Schrift­sät­ze nach Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung

Nach § 296 a Satz 1 ZPO kön­nen nach Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung, auf die das Urteil ergeht, Angriffs- und Ver­tei­di­gungs­mit­tel nicht mehr vor­ge­bracht wer­den. Aus die­ser Norm folgt aber nicht, dass das Gericht einen nach Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung ein­ge­reich­ten Schrift­satz von vorn­her­ein unbe­rück­sich­tigt las­sen darf.

Schrift­sät­ze nach Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung

Das Gericht muss das Vor­brin­gen viel­mehr in jedem Fall beach­ten. Es hat dar­über hin­aus zu prü­fen, ob Grün­de für eine Wie­der­eröff­nung der münd­li­chen Ver­hand­lung nach § 156 Abs. 2 ZPO gege­ben sind oder ob nach dem Ermes­sen des Gerichts (§ 156 Abs. 1 ZPO) die münd­li­che Ver­hand­lung wie­der zu eröff­nen ist.

Auch wenn der nach­ge­reich­te Schrift­satz nicht mehr bei der Ent­schei­dung über das Urteil Beach­tung fin­den kann, weil das Urteil nach Bera­tung und Abstim­mung bereits gefällt (§ 309 ZPO), aber noch nicht ver­kün­det ist, hat das Gericht wei­ter­hin bis zur Urteils­ver­kün­dung ein­ge­hen­de Schrift­sät­ze zur Kennt­nis zu neh­men und eine Wie­der­eröff­nung der münd­li­chen Ver­hand­lung zu prü­fen 1.

Über die Fra­ge der Wie­der­eröff­nung ent­schei­det die Kam­mer mit den ehren­amt­li­chen Rich­tern, die an der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung teil­ge­nom­men haben 2.

Die Pflicht zur Wie­der­eröff­nung besteht in den Fäl­len des § 156 Abs. 2 ZPO, wenn das Gericht eine Ver­let­zung des recht­li­chen Gehörs oder einen sons­ti­gen erheb­li­chen Ver­fah­rens­feh­ler fest­stellt, Wie­der­auf­nah­me­grün­de vor­lie­gen oder ein Rich­ter aus­ge­schie­den ist. Kei­ner die­ser Fäl­le ist vor­lie­gend gege­ben. Die Wie­der­eröff­nung ist dem­ge­gen­über nicht zwin­gend gebo­ten, wenn die münd­li­che Ver­hand­lung ohne Ver­fah­rens­feh­ler geschlos­sen wur­de und eine Par­tei ent­ge­gen § 296a ZPO (selbst auf­klä­rungs­be­dürf­ti­ge) neue Angriffs- oder Ver­tei­di­gungs­mit­tel nach­reicht 3

In allen übri­gen Fäl­len steht die Wie­der­auf­nah­me im Ermes­sen des Gerich­tes. Hier­bei ist einer­seits die Kon­zen­tra­ti­ons­ma­xi­me zu beach­ten, die den raschen Abschluss der Instanz gebie­tet. Auf der ande­ren Sei­te ist in die Abwä­gung ein­zu­stel­len, dass ein nach­fol­gen­des Rechts­be­helfs­ver­fah­ren ver­mie­den wer­den kann, das erst recht zur Ver­fah­rens­ver­zö­ge­rung führt 4. Die Wie­der­eröff­nung der münd­li­chen Ver­hand­lung ist weder erfor­der­lich noch zuläs­sig, wenn wie im vor­lie­gen­den Fall ledig­lich neue Angriffs- oder Ver­tei­di­gungs­mit­tel nach­ge­reicht wer­den oder neu­es Vor­brin­gen der Par­tei­en zum Ver­fah­rens­ge­gen­stand gemacht wer­den soll 5. Der Ver­kün­dungs­ter­min dient nicht dazu, es einer Par­tei zu ermög­li­chen, nach Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung wei­ter vor­zu­tra­gen.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Baden ‑Würt­tem­berg, Urteil vom 28. Sep­tem­ber 2015 – 17 Sa 51/​14

  1. BAG 25.01.2012 – 4 AZR 185/​10 14; BAG 18.12.2008 – 6 AZN 646/​08 3[]
  2. BAG v. 25.01.2012 – 4 AZR 185/​10, Rn. 17[]
  3. BAG 06.09.2007 – 2 AZR 264/​06 51; Zöl­ler-Gre­ger, 30. Aufl., § 156 Rn. 5[]
  4. BAG 06.09.2007 – 2 AZR 264/​06 52; Zöl­ler-Gre­ger, 30. Aufl., § 156 Rn. 5[]
  5. Ger­mel­man­n/­Mat­thes/Prüt­tin­g/­Mül­ler-Glö­ge, 8 Aufl., § 46 Rdnr. 37[]