Schmer­zens­geld an der Tape­ten­kleis­ter­ma­schi­ne

Dass sich der Impor­teur von Bil­lig-Bau­markt­wa­re erheb­li­chen Haf­tungs­an­sprü­chen aus­setzt, beweist ein heu­te ver­öf­fent­lich­tes, ver­brau­cher­freund­li­ches Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs:

Schmer­zens­geld an der Tape­ten­kleis­ter­ma­schi­ne

Der Klä­ger erwarb im April 2001 eine Tape­ten­kleis­ter­ma­schi­ne bei einer Super­markt­ket­te. Die Beklag­te impor­tiert die­se Maschi­nen aus Chi­na und ver­treibt sie in der Bun­des­re­pu­blik unter einer eige­nen Mar­ke. Die Maschi­ne ist nach den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts so kon­stru­iert, dass man, um die Kleis­ter­wan­ne zu rei­ni­gen, hin­ein­grei­fen muss. Dort wies das vom Klä­ger gekauf­te Exem­plar schar­fe Blech­kan­ten auf, an denen sich der Klä­ger beim Rei­ni­gen der Kleis­ter­wan­ne erheb­li­che Schnitt­ver­let­zun­gen an der Hand zuge­zo­gen hat. Hier­für ver­lang­te er von der Beklag­ten Scha­dens­er­satz. Das Amts­ge­richt hat ihm u. a. 4.000 ? Schmer­zens­geld zuge­spro­chen. Das Land­ge­richt hat die Beru­fung der Beklag­ten zurück­ge­wie­sen und die Revi­si­on zuge­las­sen.

Der unter ande­rem für die Pro­dukt­haf­tung zustän­di­ge VI. Zivil­se­nat des BGH hat die Ent­schei­dung der Vor­in­stanz im Ergeb­nis bestä­tigt. Das Land­ge­richt hat zwar fälsch­lich eine Haf­tung auf der Grund­la­ge des Pro­dukt­si­cher­heits­ge­set­zes bejaht. Die Beklag­te haf­tet dem Klä­ger jedoch wegen der Ver­let­zung von § 3 Abs. 1 Satz 2 des Gerä­te­si­cher­heits­ge­set­zes, der ein Schutz­ge­setz im Sin­ne des § 823 Abs. 2 BGB ist. Der Impor­teur eines tech­ni­schen Arbeits­mit­tels ist ver­pflich­tet, die­ses vor dem Beginn des Inver­kehr­brin­gens und sodann stich­pro­ben­ar­tig dar­auf­hin zu unter­su­chen, ob es den aner­kann­ten Regeln der Tech­nik ent­spricht. Die gekauf­te Tape­ten­kleis­ter­ma­schi­ne war nach den Fest­stel­lun­gen der Vor­in­stan­zen nicht von die­ser Beschaf­fen­heit, da die Blech­kan­ten bei der Her­stel­lung nicht ent­gra­tet wur­den und des­halb zu Ver­let­zun­gen füh­ren konn­ten. Die Beklag­te hat dies zu ver­tre­ten. Ihr Ver­schul­den wird nach dem Gesetz ver­mu­tet; des­halb hät­te sie dar­le­gen müs­sen, inwie­fern sie ihrer Unter­su­chungs­pflicht nach­ge­kom­men ist. Ihr dahin­ge­hen­des tat­säch­li­ches Vor­brin­gen in den Vor­in­stan­zen wur­de indes vom Beru­fungs­ge­richt zu Recht für unzu­rei­chend erach­tet.

Urteil vom 28. März 2006 – VI ZR 46/​05