Schät­zung von Miet­wa­gen­kos­ten

Der Schwa­cke Auto­miet­preis­spie­gel ist als Schätz­grund­la­ge für Miet­wa­gen­kos­ten unbrauch­bar, wenn er aus sich her­aus wider­sprüch­lich ist. Das ist jeden­falls dann der Fall, wenn die Prei­se der Miet­grup­pe 3 teu­rer sind als die Prei­se der Miet­grup­pe 4.

Schät­zung von Miet­wa­gen­kos­ten

Ob der Fraun­ho­fer Markt­preis­spie­gel als Schätz­grund­la­ge gene­rell vor­zugs­wür­dig ist, kann jeden­falls dann dahin­ste­hen, wenn nach einer Beweis­auf­nah­me fest­steht, dass etwai­ge Miet­wa­gen­kos­ten des Geschä­dig­ten mit der außer­ge­richt­lich erbrach­ten Ent­schä­di­gungs­zah­lung aus­rei­chend regu­liert wur­den.

Nach § 249 BGB kann der Geschä­dig­te vom Schä­di­ger (bzw. des­sen Haft­pflicht­ver­si­che­rer) als erfor­der­li­chen Her­stel­lungs­auf­wand nur den Ersatz der­je­ni­gen Miet­wa­gen­kos­ten ver­lan­gen, die ein ver­stän­di­ger, wirt­schaft­lich ver­nünf­tig den­ken­der Mensch in der Lage des Geschä­dig­ten für zweck­mä­ßig und not­wen­dig hal­ten durf­te. Der Geschä­dig­te ist dabei eben­so wie bei ande­ren Kos­ten der Wie­der­her­stel­lung nach dem aus dem Grund­satz der Erfor­der­lich­keit her­ge­lei­te­ten Wirt­schaft­lich­keits­ge­bot gehal­ten, im Rah­men des ihm Zumut­ba­ren von meh­re­ren mög­li­chen den wirt­schaft­li­che­ren Weg der Scha­dens­be­he­bung zu wäh­len. Das bedeu­tet für den Bereich der Miet­wa­gen­kos­ten, dass er von meh­re­ren auf dem ört­lich rele­van­ten Markt – nicht nur für Unfall­ge­schä­dig­te – erhält­li­chen Tari­fen für die Anmie­tung eines ver­gleich­ba­ren Ersatz­fahr­zeu­ges grund­sätz­lich nur den güns­ti­ge­ren Miet­preis ersetzt ver­lan­gen kann 1.

Des­sen Ermitt­lung woll­te das Amts­ge­richt Kehl im hier ent­schie­de­nen Fall aber nicht auf­grund der Schwa­cke-Lis­te vor­neh­men: Es kann dahin ste­hen, so das Amts­ge­richt Kehl, ob der Schwa­cke-Miet­preis­spie­gel 2009 im Post­leit­zah­len­ge­biet 776 gene­rell als Schätz­grund­la­ge unge­eig­net ist. Denn jeden­falls im Bereich der vom Klä­ger bean­spruch­ten Miet­wa­gen­grup­pe 3 kann kein Zwei­fel an sei­ner Unbrauch­bar­keit bestehen, da es kei­nen plau­si­blen Grund dafür gibt, dass die Prei­se der Grup­pe 3 teu­rer sind als die der Grup­pe 4. Die Schätz­grund­la­ge ist inso­weit aus sich her­aus wider­sprüch­lich und daher unge­eig­net.

Amts­ge­richt Kehl, Urteil vom 28. Febru­ar 2011 – 4 C 205/​10

  1. BGH NJW 2006, 1506; BGH NJW 2007, 1122; BGH NJW 2008, 1519[]