Schrift­li­che Män­gel­an­zei­ge – nur per Ein­schrei­ben?

In einem (gewerb­li­chen) Miet­ver­trag kann für eine Män­gel­an­zei­ge zwar Schrift­form vor­ge­schrie­ben, nicht aber auch die Ver­sen­dung als (Ein­wurf-)Ein­schrei­ben als Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung ver­ein­bart wer­den.

Schrift­li­che Män­gel­an­zei­ge – nur per Ein­schrei­ben?

Zu Ver­trags­klau­seln in Miet­ver­trä­gen über Gewer­be­raum, die eine schrift­li­che Kün­di­gung durch Ein­schrei­ben vor­se­hen, hat der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den, dass die Schrift­form kon­sti­tu­ti­ve Bedeu­tung im Sin­ne von § 125 Satz 2 BGB hat, wäh­rend die Ver­sen­dung als Ein­schrei­be­brief nur den Zugang der Kün­di­gungs­er­klä­rung sichern soll. Des­we­gen ist bei einer sol­chen Klau­sel regel­mä­ßig nur die Schrift­form als Wirk­sam­keits­er­for­der­nis für die Kün­di­gungs­er­klä­rung ver­ein­bart, wohin­ge­gen ihr Zugang auch in ande­rer Wei­se als durch einen Ein­schrei­be­brief wirk­sam erfol­gen kann 1.

Für eine Klau­sel, die eine schrift­li­che Män­gel­rü­ge mit Frist­set­zung per Ein­schrei­ben-Rück­schein als ver­trag­li­che Vor­aus­set­zung der Min­de­rung bestimmt, gilt inso­weit nichts ande­res. Durch eine sol­che wird der Ver­sen­dungs­art regel­mä­ßig kei­ne kon­sti­tu­ti­ve Bedeu­tung bei­gege­ben. Dafür, dass abwei­chend hier­von auch die Ver­sen­dungs­art Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung für die Män­gel­rü­ge mit Frist­set­zung sein soll­te, ist – ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­ons­be­klag­ten – nichts ersicht­lich.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 14. Okto­ber 2015 – XII ZR 84/​14

  1. BGH, Urtei­le vom 23.01.2013 – XII ZR 35/​11, NJW 2013, 1082 Rn. 8; und vom 21.01.2004 – XII ZR 214/​00, NJW 2004, 1320 mwN[]