Scha­dens­er­satz­an­sprü­che – und der gesetz­li­che For­de­rungs­über­gang auf die Sozi­al­ver­si­che­rung

Für die Fra­ge, auf wen ein Scha­dens­er­satz­an­spruch gemäß § 116 Abs. 1 SGB X über­ge­gan­gen ist, kommt es dar­auf an, wer im Außen­ver­hält­nis zur Erbrin­gung der jewei­li­gen Sozi­a­lo­der Bei­trags­leis­tung gesetz­lich ver­pflich­tet ist, nicht aber dar­auf, ob Aus­gleich­so­der Erstat­tungs­an­sprü­che im Innen­ver­hält­nis bestehen 1.

Scha­dens­er­satz­an­sprü­che – und der gesetz­li­che For­de­rungs­über­gang auf die Sozi­al­ver­si­che­rung

Gemäß § 116 Abs. 1 Satz 1 SGB X geht ein auf ande­ren gesetz­li­chen Vor­schrif­ten beru­hen­der Anspruch auf Ersatz eines Scha­dens auf den Ver­si­che­rungs­trä­ger über, soweit die­ser auf­grund des Scha­dens­er­eig­nis­ses Sozi­al­leis­tun­gen zu erbrin­gen hat, die der Behe­bung eines Scha­dens der glei­chen Art die­nen (sach­li­che Kon­gru­enz) und sich auf den­sel­ben Zeit­raum wie der vom Schä­di­ger zu leis­ten­de Scha­dens­er­satz bezie­hen (zeit­li­che Kon­gru­enz). Gemäß § 116 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 SGB X gehö­ren dazu auch die Bei­trä­ge, die von Sozi­al­leis­tun­gen zu zah­len sind. Die Bun­des­agen­tur für Arbeit gilt gemäß § 116 Abs. 10 SGB X als Ver­si­che­rungs­trä­ger im Sin­ne des § 116 Abs. 1 SGB X.

Auf der Grund­la­ge der nicht ange­grif­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts hat im vor­lie­ge­nen Streit­fall die hier kla­gen­de Bun­des­agen­tur für Arbeit auf­grund des Ver­kehrs­un­falls, für den die Haft­pflicht­ver­si­che­rung der Geschä­dig­ten gegen­über dem Grun­de nach voll scha­dens­er­satz­pflich­tig ist, im Zeit­raum vom 05.05.2012 bis 8.09.2013 Arbeits­lo­sen­geld ILeis­tun­gen erbracht. Die­se Sozi­al­leis­tung, die mit dem Anspruch der Geschä­dig­ten auf Ersatz ihres Erwerbs­scha­dens sach­lich und zeit­lich kon­gru­ent ist, hat­te die Bun­des­agen­tur für Arbeit im Rah­men ihrer Vor­leis­tungs­pflicht zu erbrin­gen. Wel­che Fol­ge­run­gen aus der rück­wir­ken­den Bewil­li­gung der Erwerbs­min­de­rungs­ren­te auf den Anspruchs­über­gang gemäß § 116 Abs. 1 Satz 1 SGB X und damit die Aktiv­le­gi­ti­ma­ti­on der Bun­des­agen­tur für Arbeit im Hin­blick auf die Erstat­tung des Arbeits­lo­sen­gel­des als Haupt­leis­tung zu zie­hen sind, kann, da nicht streit­ge­gen­ständ­lich, dahin­ste­hen. Denn jeden­falls hat­te die Bun­des­agen­tur für Arbeit von dem Arbeits­lo­sen­geld Bei­trä­ge zur Kran­kenund Pfle­ge­ver­si­che­rung zu zah­len. Die dies­be­züg­li­che Leis­tungs­pflicht traf in dem für den For­de­rungs­über­gang maß­geb­li­chen Außen­ver­hält­nis nur sie und ist nicht rück­wir­kend ent­fal­len, so dass sie inso­weit aktiv­le­gi­ti­miert ist.

