Schmer­zens­geld nach Hun­de­biss

Für die Fra­ge des Scha­dens­er­sat­zes wegen eines Hun­de­s­bis­ses kommt es nicht dar­auf an, ob der eige­ne oder der frem­de Hund gebis­sen hat, son­dern wel­cher Hund die Ver­let­zung ver­ur­sacht hat.

Schmer­zens­geld nach Hun­de­biss

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he in dem hier vor­lie­gen­den Fall der Scha­dens­er­satz­kla­ge statt­ge­ge­ben und dem Klä­ger sowohl Schmer­zens­geld als auch Ver­dienst­aus­fall zuge­spro­chen. Zu dem Vor­fall war es im Novem­ber 2015 gekom­men, als der Klä­ger mit sei­ner ange­lein­ten Bull­dog­ge im Bereich Wein­heim spa­zie­ren ging. Die beklag­te Hun­de­hal­te­rin woll­te ihren Hund, einen Ter­ri­er, eben­falls aus­füh­ren. Der Ter­ri­er sprang, als die Beklag­te den Kof­fer­raum öff­ne­te, nicht ange­leint aus dem Fahr­zeug und lief auf den Klä­ger und des­sen Hund zu. Im Ver­lauf des fol­gen­den „Gemen­ges“ kam der Klä­ger zu Fall und wur­de im Gesicht gebis­sen. Die Biss­wun­de des Klä­gers am Ohr muss­te genäht, die Wun­de unter­halb des Auges ärzt­lich ver­sorgt wer­den. Der frei­be­ruf­lich täti­ge Klä­ger war fünf Tage arbeits­un­fä­hig und hat eine Nar­be davon getra­gen.

Vom Land­ge­richt Mann­heim ist die Kla­ge abge­wie­sen wor­den, da nicht fest­stell­bar sei, ob der eige­ne Hund den Klä­ger gebis­sen habe oder der Hund der Beklag­ten. Dar­auf­hin hat der Klä­ger sein Ziel vor dem Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he wei­ter ver­folgt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es nicht auf die Fra­ge ankommt, wel­cher Hund den Klä­ger gebis­sen hat. Der Ter­ri­er der Beklag­ten hat die Ver­let­zung des Klä­gers jeden­falls ver­ur­sacht, indem er auf den Klä­ger und des­sen Hund knur­rend und bel­lend zuge­stürmt ist und mit dem Hund des Klä­gers, den der Ter­ri­er nach Anga­ben sei­ner Hal­te­rin „nicht moch­te“, eine Rau­fe­rei begon­nen hat. Der Hun­de­hal­te­rin war in die­sem Fall vor­zu­wer­fen, dass ihr die Aggres­si­vi­tät ihres Hun­des bekannt war, da die­ser weni­ge Wochen vor dem Ereig­nis einen ande­ren Ter­ri­er ange­grif­fen und des­sen Hal­te­rin in die Hand gebis­sen hat­te.

Dage­gen konn­te ein Mit­ver­schul­den des Klä­gers, etwa in der Form, dass er sich zwi­schen die bei­den Hun­de gestellt hat, nicht fest­ge­stellt wer­den. Die Beklag­te haf­tet damit für den vol­len Scha­den, der dem Klä­ger ent­stan­den ist, näm­lich Ver­dienst­aus­fall in Höhe von 3.100,00 Euro. Bei der Höhe des außer­dem zuge­spro­che­nen Schmer­zens­gel­des von 2.000,00 Euro hat das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he die Ver­let­zung des Klä­gers und die Recht­spre­chung in ver­gleich­ba­ren Fäl­len berück­sich­tigt.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 10. Okto­ber 2019 – 7 U 86/​18