Scha­dens­er­satz­an­spruch aus einer Reit­be­tei­li­gung

Gegen die Eigen­tü­me­rin eines Reit­pfer­des kön­nen von der Rei­te­rin kei­ne Schmer­zens­geld- und Scha­dens­er­satz­an­sprü­che – auch nicht aus der Tier­hal­ter­haf­tung des § 833 BGB – gel­tend gemacht wer­den, wenn es anläss­lich eines Aus­ritts im Rah­men einer Reit­be­tei­li­gung zum Unfall kommt und hier­bei die Rei­te­rin ver­letzt wird, weil eine Reit­be­tei­li­gung regel­mä­ßig auch einen still­schwei­gen­den ver­trag­li­chen Haf­tungs­aus­schluss umfasst.

Scha­dens­er­satz­an­spruch aus einer Reit­be­tei­li­gung

In einem jetzt vom Ober­lan­des­ge­richt Nürn­berg ent­schie­de­nen Rechts­streit bestand zwi­schen den Par­tei­en bereits seit meh­re­ren Jah­ren eine münd­li­che Ver­ein­ba­rung, wonach die Klä­ge­rin monat­lich 35,00 € an die Beklag­te zahlt und dafür deren Wal­lach cir­ca ein­mal wöchent­lich rei­ten durf­te, ins­be­son­de­re wenn die­ser bewegt wer­den muss und die Beklag­te selbst hier­für kei­ne Zeit hat. Nach dem Rei­ten hat­te sie regel­mä­ßig das Pferd „abzu­tren­sen“, das heißt Sat­tel und Sat­tel­zeug abzu­neh­men und den Wal­lach wie­der auf die Kop­pel oder in die Box zurück zu brin­gen.

Auch an einem Mon­tag im Som­mer 2010 – die Eigen­tü­me­rin des Pfer­des war gera­de in Urlaub – brach­te die Klä­ge­rin nach einem Aus­ritt den Wal­lach der Beklag­ten in sei­nen Reit­stall im Land­kreis Fürth zurück. Als sie jedoch von dem Pferd abge­stie­gen war, soll die­ses auf­grund eines plötz­li­chen Geräuschs erschro­cken und zur Sei­te gesprun­gen sein – direkt auf den Fuß der Klä­ge­rin, die hier­durch eine Frak­tur erlitt.

Nun­mehr berief sich die geschä­dig­te Rei­te­rin dar­auf, dass nach § 833 BGB der Tier­hal­ter für Schä­den, die durch sein Tier ent­stan­den sind, ein­zu­ste­hen hat und erhob gegen die Eigen­tü­me­rin des Pfer­des Kla­ge, mit der die 36-jäh­ri­ge Fri­seur­meis­te­rin aus Mit­tel­fran­ken von der Pfer­de­hal­te­rin die Zah­lung von über 3.000,00 € Scha­dens­er­satz und zudem 4.000,00 € Schmer­zens­geld begehr­te.

Das Ober­lan­des­ge­richt Nürn­berg sah aller­dings kei­ne der­ar­ti­ge Scha­dens­er­satz­an­sprü­che und wies die Kla­ge ab: Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Nürn­berg liegt näm­lich bei die­ser Sach­la­ge ein kon­klu­dent abge­schlos­se­ner ver­trag­li­cher Haf­tungs­aus­schluss vor. Schließ­lich habe die Klä­ge­rin selbst – wie eine Tier­hal­te­rin – unum­schränk­te Ein­fluss­mög­lich­keit auf das Pferd in den Zei­ten gehabt, in denen sie ihre Reit­be­tei­li­gung wahr­ge­nom­men hat, und dies sei auch im über­wie­gend eige­nen Inter­es­se gesche­hen.

Der­ar­ti­ge Reit­be­tei­li­gun­gen, so das Ober­lan­des­ge­richt wei­ter, ermög­lich­ten es Pfer­de­be­geis­ter­ten, die nicht über aus­rei­chen­de finan­zi­el­le Mit­tel und/​oder aus­rei­chen­de Zeit ver­fü­gen, um sich selbst ein Pferd zu hal­ten, den­noch in den Genuss des Umgangs mit einem sol­chen Tier zu kom­men und es nach ihren Vor­stel­lun­gen zu bewe­gen, Aus­rit­te vor­zu­neh­men oder in einer Reit­hal­le zu rei­ten.

Dass dadurch auch der Tier­hal­ter ent­las­tet wird, tre­te inso­weit in den Hin­ter­grund. Einem sol­chen Ver­hält­nis, bei dem das Ent­gelt nicht von erheb­li­cher Bedeu­tung und das auf län­ge­re Zeit ange­legt ist – hier dau­er­te es bereits drei Jah­re an – woh­ne auch inne, dass die betei­lig­ten Per­so­nen davon aus­ge­hen, dass der Tier­hal­ter im Fal­le von Schä­den durch das Tier nicht haf­ten soll. Denn der­je­ni­ge, der die Reit­be­tei­li­gung hat, sol­le sich, zumin­dest wenn es sich um eine voll­jäh­ri­ge Per­son han­delt, wie ein Tier­hal­ter auf Zeit füh­len und das Risi­ko von Schä­den durch das Tier selbst tra­gen. Dies sei ins­be­son­de­re dann der Fall, wenn die Par­tei­en auch pri­vat mit­ein­an­der ver­keh­ren und per­sön­lich näher bekannt sind.

Es han­de­le sich schließ­lich nicht um eine geschäft­lich gepräg­te Bezie­hung, viel­mehr ver­bin­de die Par­tei­en die Lie­be zu den Pfer­den und das Hob­by des Pfer­de­sports. Eine Haf­tung der Beklag­ten gemäß § 833 BGB sei daher hier still­schwei­gend ver­trag­lich aus­ge­schlos­sen.

Ober­lan­des­ge­richt Nürn­berg, Urteil vom 27. Juni 2011 – 8 U 510/​11