Die Bun­des­agen­tur für Arbeit hat­te, wie in dem ange­grif­fe­nen Urteil rechts­feh­ler­frei aus­ge­führt, bis zum Bescheid der DRV vom 23.09.2013, mit dem die vol­le Erwerbs­min­de­rung der Bun­des­agen­tur für Arbeit fest­ge­stellt wur­de, auf­grund der soge­nann­ten Naht­lo­sig­keits­re­ge­lung des § 145 Abs. 1 Satz 1 SGB III Arbeits­lo­sen­geld ILeis­tun­gen und damit eine Sozi­al­leis­tung im Sin­ne von § 116 Abs. 1 Satz 1, Satz 2 Nr. 1 SGB X zu erbrin­gen. § 145 Abs. 1 Satz 1 SGB III gewährt dem­je­ni­gen einen Anspruch auf eine "Son­der­form" des Arbeits­lo­sen­gel­des 2, der wegen einer mehr als sechs­mo­na­ti­gen Min­de­rung sei­ner Leis­tungs­fä­hig­keit nicht objek­tiv ver­füg­bar im Sin­ne von § 138 Abs. 1 Nr. 3, Abs. 5 Nr. 1 SGB III und damit nicht gemäß § 137 Abs. 1 Nr. 1 SGB III arbeits­los ist, des­sen ver­min­der­te Erwerbs­fä­hig­keit aber (noch) nicht durch den hier­für zustän­di­gen Trä­ger der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung (§ 145 Abs. 1 Satz 2 SGB III) fest­ge­stellt ist. Die Wir­kung der Naht­lo­sig­keits­re­ge­lung besteht dar­in, ein aus gesund­heit­li­chen Grün­den objek­tiv nicht bestehen­des Leis­tungs­ver­mö­gen des Arbeits­lo­sen bis zum Ein­tritt des in der Ren­ten­ver­si­che­rung ver­si­cher­ten Risi­kos der Erwerbs­min­de­rung zu fin­gie­ren. Die­se Fik­ti­on hin­dert die Arbeits­ver­wal­tung dar­an, einen Anspruch auf Arbeits­lo­sen­geld mit der Begrün­dung zu ver­nei­nen, der Anspruch­stel­ler sei wegen sei­ner Leis­tungs­min­de­rung objek­tiv nicht ver­füg­bar und des­halb nicht arbeits­los. Die Fik­ti­on gesund­heit­li­chen Leis­tungs­ver­mö­gens und objek­ti­ver Ver­füg­bar­keit und damit auch die Sperr­wir­kung der Naht­lo­sig­keits­re­ge­lung gegen­über der Arbeits­ver­wal­tung dau­ern bis zur Fest­stel­lung, dass ver­min­der­te Erwerbs­fä­hig­keit im Sin­ne des Rechts der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung vor­liegt, wobei die­se Fest­stel­lung gemäß § 145 Abs. 1 Satz 2 SGB X dem zustän­di­gen Ren­ten­ver­si­che­rer vor­be­hal­ten ist 3. Zweck der Naht­lo­sig­keits­re­ge­lung ist es in ers­ter Linie, nega­ti­ve Kom­pe­tenz­kon­flik­te zu Las­ten des Ver­si­cher­ten zu ver­mei­den: Es soll unter­schied­li­chen Beur­tei­lun­gen der Erwerbs­fä­hig­keit durch Arbeits­lo­sen­und Ren­ten­ver­si­che­rung und damit der Gefahr ent­ge­gen­ge­wirkt wer­den, dass tat­säch­lich kein Ver­si­che­rungs­schutz gewährt wird, obwohl gegen eine der Ver­si­che­run­gen ein Anspruch besteht 4. Den Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rer trifft somit eine Vor­leis­tungs­pflicht bis zur Ent­schei­dung des Ren­ten­ver­si­che­rers über den Ein­tritt des Ver­si­che­rungs­falls der ver­min­der­ten Erwerbs­fä­hig­keit 5. Die­se Vor­leis­tungs­pflicht traf vor­lie­gend die Bun­des­agen­tur für Arbeit.

