Schätz­grund­la­ge für Miet­wa­gen­kos­ten

Muss im Rah­men der Scha­dens­be­rech­nung etwa nach einem Ver­kehrs­un­fall eine Schät­zung der Miet­wa­gen­kos­ten vor­ge­nom­men wer­den, so bil­den nach einem aktu­el­len Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs die Schwa­cke-Lis­te und der Fraun­ho­fer-Miet­preis­spie­gel hier­für eine geeig­ne­te Schätz­grund­la­ge.

Schätz­grund­la­ge für Miet­wa­gen­kos­ten

In dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Falls strei­ten die Par­tei­en um die Höhe der Miet­wa­gen­kos­ten nach einem Ver­kehrs­un­fall. Die Klä­ge­rin, eine Auto­ver­mie­tung, ver­lang­te aus abge­tre­te­nem Recht des Geschä­dig­ten für eine Anmiet­dau­er von 18 Tagen von dem beklag­ten Haft­pflicht­ver­si­che­rer Miet­wa­gen­kos­ten zu einem Tages­satz von 100 € pau­schal zuzüg­lich Neben­kos­ten in Höhe von ins­ge­samt 2757,32 € ersetzt; die Beklag­te erstat­te­te davon ledig­lich 1999,20 €.

Das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Amts­ge­richt Bad Hers­feld hat der auf Zah­lung der Dif­fe­renz gerich­te­ten Kla­ge statt­ge­ge­ben 1). Dabei ist das Amts­ge­richt für die Schät­zung der erfor­der­li­chen Miet­wa­gen­kos­ten hin­sicht­lich der übli­cher­wei­se auf dem ört­lich rele­van­ten Markt – nicht nur für Unfall­ge­schä­dig­te – erhält­li­chen Tari­fe (sog. Nor­mal­ta­rif) von der so genann­ten Schwa­cke-Lis­te unter Berück­sich­ti­gung eines Auf­schlags wegen der Anmie­tung eines so genann­ten Unfal­l­ersatz­fahr­zeugs aus­ge­gan­gen. Auf die Beru­fung der beklag­ten Geschä­dig­ten hat das Land­ge­richt Ful­da das amts­ge­richt­li­che Urteil auf­ge­ho­ben und die Kla­ge abge­wie­sen 2. In sei­nem Urteil hat das Land­ge­richt Ful­da den zu erset­zen­den Betrag abwei­chend vom Amts­ge­richt auf der Grund­la­ge des Fraun­ho­fer-Miet­preis­spie­gels ermit­telt und einen Auf­schlag für ein Unfal­l­ersatz­fahr­zeug nicht gewährt. Die Schwa­cke-Lis­ten wie­sen erheb­li­che Defi­zi­te in der Metho­dik der Daten­er­he­bung auf und stell­ten kei­ne geeig­ne­te Schätz­grund­la­ge dar, so das Land­ge­richt Ful­da. Daher sei der Fraun­ho­fer – Miet­preis­spie­gel vor­zu­zie­hen.

Gegen die­se Auf­fas­sung wen­det sich die Klä­ge­rin mit der Revi­si­on. Der Bun­des­ge­richts­hof hat nun die bei den Instanz­ge­rich­ten unter­schied­lich beant­wor­te­te Fra­ge, wel­che Schätz­grund­la­ge bei der Schät­zung der erfor­der­li­chen Miet­wa­gen­kos­ten zugrun­de gelegt wer­den darf, in Fort­füh­rung sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung dahin beant­wor­tet, dass der Tatrich­ter sei­ner Scha­dens­schät­zung sowohl die Schwa­cke-Lis­te als auch den Fraun­ho­fer-Miet­preis­spie­gel zugrun­de legen darf. Der Umstand, dass die vor­han­de­nen Markt­er­he­bun­gen im Ein­zel­fall zu abwei­chen­den Ergeb­nis­sen füh­ren kön­nen, genügt nicht, um Zwei­fel an der Eig­nung der einen oder ande­ren Erhe­bung als Schätz­grund­la­ge zu begrün­den. Die Lis­ten die­nen dem Tatrich­ter nur als Grund­la­ge für sei­ne Schät­zung. Er kann im Rah­men sei­nes Ermes­sens von die­sen – etwa durch Abschlä­ge oder Zuschlä­ge auf die sich aus ihnen erge­ben­den Tari­fe – abwei­chen.

Im Ergeb­nis hat der Bun­des­ge­richts­hof das Beru­fungs­ur­teil desw Land­ge­richts Ful­da aller­dings auf­ge­ho­ben und die Sache zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Land­ge­richt Ful­da zurück­ver­wie­sen, weil die­ses prü­fen muss, ob ein Zuschlag, auch im Hin­blick auf die Anmie­tung eines Unfal­l­ersatz­fahr­zeugs, zu gewäh­ren ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. April 2011 – VI ZR 300/​09

  1. AG Bad Hers­feld, Urteil vom 30.12.2008 – 10 C 575/​08 (10[]
  2. LG Ful­da, Urteil vom 18.09.2009 – 1 S 4/​09[]