Schmer­zens­geld trotz nicht aus­zu­schlie­ßen­der Schuld­un­fä­hig­keit

Nach § 827 BGB ist für den Scha­den der­je­ni­ge nicht ver­ant­wort­lich, der im Zustand der Bewusst­lo­sig­keit oder in einem die freie Wil­lens­be­stim­mung aus­schlie­ßen­den Zustand krank­haf­ter Stö­rung der Geis­tes­tä­tig­keit einem ande­ren Scha­den zufügt. Für eine wegen die­ser Umstän­de aus­nahms­wei­se ein­ge­tre­te­ne Delikts­un­fä­hig­keit trägt der Schä­di­ger die Beweis­last.

Schmer­zens­geld trotz nicht aus­zu­schlie­ßen­der Schuld­un­fä­hig­keit

Die­se Beweis­last­re­gel [1] gilt auch im Adhä­si­ons­ver­fah­ren. Dabei han­delt es sich zwar um ein dem Straf­ver­fah­ren anhän­gen­des Ver­fah­ren, bei dem die straf­pro­zes­sua­len Regeln für die Ermitt­lung des Sach­ver­halts und die Über­zeu­gung von der Schuld des Ange­klag­ten gel­ten [2].

Für die sich dar­aus erge­ben­den ver­mö­gens­recht­li­chen Ansprü­che gel­ten indes die Vor­schrif­ten des Zivil­rechts. Ansons­ten stün­de der Schä­di­ger im Adhä­si­ons­ver­fah­ren güns­ti­ger als im Zivil­pro­zess [3].

Danach ist im vor­lie­gend ent­schie­de­nen Fall die Ver­ur­tei­lung zur Zah­lung von Schmer­zens­geld nicht zu bean­stan­den. Der Ange­klag­te hat nicht bewei­sen kön­nen, dass er zum Tat­zeit­punkt schuld­un­fä­hig war. Dem Sach­ver­stän­di­gen fol­gend hat das Land­ge­richt dies ledig­lich nicht aus­schlie­ßen kön­nen. Die siche­re Fest­stel­lung einer Schuld­un­fä­hig­keit war hin­ge­gen nach den Dar­le­gun­gen im Urteil, die von der Revi­si­on nicht ange­grif­fen wer­den, nicht mög­lich.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. August 2014 – 3 StR 341/​14

  1. vgl. BGH, Urteil vom 25.11.1987 – IVa ZR 160/​86, BGHZ 102, 227, 230[]
  2. KMR-Stö­ckel 66. EL § 404 Rn. 11 ff.[]
  3. Reichold in: juris­PK-BGB, 7. Aufl., § 827 Rn. 9; LG Ber­lin, Urteil vom 01.12 2005 – (515) 93 Js 3567/​04 KLs (13/​05), NZV 2006, 389, 390[]