Scha­dens­er­satz Zug um Zug gegen Abt­re-tung einer Fonds­be­tei­li­gung – und die Zwangs­voll­stre­ckung

Ist der Schuld­ner zur Zah­lung von Scha­dens­er­satz Zug um Zug gegen Abtre­tung aller Ansprü­che aus der Betei­li­gung des Gläu­bi­gers an einem Invest­ment­fonds ver­ur­teilt wor­den und hat der Gerichts­voll­zie­her im Namen des Gläu­bi­gers dem Schuld­ner ein Ange­bot zum Abschluss eines Abtre­tungs­ver­trags gemacht, kann der Schuld­ner mit der Erin­ne­rung nach § 766 Abs. 1 Satz 1 ZPO nicht gel­tend machen, die Über­tra­gung der Fonds­be­tei­li­gung sei von der Zustim­mung Drit­ter abhän­gig.

Scha­dens­er­satz Zug um Zug gegen Abt­re-tung einer Fonds­be­tei­li­gung – und die Zwangs­voll­stre­ckung

Die in der Über­tra­gung einer Fonds­be­tei­li­gung bestehen­de Gegen­leis­tung im Rah­men einer Zugum-Zug-Ver­ur­tei­lung ist durch die Anga­be des Gläu­bi­gers hin­rei­chend bestimmt, wenn der Gläu­bi­ger nur Inha­ber eines Anteils und nicht meh­re­rer Betei­li­gun­gen an dem Invest­ment­fonds ist.

Hängt die Voll­stre­ckung von einer Zug um Zug zu bewir­ken­den Leis­tung des Gläu­bi­gers an den Schuld­ner ab, so darf der Gerichts­voll­zie­her die Zwangs­voll­stre­ckung nach § 756 Abs. 1 ZPO nicht begin­nen, bevor er dem Schuld­ner die die­sem gebüh­ren­de Leis­tung in einer den Ver­zug der Annah­me begrün­den­den Wei­se ange­bo­ten hat. Der Ein­wand des Schuld­ners, der Gerichts­voll­zie­her habe die Zwangs­voll­stre­ckung begon­nen, bevor er die Gegen­leis­tung in einer den Annah­me­ver­zug begrün­den­den Wei­se ange­bo­ten habe, betrifft das vom Gerichts­voll­zie­her bei der Zwangs­voll­stre­ckung zu beob­ach­ten­de Ver­fah­ren und kann vom Schuld­ner daher mit der Erin­ne­rung gel­tend gemacht wer­den.

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hängt nach dem vor­läu­fig voll­streck­ba­ren Urteil des Land­ge­richts die Zwangs­voll­stre­ckung wegen der titu­lier­ten Geld­for­de­rung des Schuld­ners gegen den Gläu­bi­ger davon ab, dass der Gläu­bi­ger dem Schuld­ner im Gegen­zug alle Ansprü­che aus sei­ner Betei­li­gung an der B. GmbH Co. & KG abtritt. Der Gerichts­voll­zie­her durf­te den Schuld­ner danach nicht zum Ter­min zur Abga­be der Ver­mö­gens­aus­kunft laden, bevor er ihm die Abtre­tung aller Ansprü­che des Gläu­bi­gers aus des­sen Betei­li­gung an dem Invest­ment­fonds in einer den Ver­zug der Annah­me begrün­den­den Wei­se ange­bo­ten hat­te.

Der Schuld­ner macht ver­geb­lich gel­tend, der Gerichts­voll­zie­her habe die Gegen­leis­tung nicht in einer den Annah­me­ver­zug begrün­den­den Wei­se ange­bo­ten, weil die nach dem Kom­man­dit­ge­sell­schafts­ver­trag und dem Treu­hand­ver­trag erfor­der­li­chen Zustim­mun­gen zur Ver­fü­gung über den Kom­man­di­tis­ten­an­teil und die Rech­te aus dem Treu­hand­ver­hält­nis nicht vor­ge­le­gen hät­ten.