Für die Fra­ge, auf wen ein Scha­dens­er­satz­an­spruch gemäß § 116 Abs. 1 SGB X über­ge­gan­gen ist, kommt es dar­auf an, wer im Außen­ver­hält­nis zur Erbrin­gung der jewei­li­gen Sozi­a­lo­der Bei­trags­leis­tung gesetz­lich ver­pflich­tet ist, nicht aber dar­auf, ob Aus­gleich­so­der Erstat­tungs­an­sprü­che im Innen­ver­hält­nis bestehen 6. Ob die Bun­des­agen­tur für Arbeit danach aus ihrer Vor­leis­tungs­pflicht gegen­über der Geschä­dig­ten einen For­de­rungs­über­gang gemäß § 116 Abs. 1 Satz 1 SGB X hin­sicht­lich der als Son­der­form des Arbeits­lo­sen­gel­des gewähr­ten Haupt­leis­tung für sich her­lei­ten kann, obwohl die DRV im Ver­hält­nis zur Geschä­dig­ten auf­grund der Rück­wir­kung des Bescheids vom 23.09.2013 für den­sel­ben Zeit­raum zur Gewäh­rung von Erwerbs­min­de­rungs­ren­te ver­pflich­tet ist, ist frag­lich und für die vor­lie­gen­de Fall­kon­stel­la­ti­on noch nicht ent­schie­den. Dies kann aber vor­lie­gend dahin­ste­hen, weil die Aktiv­le­gi­ti­ma­ti­on der Bun­des­agen­tur für Arbeit hin­sicht­lich der Erstat­tung des Arbeits­lo­sen­gel­des als Haupt­leis­tung nicht im Streit steht.

Hin­sicht­lich der von ihr gel­tend gemach­ten Rest­be­trä­ge der Bei­trä­ge zur Kran­kenund Pfle­ge­ver­si­che­rung, die sie von dem Arbeits­lo­sen­geld zu zah­len hat­te, ist die Bun­des­agen­tur für Arbeit gegen­über der Haft­pflicht­ver­si­che­rung gemäß § 116 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 SGB X aktiv­le­gi­ti­miert. Ins­be­son­de­re traf ent­ge­gen der Ansicht des Beru­fungs­ge­richts die dies­be­züg­li­che Leis­tungs­pflicht in dem für den For­de­rungs­über­gang maß­geb­li­chen Außen­ver­hält­nis allein die Bun­des­agen­tur für Arbeit und ist durch den Ein­tritt der DRV nicht rück­wir­kend ent­fal­len.

Der For­de­rungs­über­gang gemäß § 116 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 SGB X knüpft an Bei­trä­ge an, die "von Sozi­al­leis­tun­gen zu zah­len" sind. Er setzt eine schä­di­gungs­be­ding­te Bei­trags­pflicht des Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­gers vor­aus.

