­furt ZfIR 2008, 804, 805[]
  7. z.B. Stö­ber, ZVG 18. Aufl. § 154 Anm. 2.2; Engels in Hintzen/​Engels/​Rellermeyer, ZVG 13. Aufl. § 154 Rn. 6; Bött­cher, ZVG 4. Aufl. § 154 Rn. 2; Haarmeyer/​Wutzke/​Förs­ter/​Hintzen, Zwangs­ver­wal­tung 4. Aufl. § 154 Rn. 2; Depré/​Mayer, Die Pra­xis der Zwangs­ver­wal­tung 4. Aufl. Rn. 631; Sie­vers RPfl 1990, 335, 336 f; Bank ZfIR 2008, 781 f; für eine Betei­lig­ten­stel­lung der übri­gen Woh­nungs­ei­ge­nü­mer gemäß § 9 Nr. 1 ZVG auch im Zwangs­ver­wal­tungs­ver­fah­ren Mül­ler ZMR 2007, 747, 749[]
  8. ZIP 1980, 169; KTS 1987, 47; FS 150 Jah­re Carl Hey­manns Ver­lag KG S. 159; vgl. auch K. Schmidt KTS 1976, 191, 197[]
  9. vgl. etwa RGZ 34, 26, 28; 74, 258, 259[]
  10. RGZ 74, 258, 259 ff[]
  11. RGZ 74, 258, 259[]
  12. OLGE 16, 344, 345[]
  13. RG WarnRspr. 1932 Nr. 159[]
  14. BGHZ 99, 151, 154; 100, 346, 352; BGH, Urt. v. 9. März 2006 – IX ZR 55/​04, ZIP 2006, 859, 861[]
  15. BT-Drucks. 12/​2443, S. 129[]
  16. RGZ 74, 258, 259 f.[]
  17. zuletzt BGH, Urt. v. 11. Okto­ber 2007 – IX ZR 156/​06, ZIP 2007, 2375 Rn. 11 mit wei­te­ren Nach­wei­sen[]
  18. vgl. OLG Köln ZIP 1980, 102, 103[]