Der Schuld­ner kommt als Gläu­bi­ger der Gegen­leis­tung gemäß § 293 BGB in Ver­zug, wenn er die ihm ange­bo­te­ne Leis­tung nicht annimmt. Dabei muss ihm die Leis­tung nach § 294 BGB so, wie sie zu bewir­ken ist, tat­säch­lich ange­bo­ten wor­den sein. Die For­de­rung aus der Betei­li­gung an dem Invest­ment­fonds konn­te vom Gläu­bi­ger im Wege der Abtre­tung gemäß § 398 Satz 1 BGB durch Ver­trag mit dem Schuld­ner auf die­sen über­tra­gen wer­den. Dazu muss­te der Gläu­bi­ger dem Schuld­ner die Schlie­ßung eines ent­spre­chen­den Ver­tra­ges antra­gen (§ 145 BGB). Der Gerichts­voll­zie­her hat dem Schuld­ner im Namen und mit Voll­macht des Gläu­bi­gers (§§ 164, 167 BGB) ein sol­ches Ange­bot gemacht. Der Schuld­ner hat die­ses Ange­bot abge­lehnt und ist damit in Annah­me­ver­zug gera­ten.

Der Schuld­ner macht ver­geb­lich gel­tend, das Ange­bot zur Abtre­tung sämt­li­cher Ansprü­che des Gläu­bi­gers aus sei­ner Betei­li­gung an dem Invest­ment­fonds sei unzu­rei­chend, weil die nach dem Kom­man­dit­ge­sell­schafts­ver­trag und dem Treu­hand­ver­trag erfor­der­li­chen Zustim­mun­gen zur Ver­fü­gung über den Kom­man­di­tis­ten­an­teil und die Rech­te aus dem Treu­hand­ver­hält­nis nicht vor­ge­le­gen hät­ten.

Mit der Erin­ne­rung kön­nen allein Ein­wän­de gegen die Art und Wei­se der Zwangs­voll­stre­ckung erho­ben oder Ver­stö­ße des Gerichts­voll­zie­hers gegen das von ihm bei der Zwangs­voll­stre­ckung zu beob­ach­ten­de Ver­fah­ren gerügt wer­den (§ 766 Abs. 1 Satz 1 ZPO). Dage­gen kön­nen mit der Erin­ne­rung kei­ne mate­ri­ell­recht­li­chen Ein­wen­dun­gen gegen den durch den Voll­stre­ckungs­ti­tel rechts­kräf­tig zuer­kann­ten Anspruch gel­tend gemacht wer­den 1.

Der Ein­wand des Schuld­ners, die zur Abtre­tung aller Ansprü­che aus der Betei­li­gung des Gläu­bi­gers an dem Invest­ment­fonds erfor­der­li­chen Zustim­mun­gen zur Ver­fü­gung über den Kom­man­di­tis­ten­an­teil und die Rech­te aus dem Treu­hand­ver­hält­nis hät­ten nicht vor­ge­le­gen, betrifft nicht die im Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren vom Gerichts­voll­zie­her zu prü­fen­de Fra­ge, ob der Gläu­bi­ger dem Schuld­ner die im Voll­stre­ckungs­ti­tel bezeich­ne­te Gegen­leis­tung in einer den Annah­me­ver­zug begrün­den­den Wei­se ange­bo­ten hat. Bei der Fra­ge, ob in Bezug auf die Zugum-Zug-Ver­ur­tei­lung das Ange­bot des Gläu­bi­gers auf Über­tra­gung der Fonds­be­tei­li­gung aus­reicht und dies auch dann gilt, wenn die­se Über­tra­gung von der Zustim­mung Drit­ter abhän­gig ist, han­delt es sich viel­mehr um eine mate­ri­ell­recht­li­che Fra­ge, die im Erkennt­nis­ver­fah­ren vom Pro­zess­ge­richt zu beant­wor­ten ist 2. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ste­hen etwai­ge gesell­schafts­recht­li­che Schwie­rig­kei­ten bei der Über­tra­gung der Fonds­be­tei­li­gung der Ver­ur­tei­lung zur Zah­lung von Scha­dens­er­satz Zug um Zug gegen Über­tra­gung aller Ansprü­che aus der Fonds­be­tei­li­gung nicht ent­ge­gen, weil die­se Schwie­rig­kei­ten in den Risi­ko­be­reich des scha­dens­er­satz­pflich­ti­gen Beklag­ten und nicht in den­je­ni­gen des geschä­dig­ten Klä­gers fal­len 3.