Vor­lie­gend traf, bedingt durch den Unfall, die Bun­des­agen­tur für Arbeit die Pflicht, von dem Arbeits­lo­sen­geld, das sie als Sozi­al­leis­tung im Rah­men ihrer Vor­leis­tungs­pflicht gemäß § 145 Abs. 1 Satz 1 SGB III zu erbrin­gen hat­te, Bei­trä­ge zur gesetz­li­chen Kran­kenund sozia­len Pfle­ge­ver­si­che­rung zu zah­len. Denn die Geschä­dig­te war wegen des Bezugs des Arbeits­lo­sen­gel­des gemäß § 5 Abs. 1 Nr. 2 SGB V in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung und gemäß § 20 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 SGB XI in der sozia­len Pfle­ge­ver­si­che­rung ver­si­che­rungs­pflich­tig. Die Bei­trä­ge zur Kran­kenund Pfle­ge­ver­si­che­rung waren gemäß (§ 59 Abs. 1 Satz 1 SGB XI i.V.m.) § 251 Abs. 4 a SGB V von der kla­gen­den Bun­des­agen­tur für Arbeit zu tra­gen und gemäß (§ 60 Abs. 1 Satz 1 SGB XI i.V.m.) § 252 Abs. 1 Satz 1 SGB V von ihr zu zah­len. Die rück­wir­ken­de Bewil­li­gung der Erwerbs­min­de­rungs­ren­te ließ die durch den Bezug von Arbeits­lo­sen­geld begrün­de­te Ver­si­che­rungs­pflicht der Geschä­dig­ten in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung und der sozia­len Pfle­ge­ver­si­che­rung gemäß § 5 Abs. 1 Nr. 2, letz­ter Halb­satz SGB V und § 20 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 SGB XI unbe­rührt. Die Ver­si­che­rungs­pflicht tritt allein auf­grund des tat­säch­li­chen Bezugs von Arbeits­lo­sen­geld ein, ohne Rück­sicht dar­auf, ob die Vor­aus­set­zun­gen für die­sen Leis­tungs­be­zug vor­ge­le­gen haben. Dem­entspre­chend bleibt nach den genann­ten Rege­lun­gen die Ver­si­che­rungs­pflicht (selbst) dann bestehen, wenn die Ent­schei­dung, die zum Bezug des Arbeits­lo­sen­gel­des geführt hat, rück­wir­kend auf­ge­ho­ben oder das Arbeits­lo­sen­geld zurück­ge­for­dert oder zurück­ge­zahlt wor­den ist 7. Dar­in fin­det der Grund­satz sei­nen Nie­der­schlag, dass aus Grün­den des Ver­trau­ens­schut­zes ein­mal begrün­de­te Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis­se in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung und sozia­len Pfle­ge­ver­si­che­rung nicht rück­wir­kend besei­tigt wer­den sol­len, selbst dann nicht, wenn sie auf einem rechts­wid­ri­gen und rück­ab­ge­wi­ckel­ten Zustand beru­hen 8. Der an die Gewäh­rung von Arbeits­lo­sen­geld anknüp­fen­de Bei­trags­an­spruch des gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rers und des sozia­len Pfle­ge­ver­si­che­rers und damit kor­re­spon­die­rend die Leis­tungs­pflicht der Bun­des­agen­tur für Arbeit gegen­über die­sen Ver­si­che­rern sind also nicht wegen der rück­wir­ken­den Gewäh­rung der Erwerbs­min­de­rungs­ren­te an die Geschä­dig­te ent­fal­len. Dem­entspre­chend kann die kla­gen­de Bun­des­agen­tur für Arbeit die von ihr gezahl­ten Bei­trä­ge von dem Kran­kenund dem Pfle­ge­ver­si­che­rer nicht zurück­for­dern 9. Dem­ge­gen­über war und ist gemäß § 335 Abs. 2 Satz 4, Abs. 5 SGB III die DRV als 10 Trä­ger der Ren­ten­ver­si­che­rung im Außen­ver­hält­nis zum Kran­kenund zum Pfle­ge­ver­si­che­rer trotz der rück­wir­ken­den Bewil­li­gung der Erwerbs­min­de­rungs­ren­te nicht ver­pflich­tet, für die­sel­be Zeit Bei­trä­ge zur Kran­kenund Pfle­ge­ver­si­che­rung zu ent­rich­ten. Denn der Bei­trags­pflicht ist bereits durch die Zah­lung der (hier höhe­ren) Bei­trä­ge aus dem Arbeits­lo­sen­geld durch die Bun­des­agen­tur für Arbeit genügt wor­den, die bei der Kran­kenund Pfle­ge­ver­si­che­rung ver­blei­ben.

