Schrift­satz­nach­lass in der Beru­fungs­in­stanz

Ein Beru­fungs­ge­richt muss in Erfül­lung sei­ner pro­zes­sua­len Für­sor­ge­pflicht gemäß § 139 Abs. 4 ZPO Hin­wei­se auf sei­ner Ansicht nach ent­schei­dungs­er­heb­li­che Umstän­de, die die betrof­fe­ne Par­tei erkenn­bar für uner­heb­lich gehal­ten hat, grund­sätz­lich so früh­zei­tig vor der münd­li­chen Ver­hand­lung ertei­len, dass die Par­tei die Gele­gen­heit hat, ihre Pro­zess­füh­rung dar­auf ein­zu­rich­ten und schon für die anste­hen­de münd­li­che Ver­hand­lung ihren Vor­trag zu ergän­zen und die danach erfor­der­li­chen Bewei­se anzu­tre­ten.

Schrift­satz­nach­lass in der Beru­fungs­in­stanz

Erteilt es den Hin­weis ent­ge­gen § 139 Abs. 4 ZPO erst in der münd­li­chen Ver­hand­lung, muss es der betrof­fe­nen Par­tei genü­gend Gele­gen­heit zur Reak­ti­on hier­auf geben. Wenn es offen­sicht­lich ist, dass die Par­tei sich in der münd­li­chen Ver­hand­lung nicht abschlie­ßend erklä­ren kann, so muss das Beru­fungs­ge­richt – wenn es nicht in das schrift­li­che Ver­fah­ren über­geht – auch ohne einen Antrag auf Schrift­satz­nach­lass die münd­li­che Ver­hand­lung ver­ta­gen, um Gele­gen­heit zur Stel­lung­nah­me zu geben.

Erlässt das Beru­fungs­ge­richt in die­sem Fall ein Urteil, ohne die Sache ver­tagt zu haben, ver­stößt es gegen den Anspruch der Par­tei auf recht­li­ches Gehör, Art. 103 Abs. 1 GG 1.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 28. Janu­ar 2014 – VI ZR 248/​13

  1. BGH, Beschluss vom 04.07.2013 – VII ZR 192/​11, BauR 2013, 1727 Rn. 7 mwN[]