Der Schuld­ner macht wei­ter ohne Erfolg gel­tend, der Gerichts­voll­zie­her habe die Gegen­leis­tung nicht in einer den Annah­me­ver­zug begrün­den­den Wei­se ange­bo­ten, weil die­se im Voll­stre­ckungs­ti­tel nicht hin­rei­chend bestimmt bezeich­net sei.

Der Schuld­ner kommt als Gläu­bi­ger der Gegen­leis­tung nur dann in Annah­me­ver­zug, wenn er die ihm ange­bo­te­ne Leis­tung nicht annimmt, obwohl sie ihm so, wie sie zu bewir­ken ist, tat­säch­lich ange­bo­ten wor­den ist (§§ 293, 294 BGB). Der Gerichts­voll­zie­her kann dem Schuld­ner die Gegen­leis­tung daher nur dann in einer den Annah­me­ver­zug begrün­den­den Wei­se anbie­ten, wenn die­se im Voll­stre­ckungs­ti­tel so bestimmt bezeich­net ist, dass fest­ge­stellt wer­den kann, ob die ange­bo­te­ne Leis­tung mit der bezeich­ne­ten Leis­tung über­ein­stimmt 4.

Für die Bestimmt­heit der Gegen­leis­tung im Rah­men einer Zugum-Zug-Ver­ur­tei­lung gel­ten die­sel­ben Anfor­de­run­gen wie für die Bestimmt­heit der Leis­tung im Rah­men einer Leis­tungs­kla­ge. Die Zugum-Zug-Ein­schrän­kung muss daher so bestimmt sein, dass sie ihrer­seits zum Gegen­stand einer Leis­tungs­kla­ge gemacht wer­den könn­te 5. Bei der hier in Rede ste­hen­den Ver­ur­tei­lung zur Zah­lung von Scha­dens­er­satz Zug um Zug gegen Abtre­tung einer For­de­rung, muss die For­de­rung des­halb so genau bezeich­net sein, dass sie iden­ti­fi­ziert wer­den kann.

Die Beschwer­de macht gel­tend, eine Iden­ti­fi­zie­rung der For­de­rung sei im Streit­fall nicht mög­lich. Da es sogar an der Anga­be der Fonds­num­mer feh­le, sei für das Voll­stre­ckungs­or­gan aus dem Voll­stre­ckungs­ti­tel nicht hin­rei­chend sicher zu ent­neh­men, um wel­chen Fonds es sich han­de­le, an dem der Gläu­bi­ger betei­ligt sein sol­le. Damit dringt die Beschwer­de nicht durch. Nach den Fest­stel­lun­gen des Beschwer­de­ge­richts ist der Gläu­bi­ger allein Inha­ber der dem Schuld­ner als Gegen­leis­tung ange­bo­te­nen Betei­li­gung und nicht Inha­ber wei­te­rer Betei­li­gun­gen. Danach kann die abzu­tre­ten­de For­de­rung bereits anhand der per­sön­li­chen Anga­ben des Gläu­bi­gers iden­ti­fi­ziert wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Juni 2016 – I ZB 58/​15

  1. BGH, Beschluss vom 11.04.2013 – I ZB 61/​12, NJW 2013, 2287 Rn.20 mwN[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 07.12 2009 – II ZR 15/​08, NJW 2010, 1077 Rn. 29; Beschluss vom 06.07.2010 – XI ZB 40/​09, NJW-RR 2010, 1295 Rn. 14; Beschluss vom 20.12 2011 – XI ZR 295/​11 1[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 28.11.2007 – III ZR 214/​06 3; Urteil vom 10.07.2012 – XI ZR 295/​11 1[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 29.09.1993 – XII ZB 97/​93, NJW 1993, 3206, 3207; Beschluss vom 07.07.2005 – I ZB 7/​05, WM 2005, 1954, 1955[]
  5. BGH, Urteil vom 21.12 2010 – X ZR 122/​07, NJW 2011, 989 Rn. 32[]