Dem For­de­rungs­über­gang gemäß § 116 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 SGB X steht nicht ent­ge­gen, dass die Bun­des­agen­tur für Arbeit im Innen­ver­hält­nis zur DRV als gesetz­li­chem Ren­ten­ver­si­che­rer gemäß § 335 Abs. 2 Sät­ze 1, 2, Abs. 5 SGB III einen Anspruch auf Erstat­tung der Bei­trä­ge hat, weil ihr gemäß § 145 Abs. 3 Satz 1 SGB III auch ein Erstat­tungs­an­spruch hin­sicht­lich des Arbeits­lo­sen­gel­des zusteht. Denn der Anspruchs­über­gang nach § 116 Abs. 1 SGB X ist, wie dar­ge­legt, an die Vor­aus­set­zung geknüpft, dass der Sozi­al­leis­tungs­trä­ger nach außen hin 11 zur Leis­tung gesetz­lich ver­pflich­tet ist. Wenn wie hier von meh­re­ren in Betracht kom­men­den Sozi­al­leis­tungs­trä­gern (hier: Bun­des­an­stalt für Arbeit und DRV) nur einer (hier: Bun­des­an­stalt für Arbeit) im Außen­ver­hält­nis (hier: gegen­über dem Kran­kenund dem Pfle­ge­ver­si­che­rer) bei­trags­leis­tungs­pflich­tig ist, ist also die­ser allein als Rechts­nach­fol­ger des Geschä­dig­ten gegen­über dem Schä­di­ger anspruchs­be­rech­tigt, und zwar ohne Rück­sicht dar­auf, ob er nach den ein­schlä­gi­gen Aus­gleichs­be­stim­mun­gen im Innen­ver­hält­nis eben­falls Ersatz für sei­ne Auf­wen­dun­gen ver­lan­gen könn­te 12. Eine dop­pel­te Ent­schä­di­gung des aus­gleichs­be­rech­tig­ten Trä­gers und eine dadurch ein­tre­ten­de Benach­tei­li­gung des aus­gleichs­pflich­ti­gen Trä­gers wer­den ent­we­der dadurch ver­mie­den, dass der Aus­gleichs­be­rech­tig­te von dem Aus­gleichs­ver­pflich­te­ten einen Aus­gleich nur erhält, wenn er die­sem den Scha­dens­er­satz­an­spruch in Höhe des Aus­gleichs­be­trags abtritt, oder dadurch, dass er dem ande­ren Trä­ger den Aus­gleichs­be­trag nach Emp­fang der Scha­dens­er­satz­leis­tung zurück­zu­zah­len hat 13. Vor­lie­gend stellt sich für den hier allein ein­ge­for­der­ten Rest­be­trag der Bei­trä­ge die Fra­ge einer dop­pel­ten Ent­schä­di­gung der Bun­des­agen­tur für Arbeit ohne­hin nicht, weil die­se inso­weit kei­nen Aus­gleich von der DRV ver­lan­gen kann. Denn ihr Erstat­tungs­an­spruch gegen die­se ist, wie im ange­grif­fe­nen Urteil zutref­fend aus­ge­führt, gemäß § 335 Abs. 2 Satz 3 Nr. 1, Abs. 5 SGB III auf die Bei­trags­an­tei­le begrenzt, die für den­sel­ben Zeit­raum aus der Ren­te zu ent­rich­ten gewe­sen wären.

Auch ein etwai­ger Erstat­tungs­an­spruch der Bun­des­agen­tur für Arbeit gegen den Bezie­her von Arbeits­lo­sen­geld auf Ersatz der gezahl­ten Bei­trä­ge zur gesetz­li­chen Kran­kenund zur sozia­len Pfle­ge­ver­si­che­rung aus § 335 Abs. 1 Satz 1, Abs. 5 SGB III berührt das im Rah­men des § 116 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 SGB X maß­geb­li­che Außen­ver­hält­nis nicht. Abge­se­hen davon wür­de vor­lie­gend ein sol­cher Erstat­tungs­an­spruch der Bun­des­agen­tur für Arbeit gegen die Geschä­dig­te an dem unge­schrie­be­nen Merk­mal des nicht pflicht­ge­mä­ßen Ver­hal­tens des Ver­si­cher­ten schei­tern 14.

Schließ­lich fehlt es auch nicht an der sach­li­chen Kon­gru­enz von Scha­dens­er­sat­zund Bei­trags­an­spruch. Es bestehen kei­ne Anhalts­punk­te dafür und wer­den von den Par­tei­en auch nicht gel­tend gemacht, dass der mit den Bei­trä­gen zur Kran­kenund Pfle­ge­ver­si­che­rung ver­bun­de­ne Schutz sei­ner Art nach 15 nicht eben­so wie der mit der Haupt­leis­tung ver­bun­de­ne Schutz den Erwerbs­scha­den umfasst, für den die Haft­pflicht­ver­si­che­rung gegen­über der Geschä­dig­ten ein­zu­ste­hen hat.

Da sich im vor­lie­gen­den Fall das Beru­fungs­ge­richt bis­lang nur mit der Aktiv­le­gi­ti­ma­ti­on der Bun­des­agen­tur für Arbeit befasst und noch kei­ne Fest­stel­lun­gen dazu getrof­fen hat, ob der auf die Bun­des­agen­tur für Arbeit über­ge­gan­ge­ne Anspruch der Geschä­dig­ten auf Ersatz ihres Erwerbs­scha­dens die von der Bun­des­agen­tur für Arbeit gel­tend gemach­ten Bei­trags­be­trä­ge in vol­lem Umfang umfasst, war die Sache an das Beru­fungs­ge­richt zurück­zu­ver­wei­sen (§ 563 Abs. 1 Satz 1 ZPO). Es ist sehr unwahr­schein­lich, aber nicht von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen, dass der Erwerbs­scha­den der Geschä­dig­ten nied­ri­ger ist als das von der Bun­des­agen­tur für Arbeit gezahl­te Arbeits­lo­sen­geld, nach des­sen Höhe sich die Bei­trä­ge rich­ten (vgl. etwa § 150 SGB III). Soll­te dies der Fall sein, wäre der Ersatz­an­spruch ent­spre­chend zu redu­zie­ren.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Sep­tem­ber 2019 – VI ZR 437/​18

  1. vgl. BGH, Urteil vom 27.01.2015 – VI ZR 54/​14, BGHZ 204, 44 Rn. 14; BGH, Urteil vom 17.04.1958 – II ZR 198/​56, BGHZ 27, 107, 111 ff., zu § 1542 RVO[]
  2. vgl. Über­schrift zu §§ 145, 146 SGB III[]
  3. BSG, Urtei­le vom 12.12 2017 B 11 AL 27/​16 R, BeckRS 2017, 137017 Rn. 12; vom 21.03.2007 B 11a AL 31/​06 R, BeckRS 2007, 45853 Rn. 16 f. zu § 125 Abs. 1 SGB III a.F.[]
  4. vgl. BSG, Urteil vom 21.03.2007 B 11a AL 31/​06 R, BeckRS 2007, 45853 Rn. 17 zu § 125 Abs. 1 SGB III a.F.; BSG, SGb 1999, 315, 317 f.; BSG, Urteil vom 14.12 1995 11 RAr 19/​95, BeckRS 1995, 30758824 zur Vor­gän­ger­re­ge­lung § 105a AFG[]
  5. BSG, Urteil vom 30.01.2002 B 5 RJ 6/​01 R, BeckRS 2002, 40723 zu § 125 Abs. 1 SGB III a.F.; Lüdtke/​Böttiger in Böttiger/​Körtek/​Schaumberg, Sozi­al­ge­setz­buch III, 3. Aufl., § 145 Rn. 2[]
  6. vgl. BGH, Urtei­le vom 27.01.2015 – VI ZR 54/​14, BGHZ 204, 44 Rn. 14; vom 08.07.2003 – VI ZR 274/​02, BGHZ 155, 342, 346 ff. 12 ff.; vom 28.03.1995 – VI ZR 244/​94, VersR 1995, 600, 601 f. 11 ff.; BGH, Urteil vom 17.04.1958 – II ZR 198/​56, BGHZ 27, 107, 111 ff. 7 ff. zu § 1542 RVO[]
  7. BSG, NZS 2014, 458 Rn. 23[]
  8. Peters in Kas­se­ler Kom­men­tar Sozi­al­ver­si­che­rungs­recht, Stand Juni 2019, § 5 SGB V Rn. 45[]
  9. BSG, Urteil vom 15.10.2014 B 12 KR 13/​12 R20 ff.[]
  10. im Innen­ver­hält­nis aus­gleichs­pflich­ti­ger, dazu sogleich bb[]
  11. im Rah­men des § 116 Abs. 1 Satz 1 SGB X also gegen­über dem Gläu­bi­ger der Sozi­al­leis­tung, im Rah­men des § 116 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 SGB X gegen­über dem Gläu­bi­ger der Bei­trags­leis­tung[]
  12. vgl. BGH, Urteil vom 27.01.2015 – VI ZR 54/​14, BGHZ 204, 44 Rn. 14; BGH, Urteil vom 17.04.1958 – II ZR 198/​56, BGHZ 27, 107, 111 7 zu § 1542 RVO[]
  13. vgl. BGH, Urteil vom 27.01.2015 – VI ZR 54/​14, BGHZ 204, 44 Rn. 14; BGH, Urteil vom 17.04.1958 – II ZR 198/​56, BGHZ 27, 107, 122 f. 23[]
  14. vgl. hier­zu BSG, Urteil vom 15.10.2014 B 12 KR 13/​12 R 24 mwN[]
  15. vgl. hier­zu nur BGH, Urtei­le vom 30.06.2015 – VI ZR 379/​14, BGHZ 206, 136, Rn. 14; vom 25.06.2013 – VI ZR 128/​12, BGHZ 197, 316 Rn. 26, jeweils mwN[]